Weiterreise in die neue Heimat


Da sich auch im Jahre 1735 die Zustände nicht besserten, zogen viele Berchtesgadener weiter Richtung Berlin mit dem Endziel Gumbinnen.

 

Die Chronisten in Berlin registrierten bereits am 26. März und am 14. April 1733 die Ankunft von gemischten Truppen von Berchtesgadener und Salzburger Emigranten. Die Berchtesgadener wurden schon damals der Einfachheit halber auch als "Salzburger" geführt. Die in alten Dokumenten festgehaltenen 84 Leute aus Bischofswiesen/Berchtesgaden (zumeist Holzschnitzer mit Familien) wurden in Berlin angesiedelt und zwar in der damals entstehenden Friedrichsstadt.

Die Kirchenbücher der Jerusalemkirche in Berlin - Friedrichsstadt vermerken Taufen, Trauungen und Beerdigungen von Berchtesgadener.

 

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Die Familie Seimler aus Au bei Berchtesgaden zog jedoch weiter nach Gumbinnen.

Wenn die Aufzeichnungen stimmen, zogen sie als "Parthie zu Lande" (Bagagewagen mit Pferden) Richtung Ostpreußen. Überall wurden Emigranten reichlich mit Speis und Trank versorgt. Auch durften sie in warmen Stuben übernachten. Wie auch schon viele Trecks vorher, dürften sie bei Müncheberg vorbei gekommen sein. Sicher wurden auch sie so liebreich empfangen und aufgenommen, obwohl die Ackerbürger nach dreijähriger Heuschreckenplange und enormen Hagelschäden fast sämtlich zu armen Leuten wurden.

 

An vielen weiteren Orten des Durchzugs (Landsberg, Küstrin, Köslin, Bütow, Preußisch Holland, Brandenburg (am Frischen Haff) über Königsberg nach Gumbinnen) wurde ihnen mit Kollektengelder hilfreich unter die Armen gegriffen. Die Unterstützungen waren einmalig. "Man speistete, tränkte, kleidete und beschenkte sie." Die Bewirtung durch die Bürger fanden fast immer vollstes Lob. Oft begang sogar ein Wettlauf der Bürger, wer die meisten Emigranten bewirten würde. Diese waren durch den überwältigenden Empfang so hingerissen, daß sie ihren Wohltätern oft die Hände küßten.

 

In Gumbinnen angekommen traf die Familie Seimler ihre Berchtesgadener Landesleute wieder. Diese Berchtesgadener waren bereits mit dem 32. Transport von Regensburg aus im Jahre 1733 nach Gumbinnen erfahren. Von diesen 126 Exulanten "Salzburgern" kamen zwei Drittel aus Berchtesgaden. Diese Emigration stand mit der aus dem erzbischöflichen Hochlande in innerem Zusammenhang, zeigte aber charakteristische Unterschiede, vor allem darin, daß es nicht Bauern, sondern Handwerker, Drechsler und Schnitzer waren, die auswanderten.

 

Kirchenbuchaufzeichnungen belegen, daß sich die Familie Seimler in Gumbinnen niederließen. Hier leisteten sie auch den vom König geforderten Untertaneneid (Bürgereid). Als Handwerker (Ziegler und Schuhmacher) erhielten sie dann auch vom König volle Gewerbefreiheit in Gumbinnen. Während der Berchtesgadener Emigrant Johann Heinrich Seimler (jetzt Seim) als Ziegler den Lebenunterhalt verdienen mußte, entstand mit seinem Sohn Johann Samuel Seim (geboren am 17.07.1740 in Gumbinnen) die Schuhmacher-Dynastie. Durch Fleiß kam auch die Familie Seimler (Seim) zum baldigen Wohlstand. Albert Seym (Nr. 11) wurde sogar in Berlin Schuhfabrikant.

 

Aufzeichnungen belegen, daß die Familie Seim bis zum Ende des 2. Weltkrieges in Gumbinnen lebten. Erst dann mußten sie wieder zurück nach Westdeutschland (Flensburg, Kiel, Berlin und Nürnberg) flüchten.

 


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