Salzburger Exulanten

Durchzug durch Franken


Der letzte Zug der Unangesessenen, der im März 1732 Salzburg verließ, konnte bereits vom preußischen Kommissar Göbel übernommen werden.

Die Angesessenen hatten Aufschub bis zum 24. April erreicht und gehofft, daß es dem Corpus Evangelicorum in Regensburg (Überwachung des Westfälischen Friedens) und dem Kaiser gelingen möge, den Landesherrn umzustimmen. Deshalb hatte noch niemand seinen Hof verkauft. Doch der Salzburger Erzbischof ließ sich nicht umstimmen. Geordnet nach Pflegegerichten zogen die Bauern mit Hab und Gut in der Zeit vom 6. Mai bis zum 6. August in 16 Zügen aus ihrer Heimat aus.

Ein Flüchtlingstreck von 16.288 Personen; 1776 Höfe blieben verwaist zurück!

 

Da der größte Teil dieser Züge durch das Nürnberger Gebiet ging, so bestellte der Nürnberger Rat als Quartiermeister den Leutnant Rößler. Er legte die Marschrouten und Quartiere fest, damit nicht immer die gleichen Bürger "beschwert" wurden. Zugunsten der Emigranten wurde eine Collekte in den Kirchen angekündigt. Der Rat beschloß am 31. Mai, daß man die armen Exulanten "liebreich bewirten" solle und ihnen noch dazu 4 Kreuzer auf 2 Tage "ex Publico" verabreicht werden sollen.

So marschieren die 237 Exulanten von Lauf nach Hiltpoltstein und Großengsee, wo ihnen am 4.5.1732 79 fl und 24 kr ausgeteilt werden. Da es nicht reicht, streckt der Pfleger noch 2 fl 24 Kr. vor; denn des waren insges. 247 + 162 = 409 Personen.

Der Laufer Spitalmeister Gg. Henlein schreibt am 2.6.1732 an den vordersten Landpfleger Holzschuher, daß er im Glockengießer-Spital 28 Exulanten inclusive Weib und Kindern aufgenommen habe, sie dort verpflegte und nach dem Frühstück wieder ziehen ließ, wobei sie das gute Quartier sehr lobten. Er fährt dann fort: "Was ihnen aber der unnachbarliche Vehlhorn zu Schnaittach diesen heutigen Vormittag, da sie durch Schnaittach passieret für neue Drangsahlen zugefüget, werden Eurer Vermuthlich von dem hiesigen wohllöbl. Pfleg-Amt mit mehrern unterhl. berichten worden seyn. Man hört im übrigen mit Erstaunen von diesen armen Leuthen, was sie, in ihrem Vatterland für Verfolgungen haben erdulden und ausstehen müßen, dabey sind sie aber ganz gelaßen und höret man ja kein Rachgieriges Wort, so sie gegen ihre Verfolger ausstoßen solten; Gott stehe ihnen noch ferner gnädigst bey und bringe sie nach seinem Heil. Willen in balden zur Ruhe."

Am 25.6.32 treffen aus Schwand, Rednitzhembach, Raubersried und Leerstetten 470 Exulanten ein, die von Rößler verteilt werden, und zwar 235 auf Leinburg, Unterheidelbach, Scherrau und die Mühlen, die andern 235 auf Diepersdorf, Haimendorf und Umgebung.

Am 26.6.32 ziehen diese Leute weiter und zwar die Leinburger nach Vorra, Düsselbach und Alfalter, die anderen nach Enzendorf, Artelshofen, Rupprechtstegen und Harnbach.

Gleichzeitig treffen am 26.6.32 200 aus Groß- und Kleinschwarzenlohe ein, die nach Schönberg, Weigenhofen und Kreuth gewiesen werden. Die anderen 200 aus Wendelstein und Röthenbach b. N. kommen nach Henfenfeld. Dort erreicht Rößler eine Bittschrift der Veldner, die auch gerne Salzburger aufnehmen möchten.

So ändert Rößler die Marschroute und schickt am Freitag, den 27.6.32, 454 Salzburger Exulanten nach Velden. Er begründet dies dem Rat gegenüber, "das Städtl. Velden ist darum dazu gezogen worden, weiln dasiges löbl. Pfleg-Amt per Expressen schriftlich solches von mir verlanget hat, übermorgends Sonnabend werde ich meinen Marsch von Velden zurück nehmen und mündlich mehreren unterhl. Bericht erstatten, der ich in submish. Respeckt verharre."

Am Rande merkt er noch an: "Des Ruepp Stollebuers, Schmid aus dem Radstädter Gericht, Eheweib und Tochter, so hier mit zu gegen sind, bitten unterhl. Ihme Stollebuer zu sagen, daß er zu ihme kommen möge, ingl. habe Ruep. Kornbergers, auch aus dem Radstatter gericht familie alhier und warten auf ihn, diese Leuthe bekommen morgen das Quartier nach Vieh- und Pfaffenhofen."

So kommen am 27.6. 269 Salzburger aus Schönberg nach Velden, die 175, die in Henfenfeld logierten, ziehen nach Viehhofen, Pfaffenhofen und Immendorf.


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