Aus der Geschichte der Stadt Gumbinnen

(Zeitungsbericht vom 18. Juni 1932)


 

 

 

Man kann Gumbinnen als den Mittelpunkt der ostpreußischen Salzburger-Siedlung betrachten. Aus dem früheren Dorf hat erst König Friedrich Wilhelm I. eine Stadt gemacht und diese vergrößert durch die Ansiedlung der zuziehenden Salzburger und Berchtesgadener Emigranten.

 

Das Wappen der Stadt besteht aus einem schräg links geteilten Schild, dessen beide Plätze karmesinrot gefärbt sind, darin ist oben dargestellt ein heranwachsender schwarzer, stilisierter Adler mit goldner Krone, Zepter, Klaue und Schnabel und mit schwarzer Zunge, unten befindet sich ein aufrechter schwarzer Pfeil. Auf dem Schild ruht ein Spangenhelm ohne Decken und ohne ein Kleinod.

 

Bis zur Ordenszeit hatten in der Umgebung vom heutigen Gumbinnen einige heidnische Befestigungen bestanden. Darauf weisen u.a. hin: der 5 Kilometer nordwestlich Gumbinnens gelegene Schloßberg, (wahrscheinlich die heidnische Burg Otholichia), und 7 Kilometer südlich Gumbinnens eine heidnische Schanzburg bei Plicken, sowie 6 Kilometer westlich Gumbinnens eine Siedlung Stannaitschen (Piluckczies).

 

In der Zeit des deutschen Ritterordens war diese Gegend um Gumbinnen nur schwach besiedelt. Auf der Karte von Henneberger von 1576 ist an der Stelle, wo heute Gumbinnen liegt, der Ort "Bisserkeim" (wohl nach der Pissa so genannt) verzeichnet. In diesem Dorf Bisserkeim hatte Herzog Albrecht, der den Deutschordensstaat in ein weltliches Herzogtum Preußen umgewandelt hatte, eine Kirche 1545 bauen lassen.

 

Statt des Namens Bisserkeim tritt erst 1580 der Name Gumbinnen urkundlich auf. Dieser Ort bestand 1642 aus einigen, auf beiden Seiten der Pissa gebauten Gehöften litauischer Bauart, die durch Weidenhecken miteinander verbunden waren. Das Dorf wurde 1656 durch den Einfall der Tataren, die auch im übrigen Ostpreußen alles verwüsteten, sehr arg zugerichtet. In den Jahren 1709 bis 1711 wütete in Ostpreußen die Pest und nahm auch Gumbinnen arg mit; manche Ortschaften waren sogar ausgestorben. Auch Gumbinnen war entvölkert. Dies erregte das Mitleid des preußischen Königs Friedrich Wilhelms I., der 1714 den Thron bestiegen hatte. Ihm lag die Wiederbesiedelung jener Gegend des Preußischen Litauens sehr am Herzen. Aus Mitleid hatte er das Dorf Gumbinnen am 6. April 1722 zur Stadt erklärt, ernannte im Januar 1724 den Magistrat und erließ am 25. Mai 1724 das Fundationsprivileg. Der letztgenannte Tag gilt als Stadtgründungstag Gumbinnens.

 

Im Jahre 1724 kam nach Gumbinnen auch eine besondere Deputation zur Verwaltung der litauischen Landesteile, also eine Regierungsstelle, die die Grundlage der späteren Regierungsbezirksverwaltung bildete. Friedrich Wilhelm I. zog zur Besiedelung des Landes aus anderen Teilen Preußens, namentlich des heutigen Mitteldeutschlands (Magdeburg, Halberstadt), Siedler heran. Desgleichen kamen einige solche aus Oldenburg, der Schweiz, Hessen-Nassau, die aus Frankreich vertriebenen Hugenotten usw.

