Die Templer und Andechs

(1104 - 1254)


 

Templer um 1150
Siegel des Großmeisters der Templer, Guillaume de Beaujeu

Akkon um 1286

 


Gründer des Templerordens war Hugo von Payens,

der aus der Champagne stammte.

 

1104 machte er im Gefolge des Grafen der Champagne eine Pilgerfahrt ins Land der Heiligkeit, das ihn tief beeindruckte.

1114 erschien er wieder als Pilger an den Stätten des Lebens Jesu - und blieb da.

1120 gründete er in Jerusalem mit nur acht weiteren französischen Rittern den neuen Orden, den ersten Geistlichen Ritterorden, dessen Mitglieder die Gelübde der Armut, der Keuschheit und des Gehorsams ablegten. Hauptzweck des Ordens sollte der Schutz der Pilger sein, die besonders von der Küste nach Jerusalem und von der Heiligen Stadt nach Jericho und zur Taufstätte Jesu am Jordan zu begleiten waren.

König Balduin II. gab ihnen Räume dicht bei der Stätte des verschwundenen alttestamentlich-herodianischen Tempels neben dem Palast des Königs. So kam der Orden zu seinem Namen. Fortan hießen auch die einzelen Templer-Ordenshäuser in Europa, gewissermaßen die Nachschubzentren, "Tempel" - "Tempelritter" - "Templer".

1129 zeichneten sich die Templer beim Kampf um Damaskus aus. Viele verloren dabei ihr Leben.

1135 regte Papst Innocenz II. (1130 - 1143) auf dem Konzil zu Pisa an, zur finanziellen Unterstützung der Templer Brüderschaften zu gründen. Seither gab und gibt es offiziell Affiliierte, heute besonders Damen, Ehrenmitglieder und Institutionen, die den Orden mit Geld und Sachspenden unterstützen.

1139 verlieh Papst Innocenz II mit der Bulle "Omne datum optimum" dem Orden umfassende Privilegien. Damit war der Orden als erste Gemeinschaft von Rittermönchen exemt, also jeder bischöflichen Jurisdiktion entnommen und allein dem Heiligen Stuhl unterstellt. Auf Grund dieser Magna Charta des Ordens gelang den Tempelherren der Aufschwung zu einer Ausnahmestellung in der Gesamtkirche.

1141 wurde eine weitere Papst-Bulle zugunsten der Templer ausgefertigt.

1145 erlaubte der Zisterzienserpapst Eugen III. den Templern eigene Kirchen und Friedhöfe. Dies gab dem Orden die Möglichkeit, Exkommunizierte großzügig auf Templerkirchhöfen zu begraben.

1147 verlieh der Zisterzienserpapst Eugen III. (1145 - 1153) den Templern das Recht, ein rotes (Tatzen-) Kreuz auf ihrem weißen Mantel zu tragen, der von Zisterziensern übernommen ist. Die rote Farbe sollte an den Opfertod Christi erinnern und die Bereitschaft zum Martyrium für den Glauben symbolisieren.

1188 bestätigte Papst Clemens III. (1187 - 1191) die bis dahin entstandene Zusammenfassung der Ordenssatzungen.

Die Templer sollten den freien Zugang zu den Heiligen Stätten wiederherstellen, die Pilger schützen und den Frieden sichern, sollten aber nicht die Andersgläubigen bekehren.

 

In ihrer Bibeltheologie sahen sie

1) den Jordan als Symbol für Taufe und Demut,

2) die Hügel Golgatha als Symbol für Einfachheit und Martyrium

3) und das leere Grab Christi als Symbol für Erlösungstat und Auferstehung.


Der Orden breitete sich explosionsartig aus. Die Templer wurden reich und privilegiert und versuchten immer wieder, zu einem eigenen Ordensstaat zu kommen.

1241 kämpften Templer zwischen polnischen Rittern und schlesischen Edelleuten bei Liegnitz aufopfernd gegen die Mongolen. Alle Ordensritter fielen.


Die Templer als Pioniere des Geldwesens:

 

Dem Orden flossen gewaltige Einkünfte zu, besonders die Zehnten seiner großen Besitzungen, von denen viele auch in einer Art Erbpacht ausgetan waren.

- Im Tal von Cinca (Aragon) eröffnete der Orden zwischen 1160 und 1279 14 Bewässerungskanäle. Mit Mühlenwerken ließ sich viel Geld verdienen.

- In Portugal bauten sie Wein an, der z.B. nach England verschifft wurde.

- Templerschiffe, besonders für Pilger, brachten erheblichen Gewinn. Der Überschuß wurde ins Heilige Land gesandt.

- Templerburgen dienten als Tresore für Kostbarkeiten von weltlichen und geistlichen Herren. Zu jedem trogähnlichen Geldschrank dort gab es, ähnlich wie bei heutigen Bankschließfächern, zwei verschiedene Schlüssel, einen für den Thesaurar und einen für den Depotinhaber. Diese Depots bei den Templer waren absolut sicher. Bald entwickelten die Tempelritter einen bargeldlosen Zahlungsverkehr. Wer in dem einen Ordenshaus eine Summe einzahlte, konnte sie nach Vorlage der entsprechenden Kassenanweisung in einer weitentfernten Komturei wieder in Empfang nehmen. Der Orden kassierte gewisse Gebühren und verdiente an den Zinsen. So wurde der risikoreiche Transfer von Münzgeld fast völlig entbehrlich. Die Templer ließen auch langfristige Einlagen arbeiten und verliehen die ihnen anvertrauten Gelder an Dritte. Als Sicherheit wurde möglichst Grundbesitz herangezogen. Als Zinsen wurden etwa zehn Prozent berechnet.

- Sie betätigten sich auch als Treuhänder.

Sie hatten ca. 50 Niederlassung in Deutschland.


Bamberg eine Templerkommende

 

 

Im Nekrolog des Franziskaner-Kloster Bamberg findet sich um 1500 ein Eintrag, der darauf hinweist, dass der Templerorden, der vor den Franziskanern an der Schranne war, von Papst Clemens V. aufgehoben wurde. Zudem wird in einer Reisekostenabrechnung des Bischofs Nikolaus von Ostia 1303 die Existenz von Templern im Hochstift Bamberg erwähnt. Bischof Wulfing von Stubenberg übergab den Besitz der Templer nach deren Aufhebung an die Franziskaner.

Das Bamberger Franziskaner-Kloster St. Anna war ehemals eine Templergründung - wie der Bettelorden um 1500 selbst dokumentiert. Drei Jahrhunderte später, 1806, wurde das Kloster im Zuge der Säkularisierung aufgelöst, die Klosterkirche abgebrochen. Nun findet sich dort das Vermessungsamt.

 

Gänge unter dem Bamberger Heinrichsdom

 


Spuren der Templer weisen auch nach Würzburg und nach Nürnberg. Und im oberfränkischen (ehem. Ort der Andechser -  Waischenfeld - hält sich eine örtliche Tradition, nach der die Burg und ein Vorgängerbau der Gemeindekirche St. Anna den Templern gehört haben soll.

 


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