Sendschreiben von

Joseph Schaitberger an seine Kinder

(1732)


1.

Was mein Gott will, das will ich auch

Im Leben und im Sterben.

Das Leben ist der wahren Christen Brauch;

So kann man Huld erwerben.

Wie mein Gott will,

Halt ich ihm still;

Dabei will ich verbleiben.

Ich will allein

Den Willen mein

Ihm williglich verschreiben.

 

2.

Will Er, daß ich in Armut leb,

Will ich in Armut leben.

Will Er, daß ich in Krankheit schweb,

Will ich in Krankheit schweben.

Muß ich auch dann

Mein Vaterland

Um seiner Ehre meiden,

Wohlan! ich geh,

Ob schon tut weh

Von freunden abzuscheiden.

 

3.

Will er, daß ich gefangen lieg,

Ich will gefangen liegen.

Will er, daß mich verfolgt der Krieg,

Ich lasse mich bekriegen.

Ketten und Band

Ist mir kein Schand!

Um Jesu willn zu tragen.

Des Teufels Rott

Halt ich für Spott

Samt der Tyrannen Plagen.

 

4.

Wie mein Gott will, geb ich mich drein,

Will b'ständig bei Ihm bleiben.

Kein Kreuz, kein' Marter, Angst und Pein

Soll mich von ihm abtreiben.

Gern will ich leiden

Schand und Spott

Allhier auf dieser Erden;

Allein ich bitt

Daß er mich Dort

Dort lass' zuschaden werden.

 

5.

Soll ich dann hie spat und auch früh

Noch lang im Elend wallen,

Wie Gott es fügt, bin ich vergnügt

Und laß mir's wohl gefallen.

Nimmt mich dann Gott

Bald durch den Tod

Ich will mich ihm ergeben.

In' Himmels Thron

- Das weiß ich schon -

Da kann ich sicher leben.

 

6.

Fragst du, wer mich so stark gemacht?

Der starke Gott im Himmel.

Wann dieser hilft, so ist veracht't

Der Feinde Machtgetümmel.

Er ist mit mir

Gott für und für;

Dem hab ich mich ergeben.

Die gleiche Lieb,

Des Geistes Trieb

Läßt mich nicht anders leben.

 


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