DER GOTT

PREISENDE KÖNIG IN PREUSSEN


1.

Allmächt'ger Fridrich, Du Salomon der Preussen,

Daß Deine Länder sich auf GOttes Preiß befleißen,

Sodaß auf einen Tag in Stadt, Dorf, Berg und Wald,

So weit dein Scepter reicht, der Ton davon erschallt,

Und zwar mit solcher Krafft, daß er sich auswärts schwinget,

In andern Ländern mehr, wo GOttes Ehre grünt,

So zur Ermunterung und Auferweckung dient?

Daß man zu gleicher Zeit des Höchsten Huld besinget,

Das macht, weil dein Befehl ein Danck-Fest angesetzt,

Nachdem Dich und dein Volck ein neues Volck ergötzt.

 

2.

Auf! preißt mit mir den HErrn, laßt uns in Tempel gehen,

Und einen Namen da einmüthiglich erhöhen!

So hieß dein Königs-Wort, das man jetzt treu vollzieht,

Indem man selbst darbey dein hohes Beyspiel sieht,

Gewißlich wer den Zweck des Festes recht bedencket,

Daß Du es GOtt zum Preiß, O König, angestellt,

Vor einer Heerde Volcks, das GOtt in Ehren hält,

Von dem wird allerdings die Wahrheit nicht gekräncket,

Wenn er freymüthig spricht: Was einst der Heyland that,

Das thut der Preussen Haupt mit wohlbedachtem Rath.

 

3.

Der wunderbare Held, der einst in Lebens-Tagen

Auf Erden von sich selbst in Wahrheit kunnte sagen:

Vor euren Augen hier ist mehr dann Salomo,

Erhub die Stimme dort als GOtt- und Menschen-Sohn:

Mein Vater und mein HErr, sey hoch von mir gepriesen,

Daß sich das Wort vom Heyl (das Klugen dieser Welt

Darum verborgen ist, weils ihnen nicht gefällt)

Bey den Unmündigen so kräfftiglich erwiesen,

Nur der gehorsamen und Einfalt-vollen Art

Ist so durch Wort, als Geist die Weißheit offenbahrt.

 

4.

Das thust Du, König, auch; nachdem in deinen Landen

Viel tausend an der Zahl zur Colonie vorhanden,

Die mit Aufrichtigkeit und Einfalt ausgeschmückt,

Doch in dem Wort des HERRN das wahre Licht erblickt,

Und dann ihr Vaterland gar gern verlassen haben,

Nun aber Lebens-lang von Finsterniß befreyt

Bey deines Adlers Schutz in Ruh und Sicherheit

Die Seelen täglich mehr mit der Erleuchtung laben.

Ja was? Du preisest GOtt nicht nur vor Dich allein,

Es stimmt in solchen Preiß, was Preusisch ist, mit ein.

 

5.

O ein sehr herrliches Werck, viel tausenden zur Lehre!

Du gibst allein dem HErrn des Himmels Preiß und Ehre.

Warum? Es macht allein sich dessen Wunder-Hand

Durch der Saltzburger Zug zur Seeligkeit bekannt.

Kein Prediger hat sie zum Eyfer angetrieben;

Das reine Wort des HErrn, das nach des Luthers Zeit

Durch Habermann und Arndt bey der Einfältigkeit

Wie durch Scheidbergern sehr zum Seelen-Heyl beklieben,

Führt diese Schaafe Dir als ihren Hirten zu,

Nun haben sie durch Dich nebst Hirten, Weid und Ruh.

 

6.

Einfältige sind sie zwar alle nicht zu nennen,

Denn Du hast, weiser Herr, selbst manchen lernen kennen,

Der sich in Wissenschaft der Wahrheit so gezeigt,

Daß mancher unter uns wohl auf die Fragen schweigt,

Darauf die Antwort bald nebst Grund gehöret worden.

Thu ich dann einen Blick auf ketten, Kercker, Qual,

Wodurch von diesem Volck nicht eine kleine Zahl,

Zwar nicht in Sadrachs Glut, jedoch in dessen Orden

Beständig ausgeharrt, so treff ich Hertzen an,

Bey denen GOttes Preyß kein Ende nehmen kann.

 

7.

Wie lieblich werden nun, die nicht so fest gegründet,

Da sich bey Deinem Schutz Gewissens-Freyheit findet,

Durch Ihrer Lehrer Fleiß mit jedem Sonnen-Schein

Nach ihrer Dämmerung noch mehr erleuchtet seyn!

Neu-Saltzburg, welches Du sorgfältig auferbaust,

Durchlaucht'ger Potentat, wird künfftighin ein Land,

Darinnen GOttes Nam' insonderheit bekannt,

Daran auch Du allzeit des Höchsten Wunder schauest;

Ein Wunder, daß der HErr Dein Hertz zu ihm gelenckt.

 

8.

Wenn, großer König, mir jetzt nicht verboten wäre,

Dort in Berlin zu seyn, strebt ich nach dieser Ehre,

Und legte mich und Blat zu deinen Füßen hin,

Womit ich weit entfernt, gebückt aufwartsam bin.

Ich thu es demnach so, und laß es Göbeln lesen,

Der bis auf diesen Tag von deiner Majestät

Der neuen Colonie, die in Neu-Saltzburg geht,

Mit aller Sorg und Treu ein Schattenbild gewesen,

Den unser Zion auch des Namens wegen ehrt,

Dieweil ein Göbel hier in Drangsal treu gelehrt.

 

9.

Schickt dieser Mann den Reim vor seines Königs Augen,

Wenn er ein Wort erblickt, das das vor sie möchte taugen,

So hab ich Glücks genug: Kömmt aber etwas für,

Das, mächtiger Monarch, an Zeilen Dir

nicht gar mißfallen kan, so ist das Glücke größer.

Um so viel Stuffen Du vor diesem größer bist,

Dem nur von deinem Glantz ein Stral verliehen ist,

Um so viel strahlet mir die Gnaden-Sonne besser.

Jedoch was sag ich viel? Du preisest GOttes Huld

Ich preise Dich darum, das hörst Du mit Geduld.

 

10.

Hör aber noch zuletzt die neuen Colonisten,

Wie sie sich auf das Fest in voller Andacht rüsten.

Sie sehn Dich, Friderich, als GOttes Werckzeug an,

Durch welches Er vor sie ein Wunder-Werck gethan.

Deßwegen rufen sie mit treuem Hertz und Munde:

Den König Friederich und seyne Königin

Krön alles Glück und Heyl, nach eigenem Wunsch und Sinn,

Wie auch sein hohes Hauß zu jeder Zeit und Stunde.

Ich setze zu: Was GOtt den Preußen nützlich weiß,

Das schenck Er ihrem Herrn, so singt er Lob und Preiß

 


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