Salzleckertisch


 

Salzleckertisch

 

Um den Schwarzacher "Salzleckertisch", dessen Tischplatte am Beginn des 19. Jahrhunderts mit dem Bild von 5 Pongauer Bauern, dem Prädikanten und zwei Buben sowie der (unrichtigen) Jahresbezeichnung 1729 versehen wurde, waren die evangelischen Bauern und Abgeordneten des Pongaues 1731 versammelt.

Hintergrund:

Als unter Erzbischof Firmian die Jesuiten im Gebirge die Tätigkeit der Gegenreformation aufnahmen (1728) und verstärkte, strenge Verfügungen gegen die Besitzer lutherischer Bücher erlassen wurden (1729), hierauf auch schwere Strafen - Geldbußen, Gefängnis, Landesverweisung für Versäumnis des katholischen Gottesdienstes, ketzerische Lehren und Aufwieglung vollzogen wurden, wendeten sich die Anführer und zur Auswanderung Verurteilten im Mai 1731 in einer Abordnung an die protestantischen Stände in Regensburg.

Der Protest dieser Stände wurde jedoch abgewiesen, da die Beschwerdeführer als Sektierer anzusehen seien und der Landesherr als katholischer Kirchenfürst bestrebt sein müsse, auch die Glaubenseinheit im Lande wiederherzustellen. (Beschlüsse des Westfälischen Friedens). Vom Erzbischof und dessen Hofkanzler Christiani v. Rall wurde eine Kommission ins Gebirge entsendet zur Untersuchung, ob die von den salzburgischen Evangelischen in Regensburg vorgebrachten Mißstände auf Wahrheit beruhten.

 

Die lutherischen Bauern schlossen sich hierauf fester zusammen und kamen erstmals in Schwarzach zusammen. Diese Versammlung pflegte man insgeheim den Großen Rath zu nennen und es wurde in derselben festgesetzt:

"Allen und jeden sollte erlaubt seyn, sich der freyen Religionsübung zu gebrauchen; niemand sollte sein Habe und Vaterland verlassen; man sollte den Entschluß und die Verfügung hierüber von Regensburg abwarten; indessen müßte man unter dem Schutz des Kaisers leben und wenn's aufs äußerste kommen sollte, sich ihn zum Herrn erwählen."

Bey dieser Versammlung waren der vorzüglichsten Anführern aus allen Pfleggerichten hundertundfünfzig. Am Ende bekräftigten sie das Bündnis durch den Genuß des Salzes, das sie mit den äußersten Spitzen der Finger nahmen. Es wurde zugleich angesagt, daß sich alle an einem bestimmten Tage wieder zu Schwarzach einfinden sollten. Die Bedeutung und Schwere des Entschlusses war den Versammelten klar, deshalb schwuren sie einander den Eid, die Treue zu halten und wählten zur Bekräftigung das Symbol des Salzes, das bedeutet die Bauernparole, nämlich miteinander auf dem evangelischen Glauben zu leben und zu sterben.

Die erzbischöfliche Kommission hatte im Juli 1731 ihre Arbeit begonnen; es wurden in den besuchten Orten schriftliche Bekenntnisse zu evangelischen Glauben überreicht, nur die Bewohner von drei Ortschaften erwiesen sich als rein katholisch. Mit einer Liste von über 20.000 Personen, die sich als evangelisch bekannte hatten, kehrte die Kommission noch im gleichen Monate nach Salzburg zurück.

Die Evangelischen hielten sich nach den "Schwarzacher Beschlüssen" vom Jakobitag an vom katholischen Gottesdienst fern und lehnten es ab, weiter an Prozessionen teilzunehmen; durch die katholischen Pfarrer wurden ihnen dafür jede Taufe, Trauung, kirchl. Begräbnis verweigert.

 

So fand die zweite Versammlung in Schwarzach am 5. August 1731 von etwa 100 Abgeordneten statt. Ausschüsse von sieben Pflegegerichten fanden sich ein. Die Versammlung wurde von den Bauern der "Landtag" geheissen. Nach dem Singen des 26. Psalmes Davids sagten zuerst die Abgeordneten Radstadt ihre Meinung; Wagrain, Werfen, Abtenau, Gastein, Goldegg und St. Veit äusserten sich ebenfalls. Wegen der Verschiedenheit der Ansichten wurden schließlich von jedem Pfleggericht zwei Männer bestimmt, die in einem besonderen Zimmer, das die "Rathstube" genannt wurde, zum Entschluß kamen, eine Gesandtschaft nach Regensburg und eine weitere nach Wien zum Kaiser zu entsenden; weiteres wollte man sich in der Gefahr nicht verlassen und lieber sterben, als seinen evangelischen Glauben verleugnen.

Am Ende der Verhandlung wurde wieder Salz geleckt und mit den in Salz getauchten Schwurfingern Gott und den Genossen Treue bis in den Tod geschworen. Unter dem Namen "Salzbund" lebt dieses historische Ereignis fort.


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