"Schreiben derer evangelischen Untertanen im Stift Berchtesgaden, welches dem

Corpori Evangelica zu Regensburg übergeben wurde".


 

Wir untertänigen und gehorsamen Handwerker im Stift Berchtesgaden,

Landgerichte, als Bischofswiesen,

Gehren hochbedrängte Untertanen

haben schon so lange bis auf die Zeit hero geheuchelt

und unseren Glauben nie öffentlich bekannt.

 

Nunmehro so hat uns unser Gewissen nimmer keine Ruhe gelassen,

bis wir zum Herrn Pfarrer gegangen sind

und haben uns öffentlich bekannt,

daß wir nicht katholische Christen sein wollen,

sondern neue evangelische und der Augsburgischen Confession zugetan sein wollen

und unser Vaterland nach dem Westfälischen Friedensbeschluß

verlassen mit Weib und Kinder,

auch unsere Habseligkeit,

wie wir Handwerker im Land gepflogen haben

und unser Stücklein Brot gewonnen haben,

samt unserem Handwerksgezeug,

wie sie Namen haben, ohne Verhinderung ausfolgen lassen.

 

So hat der Herr Pfarrer gesagt,

er wolle uns schon einschreiben und der Kanzlei übergeben.

Am Mittwoch sollten wir wieder zu ihm kommen

und das haben wir getan und mehr angemeldet,

so hat er uns zur Antwort gegeben,

wir sollen zum Herrn Dechant gehen.

Wir gingen in den Dechantshof und haben uns gemeldet,

aber niemand ist hervorkommen.

Wir haben gewartet zwei ganze Stunden.

Letztlich haben uns die Herren dies gesagt:

 

"Es wird schwerlich wer vorkommen".

 

So haben wir uns abweisen lassen und seiend nach Haus gegangen.

So haben wir uns wieder beschlossen und seynd am Freitag kommen

und uns mehr angemeldet,

so haben sie uns gesagt, es seynd die Herren nicht zuhause,

sie seynd auf Parttende gereist und also abwiesen.

 

Jetzt und wissen wir nicht,

was wir anfangen sollen;

denn wir gehen gar wenig in die Kirche,

zu keiner Meß gar nicht.

Wenn die Predigt vorbei ist,

so gehen wir heraus.

So haben wirs schon eine Zeit lang getrieben,

fast schon ein ganzes Jahr und wissens auch jene,

daß wir zusammengehen und tun lesen und singen,

aber es sagen nichts zu uns, sie lassen uns gehen.

 

Mithin so bitten wir herzinniglichst,

durch Ihre milde Güte sich unser zu erbarmen

und uns ein Rat zu überschicken,

was wir doch anfangen sollen,

damit wir nicht als Aufrührer des Landes ausgerufen würden

und uns in die ärgste Gefängnis stecken.

 

So bitten wir noch durch Ihre milde Güte,

von der Reichsgesandtschaft etwa einen Courier oder Boten zu senden;

wenn nicht eine Gewalt kommt,

so werden uns gar hart nicht aus dem Lande lassen,

denn wir seynd nie in der Fremde gereist

und auf den Winter ist mit Weib und Kindern gar hart reisen.

 

Nunmehro so haben sich zu dieser rechten evangelischen Glaubenslehre beschlossen

und uns zu der Augsburgischen Confession zugetan sein wollen 150 Personen,

willig und bereit abzureisen.

Wir bitten nochmals an Ihro hochedelgeborenen Reichsräte,

unser sich zu erbarmen und aus Mitleid anzunehmen.

 

Gott, der ein Belohner ist alles Guten,

der wird es droben in der Ewigkeit belohnen.

 

September 1732 , Berchtesgaden


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