Die Anfänge des Luthertums

im bayerisch-österreichischen Grenzgebiet


Gerade der deutsche Süden, wo die Stimme der Erbitterung im ausgehenden Mittelalter am lautesten erklungen war, hatte am aufmerksamsten bei jenem Anschlag der 95 Thesen am 31. Oktober 1517 aufgehorcht, deren kühner Inhalt eine ganze Welt aus dumpfem, hoffnungslosem Brüten aufzuwecken bestimmt war.

Was da mit einem Male als Botschaft und Forderung von Wittenberg aus seinen Siegeszug antrat, das war in ähnlicher Weise zu den Zeiten eines Wiclif und Hus vernommen worden und wo, wie in den geistlichen Fürstentümern Salzburg und Berchtesgaden, heimlich Anhänger jener Richtungen weiterbestanden hatten, da mußte die neue Lehre ihren günstigsten Nährboden finden. Daß aber in der Tat in diesen Gegenden die Zahl der Anhänger der genannten kirchlichen Abspaltungen nicht unbeträchtlich gewesen sein muß, erhellt zur Genüge aus der Klage des dritten Eberhard unter den Salzburger Erzbischöfen in den Synodalstatuten vom Jahre 1420:

 

"Es haben sich einige, welches wir mit Schmerz erzählen, die mit den Ketzereien und Irrtümern der Wiclifiten und Husiten behaftet sind, auch wegen derselben bereits in Verdacht und üblem Ruf stehen, heimlicherweise in die Grenzen unserer Provinz eingeschlichen, weil sie den Wolf unter dem Schein des Lammes verborgen hielten."

 

Gewiß wird Eberhard mit Eifer und Strenge auf die völlige Vertilgung der die Glaubenseinheit seines Sprengels bedrohenden Sektierer bedacht gewesen sein, doch trotz seiner Gegnerschaft hatten sicher unerkannt im Lande zurückgebliebene Husiten, die in den Salzbergwerken Österreichs Arbeit und Brot gefunden hatten, durch Unterricht und Umgang die Herzen der Gebirgsbewohner für ihre Gedankengänge urbar gemacht, so daß sie dann die Reformation Luthers um so begieriger annahmen.

Schon kurz nach dem Jahre 1517 waren im nahen Salzburg ein Paul Speratus, ein Stephan Agricola, Wolfgang Ruß und der Schwabe Urban Regius, ebenso Martin Lodinger in Gastein und andere von der Kanzel herunter oder durch ihre Schriften offen und mutig zu Bekennern des neuen Glaubens geworden und hatten ihr Bekenntnis trotz Kerker, Verfolgung und Verbannung mannhaft aufrecht erhalten, ja, wie der Franziskanermönch Georg Schärer in Radstadt, mit dem Tode besiegelt.

Und doch war es im Gegensatz zur blutigen gleichzeitigen Ausrottung der Wiedertäufer den harten Verfolgungsmaßnahmen des Salzburger Kardinals Matthäus Lang, der auf anfängliches Zuwarten nach Erreichung seiner Ziele vom Jahre 1521 an sich plötzlich zum Vollstrecker des Wormser Ediktes aufgeworfen hatte, wie er auch mit genialer Diplomatie die unverkennbare positive Stellungnahme des feinsinnigen Mystikers Stupitz zum Luthertum durch dessen Berufung als Stiftsprediger nach Salzburg und später zum Abt von St. Peter lahmgelegt hatte, nicht gelungen, die weitere Verbreitung der neuen Lehre dauernd zu unterbinden.

 

 

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Hallein - Dürrnberg - Au - Salzberg - Schellenberg


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