Der Deutsche Orden und die Andechser

bis 1254


 

Deutschordensritter

um 1280

 

1189 - Kaufleute aus Bremen und Lübeck unternahmen vom friesischen Blexen aus im Rahmen des Barbarossa-Kreuzzugs mit elf neuartigen Großkoggen (200 Tonnen) eine bewaffnete Pilgerfahrt, die um die Iberische Halbinsel und durch das Mittelmeer ins Heilige Land führte.

Unterwegs kämpften sie auf Bitten des portugiesischen Königs gegen die Mauren. Am 3. September 1189 nahmen sie zunächst die Städte Silves, Albufeira und Cadiz ein. Danach fuhren sie über Marseille nach Akkon.

1190 - errichteten sie in Akkon ein Zelthospital und pflegten Kranke und Verletzte. Am 7. September 1190 traf Herzog Friedrich von Schwaben vor Akkon ein, der nach dem Tod seines Vaters Kaiser Friedrich I. Barbarossa im Fluß Salef das deutsche Kreuzheer weiterführte. 1190 gilt als das Gründungsjahr des Deutschen Ordens, des Ordo Theutonicorum.

1191 - Am 6. Februar 1191 erwirkte der deutsche König Heinrich VI. die päpstliche Bestätigung des Hospitals.

1192 - wurde ein Rechtsstreit zwischen Johannitern und dem Deutschen Hospital in Akkon wegen der Erbschaft zugunsten des deutschen Spitals geregelt.

1193 - übergab Graf Heinrich von der Champagne dem Hospital den am Nikolaus-Tor gelegenen Teil der Befestigungsanlage der Stadt.

1196 - nahm Papst Coelestin III. den der Kranken- und Armenpflege dienenden Orden in seinen Schutz.

1197 - bestätigte Kaiser Heinrich VI. den Brüdern des Deutschen Hospitals bereits das von ihnen gegründete Thomas-Spital sowie verschiedenen Besitz in Süditalien und Sizilien.

1198 - wurde die Krankenpflegegemeinschaft des deutschen Spitals in Akkon in einer feierlichen Versammlung geistlicher und weltlicher Fürsten - auch der zuständige Patriarch von Jerusalem und die drei Erzbischöfe des Heiligen Landes erschienen - in einen wirklichen Ritterorden umgewandelt. Erster Ordensmeister wurde der Vorsteher des Deutschen Hospitals in Akkon, Heinrich Walpot.

1199 - bestätigte Papst Innocenz III. den jungen Ritterorden.

1200 - wurde mit Hilfe des Erzbischofs Ludolf von Magdeburg das Spital zu Halle an der Saale erbaut.

1209 - verlieh Kaiser Otto IV. dem Orden die Jacobikirche in Nürnberg nebst allen Einkünften.

1211 - rief König Andreas II. von Ungarn den Deutschen Orden in die östlichsten Gebiete seines Reiches, um diese so vor den Einfällen der türkischen Kumanen zu schützen. Die Gottesritter errichteten fünf starke Burgen und bannten die Sturmflut der Kumanen.

1218/21 - zeichneten sich Deutschordensritter bei den Kämpfen um das ägyptische Damiette durch Mut und Tapferkeit aus.

1220 - brachte ein päpstliches Generalprivileg die volle Exemtion des Ordens von der Diözesangewalt: Von nun an war der Deutsche Orden, ebenso wie Johanniter und Templer, papstunmittelbar.

1221 - wurde der Deutsche Orden völlig den beiden älteren Ritterorden gleichgeordnet. Der weiße Ordensmantel wurde von den widerstrebenden Templern übernommen. Auf ihm brachte man ein schwarzes Kreuz an.

1225 - beteiligte sich der Ordenshochmeister Hermann von Salza auch an den Kreuzzugsverhandlungen zwischen Papst und Kaiser. Kaiser Friedrich II. erhob den tüchtigen Hochmeister nebst allen seinen Nachfolgern zum Reichsfürsten und verlieh ihm den schwarzen, einköpfigen Adler aus dem Reichswappen.

1226 - Goldene Bulle von Rimini hatte Kaiser Friedrich II. ganz im Sinne des Hochmeisters für das Territorium um Kulm ausgesprochen.

1229 - begleitete Hermann von Salza den gebannten Friedrich II. im Heiligen Land.

1230 - trug der Hochmeister zur Versöhnung von Papst und Kaiser bei.

1230 - eigenes Territorium um Kulm (Ungarn)

1231 - ging der neuernannte preußische Landmeister Hermann Balk mit sieben Ordensrittern und etlichen Kreuzfahrern bei Thorn über die Wichsel, wo im Gipfel einer hohen Eiche die erste Warte des Deutschordenstaates errichtet wurde.

1235 - bewog der Hochmeister den aufrührerischen König Heinrich, sich seinem kaiserlichen Vater wieder zu unterwerfen, um das Schlimmste zu verhüten. Im gleichen Jahr begann der Orden mit dem Bau der Elisabeth-Kirche in Marburg, des ersten, rein gotischen Baus auf deutschem Boden.

