Begrüßung Salzburger Emigranten

(aus: Krüger, Die Salzburger-Einwanderer, Gumbinnen 1857)


 

Verfolgte, fliehet her! kommt, ziehet bei uns ein!

Es soll euch unser Haus und Herz eröffnet sein;

Laßt euren Bischof nur euch Hab und Gut entreißen;

Ihr führt dennoch mit euch das höchste Gut nach Preußen.

Euch bleibet doch das Wort, das allen Schmerz versüßt,

Das Wort, das köstlicher als Gold und Silber ist!

Es bleibet euch das Haus der festen Glaubenslehren,

Das Papst und Hölle nicht mit aller Macht zerstören.

 

Was trauert ihr dem nach, erhebet euren Mut!

Seht, was des Herren Arm an euch für Wunder tut;

Ein Fürst verstößet euch: Gott will euch selbsten leiten;

Er schützt, Er sorgt für euch, Er steht euch an der Seiten!

Ihr räumt ja nur den Ort, wo Finsternis regiert,

Wo man die Seelen nicht auf rechter Weide führt,

Wo man die Seligkeit auf schwache Werke gründet,

und wo ein blindes Volk nur blinde Leiter findet.

 

Und so verlasset ihr nur ein Aegyptenland,

Der Himmel nimmt euch auf, da euch die Welt verbannt,

Dort mußten List und Haß als Schlangen um euch schleichen,

Nun könnt ihr ungestört dem Höchten Opfer reichen.

Ihr seid der Erden Salz: und da man euch verstößt,

So hat das Salzburg euch von aller Furcht erlöst.

Ihr seid, indem man euch vor Eifer fast verschlungen,

So, wie ein Jonas, nun ans Ufer durchgedrungen.

 

Der Himmel wendet euch die Sicherheit und Ruh

und seinen Segen auch mit vollem Maße zu,

Er kann durch seine Kraft die Herzen zu euch lenken,

Was euch entraubet ist, will er euch wieder schenken.

Doch lasset euer Herz nicht durch des Silbers Schein

Und dem, was zeitlich ist, hiebei geblendet sein,

Und denket jeder Zeit, wie daß des Geistes Gaben

Vor allem Irdischen sehr weit den Vorzug haben.

 

Da euch nun Gottes Huld mit treuer Liebesmacht

in dieses Preußenland beglückt anher gebracht,

So müßt ihr künftighin auf der bewohnten Erden,

Bei eurer Ruhe nicht, im Glauben schläfrig werden.

Meint nicht, daß bis hierher durch eure Glaubenstreu

dem großen Gott von euch was abverdienet sei,

Und daß ihr nun forthin, da er euch Ruhe gönnet,

Von eurem Eifer auch was unterlassen könnet!

 

Nein, nein, erwäget nur, daß Satans Macht und List

Euch so gefährlich noch, wie euer Salzburg ist,

Laßt eures Geisteslicht jetzt desto mehr entbrennen,

Laßt wie ein guter Baum euch an der Frucht erkennen,

Beweiset täglich noch in heißer Reu und Leid,

Daß ihr vom Sündenwust auch Emigranten seid.

Schickt Seufzer und Gebet zu Gottes Gnadenthrone,

Daß sein erhaltnes Wort noch ferner bei uns wohne.

 

Auf! flehet auch für den, den Gott zum Schutz erweckt,

Der uns noch diesen Tag als Preußens König deckt,

Daß Gott für diese Tat ihn tausendfach beglücke,

Und sein gesalbtes Haupt mit Segenskronen schmücke,

Und daß sein ganzes Haus bis auf den letzten Tag

Wie ein erhöhter Fels beständig bleiben mag.

Daß er wie Salomo uns und auch euch regiere,

Daß er sein Regiment bei stillem Frieden führe.

 

Hierbei erweist zugleich, daß ihr als Christen lebt,

dadurch, daß ihr die Schuld den Feinden auch vergebt;

Werft keinen Haß auf die, so euch vorhin geplaget,

Ach! segnet den, der euch mit Bann und Fluch verjaget.

Der hat das Christentum rechtschaffen ausgeübt,

Der, wie es Christus tat, auch die Verfolger liebt;

Drum bittet glaubensvoll, daß Gott die Feinde lenke

Und seine Liebesglut in ihre Seelen senke.

 

Wohlan! so gehet dann, bewohnt das fette Land,

So euch des Himmels Schluß zum Erbteil! zugewandt,

Seid fleißig, das zu tun, was ihr verrichten müsset,

denkt, daß man hier sein Brot im Schweiße nur genießet.

gedenket aber auch an jene Vaterstadt,

Die Gott im Himmel auch dort vorbehalten hat.

Ach! dahin wollen wir mit euch in Frieden fliehen,

Wenn wir aus dieser Welt als Emigranten fliehen.

 


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