Besiedlungsgeschichte

im Kreis Gumbinnen

 


In der Hoffnung, daß im Kreis Gumbinnen alles für ihre Aufnahme bereits sei, sahen sie sich bitter getäuscht. Nur wenigen Familien konnte sofort ein Gut als bleibende Heimstatt zugewiesen werden. Alle anderen mußten den Winter in armseligen Notquartieren zubringen. Die einheimische Bevölkerung sah in ihnen zuerst lästige Eindringlinge, die sie um Arbeit und Brot zu bringen drohten, und behandelte sie dementsprechend. In dieser Lage erwies es sich als großes Glück, daß der König von Preußen ihnen Prediger mitgegeben hatte. Sie trösteten die Verzagten, besuchten die Kranken, geleiteten die Toten zur letzten Ruhe.

 

 

Zuweisung von Häusern

Landverteilung in Gumbinnen

 

Schon im Herbst 1733 wurde der Prediger Breuer mit der Aufgabe betraut, Schulen in allen Salzburger Ansiedlungen zu errichten und Lehrer für sie zu bestellen. 1735 waren bereits 280 neue Schulen errichtet. Als nun auch die allgemeine Schulpflicht eingeführt wurde, erhielten die Lehrer endlich ein bescheidenes Gehalt.

 

Allmählich, freilich viel zu langsam für die Ungeduld der Salzburger Emigranten, kam die Ansiedlung doch in Gang. Ihr Mittelpunkt wurde die Stadt Gumbinnen. Es hat Jahre gedauert, bis sie sich in Ostpreußen ganz heimisch gefühlt haben. Die vom König eingesetzten Kommissare taten ihr möglichstes, dieses Ziel zu erreichen. Geduldig hörten sie sich die Klagen an und versuchten nach Möglichkeit Abhilfe zu schaffen. Sie legten Listen der in ihrem Kreis Untergekommenen an. Sie stellten fest, welche Vermögenswerte sie in der alten Heimat zurückgelassen hatten. König Friedrich Wilhelm I. hatte die Absicht, durch den Gesandten in Salzburg den Verkauf ihrer Güter durchzuführen und ihnen den dafür erzielten Erlös zukommen zu lassen.

 

 

König Friedrich Wilhelm I. in Gumbinnen

 

Um die Salzburger Emigranten fest an sich zu binden, ordnete der König von Preußen an, daß jeder einzelne einen Bürgereid (Untertaneneid) zu schwören habe. Die Salzburger zeigten zunächst wenig Lust, diesen Eid zu leisten. Wieder offenbarte sich ihr eingewurzeltes Mißtrauen gegen die Obrigkeit. Wieder zeigte sich aber auch in diesem Falle die Regierungskunst des Königs. Er setzte eine Kommission ein, die den Eid abnehmen sollte. Zu ihren Mitgliedern ernannte er nicht nur seine Einwanderungskommissare, sondern auch die Prediger und solche Emigranten, die schon in der alten Heimat allgemeines Vertrauen genossen hatten. Als die Eidesleistung endlich durchgeführt war, entschloß sich der König, den Emigranten einen besonderen Beweis seines Vertrauens zu geben. Er gewährte ihnen eine Art von Selbstverwaltung. In jedem Kreisamt wurden aus der Mitte der Ansiedler Älteste gewählt und ihnen das Recht gegeben, die Besetzung der Güter durchzuführen und darüber zu wachen, daß diese ordentlich bestellt würden. Überdies wurde den Emigranten Befreiung von allen Dienstleistungen zugestanden.

 

Jeder, der schon in seiner Heimat Grund und Boden besessen hatte, sollte 30 Morgen Land erhalten, dazu vier Pferde, vier Ochsen und drei Kühe, außerdem noch 120 Scheffel Getreide zur ersten Aussaat. Die Güter blieben zunächst im Besitz des Staates. Wer sich als Bauer bewährte, konnte später den Hof erwerben und, wenn er das wollte, durch Zukauf erweitern. Die Handwerker sollten in den Städten volle Gewerbefreiheit genießen. Bis zum Jahre 1736 war nun die Ansiedlung glücklich vollendet. Auch die 3569 Knechte und Mägde hatten Dienstplätze gefunden.

 

 

Kirche in Gumbinnen

 

Die Berichte, die der König von den Kommissaren über die Emigranten erhielt, lauteten immer günstiger. Sie werden in ihnen als genügsam, sparsam, vorsichtig und fürsorglich gerühmt. Sehr viele brachten es durch ihren Fleiß bald zu Wohlstand.

 


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