Höfe der Dürrnberger / Berchtesgadener

im 17./18. Jahrhundert


Bauernhöfe geben Auskunft über die räumliche Ausdehnung und die zeitliche Abfolge der Besiedlung, über Zeitabschnitte wirtschaftlichen Wachstums oder Niederganges, über die Art der Bodennutzung, über ihr häufig zu künstlerischer Gestaltungskraft gesteigertes handwerkliches Geschick in der Bearbeitung von Bau- und Werkstoffen, über die Weitergabe alter Bauüberlieferungen, über die Einführung baulicher Neuerungen und über den Einfluß obrigkeitlicher Anordnungen.

 

Unter dem Wort Bauernhof sind alle auf der Hofstatt zusammentretenden Bauten, die dem Wohnen (der Menschen), dem Bergen (der Ernte) und dem Einstallen (des Viehes) dienen, zu verstehen. Diese Bauten sind stets in einer bestimmten Anordnung gruppiert, die im Lageplan des Gehöftes sichtbar ist und von der die in der Hausforschung üblichen Beziehungen Einhof, Zwiehof, Haufenhof, Gruppenhof, Paarhof, Dreiseithof, Vierseithof usw. abgeleitet werden. Da zur Unterscheidung der Formenvielfalt demnach nicht nur der Grundriß der einzelnen Hofgebäude, sondern der Lageplan des ganzen Gehöftes, also die Hofform, herangezogen wird, sollte man von "Hofformenlandschaften" sprechen.

 

Die Emigration 1731 - 1733 traf den Bauern schwer. Er ist mit dem Hof, auf dem er geboren wurde und aufgewachsen ist, der ihn ernährt und auf dem er stirb, eng verbunden. Im Berchtesgadener Bereich erhielten die jungen Siedler ihren Neubruch im Wald nur leihweise von der stiftischen Grundherrschaft, woran heute noch die Bezeichnung Lehen für die meisten Bauerngütl erinnert. Während der ganzen Zeit erlangten die Bauern kein Eigentum an ihren Höfen, blieben als Grundholde persönlich unfrei (durften ohne Stiftsbewilligung keine Ehe eingehen) und wurden zu Hand- und Spanndiensten, zur Mannschaft auf den Wachttürmen bei Schellenberg und Hallthurn, später auch zu Steuerabgaben verpflichtet. Doch lockerte sich allmählich das Verhältnis zu den geistlichen Grundherren. Es wurde die Teilbarkeit der Höfe im Erbgang zugelassen. Durch die dadurch zunehmende Verkleinerung der Grundflächen waren die Männer zum Nebenerwerb gezwungen; viele gingen als Bergknappen in die Salzwerke des Stifts Berchtesgaden und der Salzburgischen Dürrnberg, die meisten beschäftigten sich auch in der Holzschnitzerei. Die Dürrnberger / Berchtesgadener Holzschnitzerei wurde bereits im 16. Jahrhundert ein Welthandesartikel mit Warenniederlagen in Antwerpen, Cadix, Genua, Venedig und Nürnberg.

 

Die Eigenart der ländlichen Verfassung sind die Zusammenschlüsse mehrerer benachbarter Bauernstellen zu "Gnotschaften", eine Art Selbsthilfeorganisation des Landvolkes mit selbstgewählten Gnotschaftern an der Spitze. Die früheren 34 Gnotschaften sind nach und nach in 11 Gemeinden zusammengezogen worden.

 

 

ehemaliges Schaidberger-Haus

Dürrnberg

 

Im Berchtesgadener Bereich herrscht vorrangig das Zweihaus: Wohnung und Stallstadel getrennt; seltener sind Wohnhaus, Stall und Scheune unter einem Dach. Die auf den Hochflächen lebenden Bauern und Bergknappen der Au, Scheffau und Dürrnberg waren oft Kleinbauern, die nicht mehr als 2 oder 3 Rinder füttern und nur wenig Getreide anbauen konnten. Sie hatten daher als Zuerwerb das Recht, in den Salzbergwerken zu arbeiten. Der Raumbedarf für Wohnung und Wirtschaft dieser Zuerwerbs- und Nebenerwerbsbauern war daher von Anfang an gering. Hier handelt es sich eher um Einhöfe. Der Stall tritt unmittelbar an den nur einraumtiefen, jedoch zweigeschossigen Wohnteil heran, der Bergeraum befindet sich als "Heuboden" über dem Stall und reicht über die von der Bergseite her zugängliche Hochtenne in den Wohnteil. Wohn- und Wirtschaftsteil wurden also nicht als eigene Einzweckbauten ausgebildet und später zusammengefügt, sondern schon ursprünglich in ein gemeinsames Gehäuse hineingestellt, dessen Grundriß bei den Kleinhöfen allerdings sehr verschiedenartig ist. Einerseits ließ die zumeist steile Hanglage keine regelmäßige Grundrißausbildung zu, zum andern hausten mit Rücksicht auf die kleinen Nutzungsflächen und Erträge manchmal zwei Familien unter einem Dach in sogenannten "Gemeinhäusern", jedoch mit getrennter Wirtschaftsführung in eigenen Stuben, Küchen, Stall- und Bergeräumen. Im allgemeinen sind es giebelseitig aufgeschlossene Mittelflurhäuser, die auf der einen Seite des Flures Stube, Stübl und Küche, auf der anderen Seite einen "Gaden" als Speisekammer und den Stall aufweisen. Die Stuben sind sicherlich schon seit dem 16. Jahrhundert Kachelstuben mit Hinterladeöfen aus graphitierten Topfkacheln, wie sie der aus dem Schaitbergerhaus in das Salzburger Volkskundemuseum übertragene Ofen zeigt. Die Riemlingdecke der Stube mit dem "Wärmloch" wird von einem Trambalken mit eingeschnittener Jahreszahl getragen. Der Flur wird am hinteren Ende von der steingewölbten Küche abgeschlossen, aus der ein schliefbarer, gemauerter Rauchfang den Rauch übers Dach ableitet. Die Herde dieser Rauchküchen waren bis ins späte 19. Jahrhundert offen. Das Obergeschoß enthält über dem Flur den Söller, von dem auch die Stubenkammer, die Stüblkammer, die kleine Tenne und der Heuboden zugänglich sind.

 

 

Lehen bei Au

 

 

Die Wände des Wohnteiles waren stets im Blockbau, die des Stallteiles in verschaltem Ständerbau aufgeführt. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, setzte der Übergang zum Mauerbau erst im 18. Jahrhundert ein und erfaßte zunächst die Stallwände im Erdgeschoß. Die Blockwände des Wohnteils wurden im Erdgeschoß innen verputzt, um Mauerwerk vorzutäuschen. Häuser, die Tür- und Fensterwände aus Marmor zeigen, standen wohl im Besitz von sozial besser gestellten Bergleuten, Hutmännern und Bergmeistern. Sie wurden mit steilen Schopfdächern ausgestattet.

 

Auch die aus dem Bauernstand allmählich herauswachsenden ländlichen Handwerker, Zimmerer, Weber, Binder, Wagner, Schuster, Schneider hausten in solchen Kleinhäusern, die mit schlechtem Siedlungsland in Steillagen, an Grabeneingängen und Bachufern Vorlieb nehmen mußten und daher selten zu geregelten Grundrißlösungen fanden. Zumeist kamen Eckflur- oder Seitenflurhäuser mit zwei bis drei Räumen im Erdgeschoß zustande, die wohl aus einer alten Rauchstube abgetrennt wurden. Der Stall wurde häufig im Fundamentsockel der Häuser als Grubenstall untergebracht.

 

 

Haus in Au


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