Salzburger Emigranten in Franken
Nördlingen
Nördlingen ist von zahlreichen Scharen der Emigranten berührt worden.
Am 1. Februar kam der erste Haufen an, 331 Personen stark.
Ihm folgten am 29. Februar 689 Personen, die über Rain und Donauwörth gewandert waren; (bei einer Einquartierung in dem Oettingischen Ort Harburg waren 4 von ihnen durch einen Unglücksfall in der hochgehenden Wörnitz bei dem Dorf Ronheim ertrunken). Sie wurden am 5. März weiter nach Mönchsroth, Dinkelsbühl und von da nach Schwäb. Hall geleitet.
Am Mittwoch der Karwoche, den 9. April, traf wieder ein Zug von 250 Personen von Giengen her ein. Teile von ihnen wurden in Löpsingen und Dürrenzimmern einquartiert.
Am 28. Mai kamen 44 Mann, zogen am nächsten Tag nach Oettingen weiter.
Am 19. Juli trafen 851 aus dem Rastatter und Goldecker Gericht stammende Salzburger in Nördlingen ein, blieben 2 Tage da und zogen dann weiter; Verpflegung und Transport kosteten 435 Gulden.
Am 4. und 5 August kam von Ulm her ein Zug von 1036 Personen; er wurde in den Wirtshäusern der Stadt verpflegt; die Tagesration für jeden kostete 7 1/2 Kreuzer, und beim Abschied bekam jeder noch das Zehrgeld für den nächsten Tag mit.
Über einen bald, am 16. August, folgenden Transport sind wir besonders genau unterrichtet. Viele Bürger gingen ihm bis vor die Stadttore entgegen, die Ankömmlinge feierlich zu empfangen. Sie wurden in den Bürgerhäusern beherbergt, ihre Verköstigung bezahlten die Reicheren selbst, für die Armen wurden sie aus öffentlichen Mitteln (es wurden in allen Gemeinden Kollekten für die Salzburger gesammelt) bestritten. Die Geistlichen hielten Gottesdienste, in denen sie das Schicksal der Vertriebenen schilderten, und Katechismen, um die Gäste selbst in der evangelischen Wahrheit zu unterrichten. Beim Abschied befahl man sie in Gottes und seiner Engel Schutz, und ein Nördlingischer Reisekommissär mit 8 Reitern gab ihnen das Geleite ins Oettingische und nach Dinkelsbühl. Über die Ankunft und Aufnahme der beiden Transporte vom 4. und 6. August wurde in einem in Nördlingen gedruckten Zeitungsblatt berichtet.
Selbst noch im Herbst 1733 berührte ein weiterer Emigrantenzug von 180 Personen, der über Memmingen, Ulm und das württembergische Heidenheim herkam und nach Litauen wollte, Nördlingen; er übernachtete am 7. September in der Stadt und nahm dann den Weg über Oettingen.
Feierliche Schutzgeleite erfolgte nicht nur, um den des Landes Unkundigen den Weg zu weisen, sondern es war auch nötig, weil der Weg teilweise durch andersgläubige Orte führte, wo die Salzburger als "Abtrünnige" vor Belästigungen nicht sicher waren. In der Tat berichteten auch noch vorhandene Aufzeichnungen, daß in Kleinerdlingen, Zipplingen, Nordhausen und Thannhausen den armen Durchziehenden allerlei Schimpf angetan worden sei. Während überall auch die jüdischen Einwohner ihnen zu trinken gaben und sonstige Freundlichkeiten erzeigten, hätten katholische Bewohner ihnen den Zutritt zu den Brunnen gewehrt, Schimpfworte zugerufen, ja sie tätlich bedroht, und es sei nötig geworden, daß ihre Geleitmannschaften mit der Pistole in der Hand das Volk zurückdrängen mußten, damit es nicht zu tätlichen Angriffen auf die Durchwandernden kam.
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