Grafen von Andechs-Meranien

=  Kunst und Wissenschaft =

 

 


Dank ihrer Verbindung mit dem

Orden der Tempelritter und dem Orden der Deutschritter

während der Kreuzzüge ist es den Grafen von Andechs-Meranien gelungen, sich einen unglaublichen Heiltumsschatz zu erkaufen. Das Wissen der Tempelritter aus dem Heiligen Land erkennbar auch den Bamberger Bauhütten und besonders auch die planmäßige Anlage der Stadt Bayreuth erscheint dadurch in einem besonderen Licht.


Andechser Heiltumschatz

 

An Obermain und Regnitz gab es zur Zeit Heinrich II. keine regional verehrten Märtyrerreliquien. Ähnlich wie in Sachsen mussten Reliquien zur Sakralisierung von Stadt und Landschaft erst importiert werden. Die Bamberger Fülle von 1012 charakterisiert den herrscherlichen Rang der Stiftung. Dem entsprach eine splendide Ausstattung mit liturgischem Gerät und Büchern, die für den Gottesdienst benötigt wurden. Der großartige Bamberger Kirchenschatz hat die Jahrhunderte nur in bescheidenen Resten überdauert. Schatzverzeichnisse freilich legen Zeugnis von einstigem Glanz ab.

Die Grafen von Andechs-Meranien konnten zusätzlich einen enormen Reliquienschatz ankaufen, lediglich in Rom oder in den Kirchen Konstantinopels gab es kostbare Reliquien in noch größerer Fülle.

 


Buchkunst zur Zeit der Andechs-Meranier in Bamberg

 

Von einzigartiger Bedeutung sind die Bücherschenkungen Heinrichs II., die zu einem beträchtlichen Teil in der Staatsbibliothek Bamberg überdauert haben. Neben Köln und Merseburg bietet Bamberg die wohl am besten erhaltene mittelalterliche Dombibliothek im deutschen Raum. Heinrich II. ließ in den allerersten Skriptoren seiner Zeit Codices herstellen, vor allem auf der Reichenau und in Seeon. Außerdem über wies er ältere Handschriften - darunter einzigartige Prunkstücke aus der Spätantike - an die Regnitz, vielleicht sogar Teile der Bibliothek Kaiser Ottos III. oder Papst Silvesters II. Neben den Büchern für den gottesdienstlichen Gebrauch kamen Handschriften aus allen Wissensgebieten der damaligen Zeit. Vom herrscherlichen Anspruch künden hochrangige illuminierte Codices mit den berühmtesten Herrscherbildern der spätottonischen Epoche, die nach der Säkularisierung teilweise von Bamberg nach München gelangten: voran das so genannte Evangeliar Ottos III., das Regensburger Sakramentar Heinrichs II. und das Perikopenbuch Heinrichs II.

Von Frankreich aus verbreiteten sich neuen Bücher und Reproduktionsmethoden schnell in ganz Europa und gelangten, dank auch der Verbindungen der Grafen von Andechs-Meranien schon früh nach Bamberg, wo noch heute reich ausgestattete Exemplare in der Staatsbibliothek aufbewahrt werden. Otto II., Bischof von Bamberg (1177 - 1196) pflegte besonders enge Beziehungen zum herrschenden Kaiserhaus der Staufer. Als Propst am Aachener Marienstift gehörte er zu den engsten Beratern Barbarossas. Daher hatte Otto II. schon vor der Übernehme des Bamberger Episkopats 1177 und seiner Weihe 1179 Einfluß auf das dortige Kunstschaffen genommen. Es ist zu vermuten, daß er einige Zeit die Domschule besuchte; seit 1164 war er Propst im Chorherrenstift St. Stephan und seit 1173 im Dom von Bamberg. Nun ist zu fragen, was von der Buchmalerei Bambergs aus dem frühen 13. Jahrhundert erhalten ist. Noch bis in die 80er Jahre des 20. Jahrhunderts galt Bamberg in der Forschung als ein Zentrum für Buchausstattung und Kleinkunst. Abgesehen von den Handschriften der Staatsbibliothek wurden auch einige Arbeiten in Elfenbein oder billigerem Material, wie Walroßzahn oder Horn, dorthin lokalisiert. Neben drei Elfenbeinreliefs und dem Horneinband des Regensburger Perikopenbuches in Pommersfelden wurden auch die Deckel des Bamberger- und des Comburger Psalters für Werkstätten am Ort in Anspruch genommen. Schon der Buchschmuck der Kunigundenvita und des New Yorker Gebetbuchs leitete ins frühe 13. Jahrhundert über, wo der unter Bischof Otto II. geprägte Stil, vor allem der des Davidmeisters zunächst noch fortgesetzt wurde. Die Orientierung an älteren, Bamberger Vorbildern ist auch in einer Handschriftengruppe, vorwiegend Psalter für den Privatgebrauch, ablesbar.

Die über 50jährige Ära der Andechs-Meranier in Bamberg bescherte der Domstadt eine Kunstblüte, die sich in der Großzügigkeit und im Anspruch mit derjenigen der kaiserlichen Gründerzeit nach 1002 messen wollte. In Verbindung mit ihren Anstrengung, den Dom Heinrichs II. neu zu errichten und auszuschmücken, holten die Andechs-Meranier neben Baumeistern, Bildhauern, Goldschmieden und Elfenbeinschnitzern auch Maler nach Bamberg, die nicht nur die Wände des Doms, sondern auch Bücher ausschmückten. Der künstlerische Austausch zwischen den Gattungen war eng und führte zu wechselseitiger Förderung.