1239 - Hermann von Salza starb

1280 schufen die Deutschherren, Krieger und Mönche zugleich, unter ständigen Kämpfen einen Staat, der von der Wichsel bis zum Finnischen Meerbusen reichte.


Was verband die Deutschordensbrüder mit den Andechser?

Nachweisbar sind in dieser Zeit zwei Kontakte, wovon einer exakt in die Chronologie von 1209/11 paßt und die wahrhaft generöse Reliquienschenkung zwanglos erklärt:

König Andreas II. von Ungarn fertigte 1211 unter Mitwirkung des Erzbischofs von Kalocsa, Berthold von Meranien, ein Privileg für die "Kreuzfahrer vom Hospital St. Marien der Deutschen" aus, mit dem er ihnen das Burzenland frei und auf ewig übertrug.

Der Deutsche Orden begann dort auch sogleich zu siedeln, Burgen zu bauen und Kirchen zu gründen. Der König wollte mit diesem Akt die Grenze gegenüber den heidnischen Kumanen sichern, für den Orden jedoch war die Sache von ungleich größerem Gewicht. Erstmals konnte er sich aus dem Schlepptau kaiserlicher Politik lösen, in den seine Erwerbungen in Italien, Sizilien und Armenien von Anfang an eingebunden waren. Und erstmals gelang es damit einem der drei großen Ritterorden, in den Besitz eines größeren Territoriums zu kommen.

Der ungarische Königshof war damals der einzige, an dem Deutsche und besonders die Andechs-Meranier Einfluß hatten. Die willensstarke Gertrud von Meranien war der eigentliche Motor der königlichen Politik; sie hatte dafür gesorgt, daß der jüngste Meranierbruder Berthold trotz seines jugendlichen Alters Erzbischof von Kalocsa wurde und 1209 die Banschaft Kroatien, Dalmatien und Slavonien erhielt. Sie allein empfing 1211 zu Preßburg die Gesandten des Landgrafen von Thüringen, die ihre und des Königs Tochter Elisabeth für die geplante Heirat nach Deutschland holen sollten.

Der Preis, den die "Kreuzfahrer vom Hospital St. Marien der Deutschen" für die Bemühungen der Meranier am ungarischen Königshof zu zahlen hatten, bestand in der Hauptreliquie der Deutschordenskirche St. Mauritius in Konstantinopel, wenn wir auch nicht mit letzter Gewißheit sagen können, ob die Reliquie 1210/11 oder 1218 nach Oberfranken gelangt ist. Alles deutet darauf hin, daß die Meranier ganz gezielt diese Reliquie verlangt haben.

 

2) Andererseits ist der zweite Kontakt der Meranier zum Deutschen Orden mit dieser Möglichkeit nicht klar in Beziehung zu setzen: Otto und Bischof Ekbert wirkten 1219 an dem Verkauf des gesamten Besitzes des Bamberger St.-Jakob-Stifts in Langeln an den Deutschen Orden mit. Hier im Harzvorland gründete der Orden eine Kommende. Der Grundbesitz samt Pfarrkirche hatte für 450 Mark Silber den Besitzer gewechselt. Die Summe wurde für den Domneubau in Bamberg verwendet.

Der Stellenwert, den der Erwerb der Reliquie für das Meranier Herzogshaus hatte, kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Nichts eignete sich besser als zentrales Heiligtum für die Familie, die sich als königsgleich ansah, als der für echt gehaltene Körperrest dieses "Königsheiligen". Die Verehrung des Heiligen durch die Meranier legitimierte ihre fürstliche Stellung zugleich in Burgund und in Oberfranken. Jedermann wußte, daß Mauritius seinen Platz bei den Ottonenkaisern hatte und auch gegenwärtig im königlichen Insignien- und Reliquienhorst präsent war. Mit einem ihm gewidmeten Kult konnte die Familie also überdies ihre besondere Reichstreue herausstellen.

 


Informationen zum Deutschorden:

 

http://www.deutscher-orden.de/

http://www.heiligenlexikon.de/index.htm?Orden/Deutscher_Orden.htm

http://www.deutschordensmuseum.de/

http://www.deutschordenswerke.de/

http://www.gda.bayern.de/nbg09.htm

  


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"Ballei Franken"

Nach der Mitte des 13. Jahrhunderts bildete der Orden aus den Besitzungen in Franken, Bayern und Schwaben eine eigene Ordensprovinz, die bald nur noch als "Ballei Franken" bezeichnet wurde.

 

Der zur Krankenpflege gegründete Deutsche Orden, der 1198 in einen Ritterorden umgewandelt wurde, konnte durch Stiftungen rasch im Abendland und auch in Franken Fuß fassen: Nürnberg 1209, Ellingen 1216, Mergentheim 1219. Weitere Niederlassungen gab es bald in Würzburg, Wolframs-Eschenbach und Hüttenheim.

Die in der Regel besitzstarken Kommenden der zentralen Reichslandschaft am Main und an seinen Zuflüssen waren bis über die Mitte des 13. Jahrhunderts hinaus ohne Einordnung in eine Ordensprovinz verblieben und unterstanden unmittelbar dem Deutschmeister.