"Ferneres Schreiben der Evangelischen Untertanen im Stift Berchtolsgaden",

so sie ihrer Bedrückung wegen dem Corpus Evangelicorum übergeben.


 

 

Wir wehmütigen und hochbedrängten Handwerker

im Stift B'gaden, Landesgericht,

wohnhaft als Bischofswieser und Gehrer seiend mehrmals gezwungen

und nochmalen an den Hochedelgeborenen Reichstag

um einen Rat ganz demütig bitten,

um Gottes willen, was wir doch anfangen müssen,

denn wir sind alle, ohne der unmündigen Kinder,

vor der Kommission vorgestanden

und haben uns zu der Augsburgischen Confession wie vor zugetan

und wollen des Westfälischen Friedens genießen.

 

So haben sie uns zur Antwort gegeben,

es solle sich keiner nicht unterstehen

und aus dem Lande reisen bis die 3. Römer-Monat,

welche sie uns genannt haben.

 

Sie sagen uns,

es muß vom Kaiser eine Antwort kommen,

was mit uns machen müssen

und wann wir nach ihrem Gefallen aus dem Land vertrieben werden,

so fürchten wir,

sie werden uns in ein Land oder Ort hinsenden,

allwo wir unser Handwerk nicht treiben könnten,

denn wir können unterschiedliche Handwerk in Weinberg,

in Schnitzen, in Drechseln auf unterschiedliche Manier,

so förchten sie, es wird ihnen im Land einen großen Mangel bringen.

 

Überdies so ziehen sie die Leibeigenschaft so hoch an,

daß man von neuem jeder Kopf 5 fl. geben müßte,

so müßte unser gar viele über unsern Willen noch im Land bleiben,

dieweilen wir das Vermögen nicht hätten uns auszukaufen.

 

Noch über dieses, so habens uns verboten,

daß wir nimmer zusammengehen dürfen,

gar auf das mehrtest 2 oder 3,

aber lesen und singen niemand,

sondern ein wenigen Heimgarten erlaubt.

Es ist nicht genug,

daß uns wieder auf ein neues 8 Bücher weggenommen haben,

erstlich den Schaitberger und das evangelische Handbuch,

das Paradiesgärtlein, die andern seynd Gesängerbüchlein gewesen.

 

Sie wissen selbst schon,

daß unser gar wenig lesen können,

so vermeinen sie,

es solle das göttliche Wort also gar auslöschen,

noch dazu, wenn ein Handwerker mit einer Arbeit zu einem Fürleger kommt,

so ist es nicht genug mit den ehrabschneidenden Worten,

sondern noch die Schläge dazu gewärtig sein.

 

Denn das ist ja das Allerhärteste,

daß wir nimmer zusammengehen dürfen,

es seins nur etliche, die lesen können,

daß wir einander trösten könnten.

 

Nochmalen, so bitten wir durch die Barmherzigkeit Gottes,

Sie wollen durch Ihre milde Güte uns hülflich sein

und uns aus dem Land helfen,

wir wollen um Gottes willen gerne leiden,

wann wir nur die Gnade erlangen können,

aß wir einmal das klare Wort Gottes öffentlich uns gepredigt würde.

 


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