Joseph Schaitberger


Ahnengalerie
Schaitberger - Bild 1
Schaitberger - Bild 2
Schaitberger - Bild 3
Schaitberger - Bild 4
Schaitberger - Haus
Schaitberger - Krug
Exulantenlied
Schaitberger - Grab
Karthäuserkloster
Herberge zur Heimat
Pfeife

Schaitberger Homepage

 

Joseph Schaitberger - Museum Kirche in Franken

 

 

Joseph Schaitberger

 


Der frühere Bergmann Joseph Schaitberger wurde geboren in Dürnberg bei Hallein am 19. März 1658. Schon als Jüngling las er eifrig die Schriften der Reformatoren, besonders Luthers. Nach seiner Verheiratung waren diese und die Schriften der Apostel und Propheten die tägliche Nahrung seines Glaubens an seinen Heiland.

Solchen starken Glauben sollte er aber bald brauchen. Denn unter dem Erzbischof Maximilian Gandolph (1668 - 1687) brach ein neuer Verfolgungssturm über die evangelischen Christen herein. Es war nur zu natürlich, daß die Führer der Lutheraner, zu welchen Schaitberger doch hauptsächlich gehörte, des Erzbischofs Haß auch am ersten und härtesten verspürten.

 

 

Predigstuhl

Abtswald in Dürrnberg

Der Pfleger von Hallein meldete, daß die Knappen des Dürrnberger Salzbergwerkes nähmen nicht mehr an der Messe teil nehmen. Sie kämen vielmehr im Abtswald bei Dürrnberg zu geheimen, lutherischen Gottesdiensten zusammen. Obwohl in Salzburg längst bekannt war, daß die Bergleute Protestanten waren, hatte man sie unbehelligt gelassen. Das von ihnen gewonnene Salz bildete eine der Haupteinnahmequellen des Landes. Jetzt aber ließ Erzbischof Max Gandolf eine strenge Untersuchung einleiten.

Es war im Jahre 1683, daß Josef Schaitberger, Matthias Kammel (aus Berchtesgaden), Simon Lindtner und sein Freund Ruprecht in Hallein ins Gefängnis gelegt wurden. Später wurden sie nach Salzburg gebracht, damit sie sich vor dem Hofgericht verantworten möchten. Fünfzig Tage hindurch machten Kapuziner und Jesuiten an ihnen Bekehrungsversuche, jedoch vergeblich. Um die Namen aller Ketzer zu erfahren, verlangt der hinterlistige Erzbischof nun von ihnen ein schriftliches Glaubensbekenntnis. Weil sie rechneten, daß der Erzbischof die Bestimmungen der Augsburgischen Konfession respektieren werde, setzte Schaitberger das verlangte Glaubensbekenntnis auf.

Freudig setzen die Anhänger dieses Glaubens ihre Namen darunter und ehe die Frist abgelaufen war, wurde die Schrift dem Erzbischof übergeben. Nach dem Vertrag des westfälischen Friedens durften sie hoffen auf stille Duldung ihrer Gottesdienste oder auf Vertreibung nach dreijähriger Frist. Doch wie anders kam es.

Schaitberger sagte:

 

"Siehe, da nimmt man uns erstlich die Berg-Arbeit, denn wir waren Bergknappen, und hatten große Freiheit. Zum andern haben sie uns verbotten, unsere vätterliche Erbgüter nicht mehr zu besitzen, auch dieselbigen zu verkauffen. Endlich, haben wir noch zur Straff als Übertretter der Römischen Kirchen 14 Tag bei Wasser und Brod in der Buß arbeiten mussen. Zu allerletzt aber wurden wir noch einmal für geführet, und gefragt: Ob wir von unserem Ketzerischen Glauben nicht abstehen und Chatolisch bleiben?

Allein wir wollten nicht."

