Saline Schellenberg


Spätestens seit 1211 war hier eine Saline tätig; sie lag westlich der Pfarrkirche, auf dem Gelände innerhalb der Flußschlinge der Berchtesgadener Ache. Seit der Mitte des 14. Jahrhunderts war eine zweite Pfanne in Betrieb. Auch wenige Kilometer nördlich von Schellenberg, auf dem Dürrnberg bei Hallein, wurde um diese Zeit erneut mit dem bergmännischen Salzabbau begonnen, nachdem dieser jahrhundertelang geruht hatte.

Schellenberg war dem Territorium der Salzburger Erzbischöfe näher und von daher noch stärker deren Einfluß ausgesetzt als Berchtesgaden. Vom 14. bis zum 16. Jahrhundert war Schellenberg samt seiner Saline dem Salzburger Erzbischof verpfändet. Als Schellenberg Mitte des 16. Jahrhunderts an Berchtesgaden zurückfiel, war die Saline nur etwa halbjährlich in Betrieb.

Die Schellenberger Produktion war niedrig, oft belief sie sich nur auf 1 000 t Salz im Jahr, währen in Hallein gegen Ende des 16. Jahrhunderts bis zu 30 000 t produziert wurden. Anfangs wurde in Schellenberg auch Sole gewonnen; aber hauptsächlich wurde hier Sole aus dem Berchtesgadener Salzbergwerk versotten.

Das Salz aus Hallein und Schellenberg, das von Bayern seit dem ausgehenden 16. Jahrhundert aufgekauft wurde, war vorwiegend für den Export bestimmt. Es wurde salzachabwärts verbracht und gelangte über den Goldenen Steig nach Böhmen oder donauabwärts nach Linz und weiter nach Ungarn oder über den "hinteren Ausgang" Berchtesgadens nach Tirol oder nach Bayern und weiter in die Schweiz.

Schellenberg produzierte vor allem für den Export; mithin mußte das Salz den üblichen Formen und Größen entsprechend verpackt werden. Wie es das Sudhaus verließ, wurde es zunächst, noch stark wasserhaltig, zum Trocknern in das Pfiesel- oder Dörrhaus gebracht. nach etwa einer Woche wurde es mit Hilfe einer Schaufel in "Perkufen", längliche, konische Behälter gefaßt. Der Inhalt einer Perkufe betrug etwa 75 kg Naßsalz; nach sechs bis acht Tagen wog es noch 60 kg. Kleiner war das "Fuder", das trocken etwa 25 kg wog und als "nacktes Salz" verkauft wurde. Für den Fernhandel benützte man die "Scheiben", die drei Fuder umfaßten. Die "Scheibe" war ein runder Kübel aus Holzdauben mit Faßreifen aus Weidenzweigen, Verpackungs- und Maßeinheit in einem. Die Verpackung des Salzes zog einen eigenen Wirtschaftszweig nach sich: den des Küfers. In Schellenberg lassen sich Küfer seit der Mitte des 13. Jahrhunderts nachweisen. Sie bezogen ihr Holz von der Saline, die Zweige der Haselnußsträucher, die sie zum Binden benötigten, vielfach aus dem salzburgischen Pfleggericht Glanegg. Die Faußdauben für ihre Kufen stellten sie gewöhnlich selber her; man bezeichnete diese Tätigkeit als "Kleizeln".

 

 

Pfannhauser

Salinenarbeiter

 

Die Saline brachte Arbeitsplätze und begünstigte damit auch den Zuzug nach Berchtesgaden und Schellenberg. Viele Arbeiter wohnten in der Saline, im sogenannten Arbeiterstock. Die ständig hier Beschäftigten durften sich verheiraten, wer zu den "unständigen" zählte, durfte sich nur mit Erlaubnis der Salinenleitung verehelichen. Die Einkommen der "Unständigen" war gering und die Fluktuation dementsprechend hoch. Die Arbeitszeit in der Saline dauerte täglich von 6 bis 18 Uhr, mit einer Stunde Mittagspause von 11 bis 12 Uhr.

Im Sudbetrieb wurde im Schichtdienst gearbeitet; auf zwei sechsstündige Schichten folgte eine Freischicht, nach 13 Tagen bekam man einen freien Tag. Die Bezahlung war sehr unterschiedlich: Höhere Salinenbeamte bezogen jährlich 1200 Gulden; der Wochenlohn eines einfachen Arbeiters belief sich auf 4 bis 6 Gulden, also 200 bis 300 Gulden im Jahr.

Neben den Geldzahlungen gab es Naturalentgelte oder Deputate. Dazu gehörten vor allem Getreide, Holz, Unschlitt (Rindertalg) und Salz. Ein Amtsdiener erhielt außerdem 4 Klafter Holz, der Kassier das Dreifache und ein Oberinspektor gar 24 Klafter. Die bei den Pfannen und im Vertrieb tätigen Personen bekamen in der Regel 6 Klafter Holz. Salz erhielten die Salinenbeschäftigten "nach dem Normale", d.h. 12 Pfund pro Familienmitglied und pro Jahr. Ein verheirateter Salinenarbeiter mit zwei Kindern bezog 4 Normale, also 48 Pfund Salz jährlich. Außerdem gab es in einzelnen Jahren Teuerungszulagen.

Lange vor Einführung der Krankenversicherung, bestand in der Saline eine Art Betriebskrankenversicherung, die bei Krankheit und Tod Beihilfen gewährte; ein eigener Salinenarzt kümmerte sich um die Kranken. Im Krankheitsfall wurde der volle Wochenlohn weiterbezahlt, je zur Hälfte aus der Amtskasse und aus der sogenannten Bruderkasse der Salinenbruderschaft.

 


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