Die Andechs-Meranier bestimmten das Erneuerungsprogramm der Kunst in Bamberg, inhaltlich. Sie waren einerseits am Altüberlieferten ausgerichtet, andererseits modern und international. Trotz der spärlichen Überlieferung läßt sich am Erhalten noch eine gewisse Vorliebe an narrativen Bilderzyklen, besonders aus dem Leben König Davids, erkennen.


Der Bamberger Dom

Entgegen der üblichen Ausrichtung von Kirchenbauten nach Osten war der Dom gewestet, d.h. der liturgische Hauptchor lag nicht im Osten, sondern im Westen, nach dem Vorbild der Peterskirche in Rom.

Ende Juli oder Anfang August 1185 vernichtete ein verheerender Brand einen Großteil der Bauten auf dem Domberg; der Dom erlitt schwerste Schäden.

Die Fertigstellung des Neubaus in seinen wesentlichen Teilen dürfte mit dem Zeitpunkt der Weihe, am 6. Mai 1237 (auf den Tag genau 225 Jahre nach der ersten Domweihe) gegeben sein.

 

Bauhütte:

Im Laufe des Neubaus kam es mehrmals zu Änderungen der Baupläne, zu Veränderungen in der stilistischen Orientierung sowie zu Wechseln der Bauhütten.

1) Die erste Bauhütte erkennbar an von den späteren Hütten abgrenzbaren Steinmetzzeichen, stellte die östlichen Bauteile etwa bis zur Höhe des Fürstenportals fertig, die im spätromanischen Stil ausgeführt wurden; stilistische Merkmale dieses Bauabschnittes verweisen auf Parallelen in nieder- und oberrheinischen Kirchenbauten (Aachen), so etwa die Gliederung und die reiche plastische Durchformung der Ostapsis. Zu Beginn des Baus beabsichtigte man offensichtlich eine Renovation des alten Baues, indem man den Heinrichsdom in seinen wesentlichen Zügen kopierte; damit sollte seine Bedeutung im Neubau bewahrt bleiben, außerdem sollte die bestehende Ordnung von Liturgie und Altären erhalten bleiben.

2) Während der Fertigstellung des Langhauses erfolgte ein zweiter Wechsel der Bauhütte. Die wiederum durch Steinmetzzeichen identifizierte neue Hütte dürfte in Verbindung mit dem Zisterzienserkloster Ebrach gestanden haben, wo zu jener Zeit die Klosterkirche neu gebaut wurde.

Baumeister dieser Hütte dürfte magister operis Wortwinus gewesen sein. Stilistisches Markmal des neuen Bautrupps sind die gröberen, archivierenden Kapitelle.

3) Vollendet wurde der Bau von einer vierten und letzten Hütte, die die drei oberen Geschosse der Westtürme erbaute. Die Türme ähneln denen der Kathedrale von Laon, eventuell dienten auch nicht ausgeführte Projekte der Reimser Kathedrale als Vorbild. Dieser letzte Teil des Neubaus wurde klar und deutlich im modernen Stil der Gotik erbaut.

 

Skulpturenwerkstatt:

1) Dies ist vor allem bei der jüngeren, in Reims geschulten Skulpturenwerkstatt sowie der letzten Bauhütte, die wohl ebenfalls aus Reims kam, anzunehmen.

Die Verbindung zu Reims mag über die verwandtschaftliche Beziehung Ekberts zu König Andreas II. von Ungarn vermittelt worden sein, der Ekberts Schwester Gertrud geheiratet hatte.

2) Bischof Ekbert der Grund dafür ist, daß eine qualitätvolle Bildhauerwerkstätte nach Bamberg geholt werden konnte, wo diese Neues schuf.

3) Die Chorschranken tragen im Süden die zwölf Apostel (Zahl 12

4) Im zweiten und dritten Seitenschiffjoch des Ostchores sind jeweils zu dreien zusammengefaßt, unter vorgeblenden Arkaden insgesamt zwölf Reliefs angebracht

5) Zwölf Apostel auf den Schultern von zwölf Propheten

 

Bamberger Reiter

Der Königsfigur liegt ein Typus zugrunde, der in Nordfrankreich um das Jahr 1200 entstanden ist und in den Reimser Querhausstatuen eine wichtige Ausbildung erfuhr. Der Bamberger Reiter ist auf verschiedene Reimser Vorbilder zurückzuführen.

 

 Östlicher Wissensschatz auf dem Weg auch nach Bamberg

Mit den Ordensrittern (Johanniter, Templern, Deutschritterorden) fand der östliche Wissensschatz auch in Europa und mit den Grafen von Andechs, als Kreuzzugsteilnehmer und Förderer der Ordensritter, auch im Bistum Bamberg seine Anwendung.

 

Planmäßige Stadtgründung Bayreuth  

Im Stil, wie auch die Templer ihre Kirchen und ihre Orte planmäßig anlegten, wurde auch von den Grafen von Andechs-Meranien ihre Stadt Bayreuth nach dem Templer'ischen System planmäßig vermessen und errichtet.


 

 
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