 

Im Jahre 1732 setzte die große Besiedelung des Gumbinner Bezirks durch die Salzburger ein, die am 17. und 21. Juni in Gumbinnen einzogen. Im Jahre 1736 kam nach Gumbinnen auch eine königliche Kriegs- und Domänenkammer, die von Königsberg unabhängig war. Immer planmäßiger wurde das Land besiedelt, wurden die Domänen und Forsten verwaltet, und es entstanden in der Umgegend auch viele neue Ortschaften. Die Pferdezucht gelangte zu einer besonders hohen Blüte, zumal nachdem das Gestüt Trakehner gebildet war, dessen Grundlage ursprünglich der Deutsche Ritterorden in Insterburg gelegt hatte und das von Insterburg nach Trakehnen verlegt wurde - heute genießt es bekanntlich einen Weltruf. König Friedrich Wilhelm I. war hier in Begleitung seines Sohnes, des späteren Alten Fritz, 1736 in Gumbinnen.

 

Im weiteren Verlauf der Geschichte teilte Gumbinnen im wesentlichen das Schicksal der übrigen Provinz Ostpreußen. Die Stadt wurde vom 13.01.1758 bis zum 05.05.1762, also im siebenjährigen Krieg von Russen besetzt. Am 06.07.1796 huldigten in Gumbinnen die Polen des Baialnstoker Bezirks vor dem Deputierten des preußischen Königs Friedrich Wilhelms II., dem Staatsminister von Schroeder. Vom 18.06. bis 17.07.1807 war die Stadt von den Franzosen unter Colbert besetzt und mußte Kriegskontribution von 89 312 Thalern aufbringen. Im Juni 1812 zog das Gros des nach Rußland marschierenden französischen Heeres durch Gumbinnen, Napoleon selbst wohnte damals vom 18. bis 21.06.1812 in der "Loge zur Goldenen Leier". Eine große Rolle spielte in jener Zeit der Regierungspräsident von Gumbinnen, der bekannte spätere Staatsmann von Schön.

 

Am 24. und 25. Mai 1824 wurde das hundertjährige Stadtjubilälum gefeiert, am 25. und 26. Juli 1832 die hundertjährige Wiederkehr des Einzugs der Salzburger.

 

Im 1. Weltkrieg war Gumbinnen von Russen besetzt. Vom 19. bis 20. August 1914 fand bei Gawaiten-Gumbinnen eine Schlacht statt, in der Generaloberst von Prittwitz mit seiner deutschen 8. Armee die Rennekampfsche russische 1. Armee mit Erfolg angriff und inanbetracht der Bedrohung durch die Narewarmee von Süden her den Rückzug antrat, der erst durch Hindenburg nach dessen Befehlsübernahme aufgehalten und in die Schlacht von Tannenberg umgeleitet wurde.

 

Kirche in Gumbinnen

 

 

Der älteste Bestandteil Gumbinnens ist der Markt mit den zu ihm führenden früheren Landstraße. Die altstädtische Kirche ist die älteste, sie ist um 1545 gegründet und hatte um 1638 einen Befestigungsgürtel. Statt des Namens "Bissekeim" tritt wie erwähnt erst 1580 der Name "Gumbinnen" als Ort dieses Dorfs urkundlich auf. Er wird abgeleitet von "gumba" gleich Blähung, möglich durch die erfolgenden Ausbuchtung der Pissa. Der vom Königsberger Baumeister Unfried angefertigte Grundplan zur Bebauung der Stadt wurde am 18. Dezember 1723 durch den König genehmigt. Bald erfolgte der weitere Ausbau der Stadt. Ihre Einwohner waren zunächst in der Hauptsache Ackerbürger, Beamte und Soldaten. Das Rathaus wurde 1726 in Angriff genommen. Die neustädtische Kirche wurde 1736 bis 1739 erbaut. Die Salzburger Kirche, ursprünglich ein Notbau, stammt aus dem Jahre 1739. Anstelle des abgebrannten Unfriedschen Baus wurde 1832 das Konferenzgebäude durch Schinkel aus Berlin errichtet. Hieran schloß sich 1911 das neue Regierungsgebäude, das mit dem alten Regierungsgebäude durch eine Straßenüberbrückung verbunden ist.

 


 

Ost- und Westpreußen

Dauerausstellung zur Geschichte und Kultur einer Region

im Haus der Ost- und Westpreußen in  85764 Oberschleißheim, Ferdinand-Schulz-Allee 3,

 


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