Die Salzburger - Anstalt

in Gumbinnen


 

Salzburger Anstalten in Gumbinnen

 

Bereits 1732 hatte der Preußische König Friedrich Wilhelm I. angeordnet, daß aus den Kollektengeldern, die in ganz Deutschland, in Schweden, Dänemark, England und den Niederlanden im Emigrationsjahr gesammelt worden waren, in Gumbinnen ein Hospital für 100 alte und arbeitsunfähige Emigranten erbaut werden sollte. Aber das Hinauszögern der Ansiedlung in Ostpreußen machte es notwendig, zunächst erhebliche Mittel für die Unterstützung der vielen Armen zu verwenden, die keine Möglichkeit hatten, sich ihren Unterhalt selbst zu verdienen. Für diesen Zweck wurden bis 1740 nicht weniger als 19.481 von den vorhandenen 28.981 Talern verbraucht. Jeder Arme erhielt jährlich acht Scheffel Roggen, vier Scheffel Gerste für Mehl, einen Scheffel Gerste und Hafer für Grütze, einen halben Scheffel Erbsen, einen Taler für Rindfleisch, zwei Taler für Milch, eineinhalb Taler für Speck und 45 Groschen für Salz.

 

Im Jahre 1739 konnte endlich das geplante Hospital in Gumbinnen errichtet werden. Es bot 40 Insassen Platz. Jeder von diesen erhielt monatlich 16 Groschen für die Verpflegung, dazu freie Pflege und Medizin. Es wurde ein eigener Seelsorger bestellt, der morgens und abends eine Betstunde zu halten hatte. Das Vermögen der Anstalt bestand aus den 9500 Talern, die sich noch in der Regensburger Kollektenkasse befanden, und aus 12.723 Gulden aus Salzburg.

 

Der König hatte durch nach Salzburg entsandte Kommissare den Verkauf der Güter der Emigranten und die Eintreibung ihrer Guthaben durchführen lassen. Der Erzbischof hatte sich nicht weigern können, die Einreise und die Tätigkeit dieser Beamten zu gestatten. Zuerst hatte Freiherr von Plotho und nach diesem Hofrat von Osten diese Aufgabe zu erfüllen. Die von diesen Männern nach Ostpreußen gebrachte Summe aus dem Erlös für die Güter betrug etwas über 300.000 Taler. Da manche Emigranten auf dem Wege nach Ostpreußen verstorben waren, konnten für 12.723 Gulden die Empfangsberechtigungen nicht ermittelt werden. Dieser Betrag wurde daher der Salzburger-Anstalt übergeben.

Als jetzt die aus der alten Heimat eingetroffene Summe an sie ausgehändigt werden sollte, faßten sie durch ihre Deputierten den bemerkenswerten Entschluß, auf die ihnen zustehenden Beträge zugunsten der Salzburger-Anstalt zu verzichten. Der König gab seine Zustimmung. So wurde die "Salzburger Armen-Versorgungs-Anstalt" zu einer der reichsten miltätigen Stiftungen in Ostpreußen. Daher konnte die Anstalt weiter ausgebaut und mit einer besseren Einrichtung ausgestattet werden. Auch ein schlichtes Kirchlein wurde jetzt neben ihr errichtet.

 

 

Kirche in Gumbinnen


Der Salzburger Verein

 

Da um die Jahrhundertwende das Gefühl der Zusammengehörigkeit unter den Nachkommen der Salzburger nachzulassen begann, bildete sich ein Komitee, das es sich zur Aufgabe machte, das Gemeinschaftsbewußtsein wieder zu beleben. Mehr als 500 Salzburger folgten der Einladung dieser Männer nach Gumbinnen. Nach einer Feier am Denkmal Friedrich Wilhelms I. wurde am 22. Februar 1911 die Gründung eines "Salzburger Vereins" beschlossen. Bald erreichte der Verein die stolze Zahl von 1800 Mitgliedern, die in elf Ortsgruppen zusammengefaßt waren. Seine Zeitschrift "Der Salzburger" erreichte in zunehmendem Maße die Familien der Emigrantennachkommen und hielt das Gefühl der Zusammengehörigkeit unter ihnen aufrecht.

 


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