 

Nachdem sich alle Bekehrungsversuche als vergeblich erwiesen hatten, wurden die vier zu vierzehn Tagen Zwangsarbeit "bei Wasser und Brot" verurteilt. Als sie nach Verbüßung dieser Strafe nach Hause zurückgekehrt waren, wurde ihnen mitgeteilt, daß sie und alle, die sich mit ihnen als evangelisch bekannten, ihre Arbeit im Bergwerk verloren hätten und damit auch aller Vergünstigungen verlustig seien. Wenige Tage später kam aus Salzburg der Befehl, alle lutherischen Knappen hätten das Land sofort zu räumen. Der Verkauf ihrer Güter sei ihnen verboten.

 

"Nun hat man uns mit Gewalt Kinder und Güter zurückbehalten und uns mit unsern Weibern mit leeren Händen aus dem Land geschafft, und zwar mitten im Winter 1685/86."

 

 

Als der Erzbischof Gandolph sah, saß viele seiner Landeskinder über solcher Grausamkeit heimlich Hab und Gut verließen und über die Grenze flüchteten, bot er auch solchen, die schon den Ausweisungsbefehl hatten, Gnade an unter der Bedingung, daß sie folgendes beschwören sollten:

 

1) Der ev. Glaube ist ketzerisch und verdammlich;

2) Die Messe ist ein Opfer und tilgt die Sünden nicht nur der Lebenden, sondern auch der Verstorbenen;

3) Ohne Fürbitte der Jungfrau Maria und der Heiligen kann niemand selig werden;

4) Es gibt gewiß ein Fegfeuer;

5) Wir werden durch gute Werke gerecht und selig;

6) Das hl. Abendmahl in einerlei Gestalt ist viel kräftiger als das evangelische.

 

Als diese Anerbieten des Erzbischofs erschien, war Schaitberger noch in Salzburg. Er besuchte und stärkte seine Brüder im Glauben, so daß nur sehr wenige schwach wurden und ihren Glauben verleugneten. Diejenigen, welche diesen Eid nicht ablegten, wanderten freiwillig aus oder sie wurden wie Schaitberger und sein Freund Ruprecht, beraubt aller Güter und der Kinder, über die Grenze geschafft. Es wanderten etwa 1 000 Evangelische aus Dürrnberg und Berchtesgaden aus. Alle Kinder unter 14 Jahren wurden den Eltern entrissen, damit sie dem katholischen Glauben erhalten blieben.

Schaitberger durfte seine beiden Töchter Magdalene und Anna auch nicht mitnehmen. An diese Töchter hat er 1701 ein Sendschreiben aus Nürnberg geschrieben. Wie herzbewegend bittet er da seine Kinder, doch ja zum evangelischen Glauben zurückzukehren.

Die meisten Vertriebenen fanden als Knappen im sächsischen Erzgebirge bald wieder Arbeit und eine neue Heimat. Als Schaitberger im kalten Winter 1685/86 vertrieben war, fand er in der reichen Stadt Nürnberg eine neue Heimat. Dort war er zuerst als Dienstmann und Gepäckträger tätig. Später arbeitete er in einer Silberdrahtzieherei. Seinen Lebensabend konnt er in Ruhe und Frieden verbringen. Obwohl er nicht Bürger war, wurde er vom Magistrat der Stadt Nürnberg am 22. Oktober 1722 "vermöge Rats-Verlasses d. d. 21. Oktober 1722" im Alter von 65 Jahren unter die Zahl der "Zwölf armen Brüder" aufgenommen, die im ehemaligen Karthäuserkloster Kost und Wohnung hatten.

Dreimal reiste er unter größter Lebensgefahr von Nürnberg nach Salzburg zu den dortigen Glaubensgenossen, die in größter Drangsal lebten. Er tröstete sie und ermahnte zur Standhaftigkeit oder gar zur Umkehr vom katholischen zum evangelischen Glauben. Bei vielen hatte sein eindringliches Werben Erfolg, leider nicht bei seinen beiden obengenannten Töchtern.

