Bittschreiben der Gerner Einwohner nach Regensburg

Januar 1733


 

 

"Untertänig gehorsamster Entwurf,

so die Berchtesgadener aus der Au und Scheffau,

gegen 90 Familien oder 5 bis 600 Köpfe stark,

bei dem hochpreißlichen Corpore Evangelicorum übergeben,

deren erleidende Beschwerde und Bedrückung

samt dagegen angesuchte Assistenz betreffend.

 

Weil uns in denen Kirchen kein Wort Gottes mehr vorgetragen wurde,

so haben sich die Gutgesinnten untereinander zusammenbegeben,

in der Bibel zu lesen, zu singen und zu beten.

Man hat aber darum in den Kirchen fast mit Fingern auf sie gewiesen

und uns die Zusammenkünfte nicht allein,

sondern auch das Singen bei den Leichen,

das Begraben auf die gewöhnlichen Gottesäcker,

ja gar auf eines jeden eigenen Acker mit großen Bedrohungen verboten

und nur zugelassen,

entlegene steinigte Örter für unserer Toten

Begräbnisse auszusuchen und zu gebrauchen.

 

Ja,

als im Monat Augusti 32 Matthias Wein

in der Au auf seinem Krankenbett das,

was er in der römisch-katholischen Kirche sonsten haben können,

nämlich die Kommunion unter einer Gestalt,

aus einem herzlichen Verlangen begehret,

einen Pfarrer aus Berchtesgaden, namens Wilhelm,

zu sich bitten lassen und mit aufgehobenen Händen darum gebeten,

hat dieser von ihm zu wissen verlangt: ob er alles,

was die katholische Kirche zu glauben befehle

und also auch ein Fegfeuer glaube.

Darauf aber der Kranke bezeuget,

daß er an niemand als an Gott sich zu halten gedenke

und hat also die Kommunion nicht erhalten,

auch nach seinem Tod

als der erste nicht mehr auf dem Kirchhof begraben worden.

 

Unsere Schulen seynd auch dermaßen verderbt,

daß wir unsere Kinder nicht mehr hineinschicken können,

ob es uns gleich nichts gekostet hätte.

Ferner gehört hierher und zwar dermalen nur als Exempel,

deren mehre sind,

daß als Ludwig Khain von der Au

am letzten September 32 einen Sohn wollte taufen lassen

und dazu seinen alten Gevatter Georg Wiendel,

allda (welcher auch der evangelischen Lehre ergeben) wirklich erbeten,

derselbe vor dem Taufstein weggeschafft und der Khain genötigt worden,

den Pfarrmesner Johann Baptist Haller zum Gevatter zu nehmen.

 

Ist auch keiner mehr von den Evangelisch Gesinnten

zu dergleichen christlichen Werk tüchtig erachtet und zugelassen worden.

 


 

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