Das große Reformationsfest
Sonnet I
Ihr Weisen dieser Welt bezähmet die Gedancken,
Als gäb es heut zutag gar keine Wunder mehr:
Thut Eure Augen auf, und sehet doch hierher:
Ein Volck von großer Zahl durchbricht die finstre Schrancken,
Und eilet Freuden-voll durch Bayern, Schwaben, Francken,
Durch gantzes Sachsen-Land die Länge und die Quer,
Es suchet nichts als Gott, und seine wahre Lehr,
Und will fort länger nicht so hin und wieder wancken.
Wie? sehet Ihr noch nicht, wer dieses Werck gethan?
Sein liebes Vatterland, Freund, Gut und Blut zu hassen,
Den süssen Ruhe-Stand mit tapferm Muth verlassen.
Das steht dem zarten Fleische und der Vernunft nicht an.
Erkenne blinder Mensch! den der die Welt regieret
Und seine Heiligen so wunderbarlich führet.
Sonnet II
Doch, warum geht der Weg jetzt eben Norden zu?
Ist dann nicht Abraham aus Mitternacht gegangen,
Und suchte Canaan im Süden zu erlangen?
Du aber kehrst es um, mein Volck! wie irrest du!
Ach nein, ich irre nicht: Ich suche meine Ruh:
Ich sehe meinen Stern in Norden angehangen,
Der niemals untergeht, mit tausend Strahlen prangen.
Den habe ich gesucht, und diesen hab ich nu.
Das Volck von Israel muß aus Egypten fliehen
Weil Gott im Norden ihm ein Canaan gezeigt,
So steht auch unser Hertz nach Mitternacht geneigt,
Weil Licht und Wahrheit uns in diese Länder ziehen.
Gott hat uns diesen Stern in Norden aufgesteckt,
Und einen großen Held aus Mitternacht erweckt.
Sonnet III
Ja, großer Friederich! Du hoher Fürst aus Norden!
DIR hat der Höchste selbst dein tapfers Herz gerührt,
DU hast sein armes Volck zur Ruhe eingeführet
Und bis ihr Josua zu unsern Zeiten worden.
Derzu bekennst DU heut an allen denen Orten,
Die DEINE hohe Hand und Königs-Stab regiert,
Daß Gottes Majestät dafür der Danck gebührt,
Und setzest Christi Thron auf DEINE Ehren-Pforten.
So nimmst DU Gottes Reich in DEINE Grentzen ein.
DU wilt am ersten heut dem Höchsten Opfer bringen,
Und seine Wunder-Macht mit Deinem Volck besingen.
DEIN Reich soll ein Asyl bedrängter Wahrheit seyn.
Es müsse DEINE Cron darfür erhöhet werden,
Dein Thron befestigt stehn bis an das End der Erden.
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