Täglich betete der fromme Vater zu seinem Heiland, er möchte sich seiner Töchter erbarmen und sie zum Glauben des Vaters zurückbringen. Und dieses Gebet wurde erhöht. Ein Jesuitenpater hatte Schaitbergers älteste Tochter Magdalene durch vielfaches Zureden bewogen, nach Nürnberg zu ihrem Vater zu reisen, um ihn durch Zureden und Bitten zur "alleinseligmachenden" Kirche zurückzubringen. Welch einen Triumph hätte die katholische Kirche, besonders die Jesuiten, gefeiert, wenn der teuflische Plan gelungen wäre. Doch es kam anders. Magdalene Wurde von dem festen Glauben des Vaters überwunden, wurde evangelisch und blieb nun bei ihrem leiblichen und nunmehr geistlichen Vater. Margaretes Mann billigte ihren Entschluß, und ihre Schwester Anna nahm sich der verlassenen Kinder an. Als im Jahre 1732 die noch größere Verfolgung der Lutherischen unter dem habgierigen und grausamen Erzbischof Firmians ausbrach, erschienen eines Tages in Nürnberg viele Vertriebene, darunter auch die Töchter seiner Tochter Magdalene. Wie groß war doch die Freude, als er seine Enkelinnen an die Brust drücken konnte! Noch größer, als er hörte: "Großvater, wir sind auch deines Glaubens, Tante Anna hat uns darin unterrichtet." Sie blieben nun hinfort in Nürnberg.

Seiner Frau Magdalena, einer geborenen Kämmel aus Berchtesgaden, hatte der Verlust der Heimat und der kleinen Töchter das Herz gebrochen. Sie starb schon ein Jahr nach der Vertreibung. Fünf Jahre blieb Schaitberger Witwer. 1692 verheiratete sich Schaitberger ein zweites Mal, und zwar mit einer Emigrantin aus Berchtesgaden, Katharina Brockenberger. Sie starb bereits sechs Jahre später und hinterließ ihm vier Söhne, von denen nur einer den Vater überlebt hat.

1732 und 1733 konnte er noch seine Landsleute begrüßen, die während der Emigration durch Nürnberg zogen und die ihn, der für sie fast zur legendären Person geworden war, mit Ehrfurcht betrachteten. In der Nacht zum 3. Oktober 1733 ist er dort "zu aller Umstehenden großer Erbauung" friedlich entschlafen, "nachdem er in dieser Welt gelebt, 75 Jahre und 6 Monate".

Sein Grab wird heute noch auf dem Nürnberger Friedhof St. Rochus gepflegt.


Auf dem Weg nach Nürnberg hat Schaitberger sein bekanntes Exulantenlied gedichtet. Es ist in der Folgezeit das Trost- und Wanderlied aller Salzburger Emigranten geworden.

In Nürnberg hat Schaitberger von 1691 an eine Fülle von Schriften und Liedern verfaßt, die alsbald mit Hilfe vermögender Kaufleute gedruckt und Anfang des 18. Jahrhunderts in einem Sammelband, dem "Evangelischen Sendbrief, geschrieben an die Landsleute in Salzburg" zusammengefaßt wurden. Die einzelnen Schriften und später auch der Sammelband wurden trotz der strengen Überwachung durch Kraxenträger in großen Mengen ins Erzstift gebracht. Bald war "Der Schaitberger" zum beliebtesten Andachtsbuch der Salzburger Evangelischen geworden. Seine von einem gesunden Pietismus geprägte tiefe Frömmigkeit bestimmte fortan die religiöse Haltung der Protestanten und machte Schaitberger zu ihrem geistigen Führer. Daß sie sich endlich offen zu ihrem Glauben bekannten, war zum Großteil seinem Einfluß zuzuschreiben.

 

 

 

Sendbrief von Joseph Schaitberger

Mahnte er doch in seinen Schriften immer wieder:

 

"Wer Jesum suchen will, der suche ihn nicht im Rosengarten ...

sondern du mußt dein kreuz auf diech nehemn

und ihn suchen an dem traurigen Ölberg ...

wenn es heißen wird:

Dies mußt du glauben oder alles verlassen,

Güter und Kinder, so bitte ich euch,

macht keinen Gott aus den zeitlicheen vergänglichen Gütern,

sondern seid beständig im Glauben,

weichet nicht von dem,

der euch erschaffen und erlöset hat

und durch den ihr auch hoffet,

einmal selig zu werden."

 


zurück
next