Der Berchtesgadener Emigrant

Johann Adam Treutlen

 


 

Landzuweisung an die Emigranten in der englischen Kronkolonie Süd-Carolina in Nordamerika.

Die zeigende Geste des hohen Beamten, wahrscheinlich General James Edward Oglethorpe, auf das Land und auf die Landkarte, kennzeichnet den Augenblick der Übergabe.

Bei den beiden dunkel gekleideten Herrn im Hintergrund dürfte es sich um den Freiherrn Philipp G.F. von Reck und Johann Martin Boltzius handeln.

Freiherr von Reck hatte die ersten Emigrantengruppe, die 1734 in Süd-Carolina ankam, als Reisekommissar begleitet. Der Prediger J. Martin Boltzius von den Franckeschen Anstalten in Halle betreute die Emigranten in der neuen Heimat.

Der Mann am Tisch sitzend dürfte der Bürgermeister von Ebenezer, Herr Treutlen, sein.

 

Auf Vermittlung des Senior an der St.-Anna-Kirche in Augsburg, Samuel Urlsperger, wurde vereinbart, daß er fünfzig Familien auswählen und auf Kosten der "Gesellschaft zur Verbreitung christlicher Erkenntnis" nach Rotterdam schicken solle. In England wurde bereits ein Betrag von 33.600 Pfund durch freiwillige Sammlungen aufgebracht und nach Regensburg übersandt. Von Rotterdam aus wollte die "Gesellschaft für die Errichtung der Kolonie Georgia" mit vom englischen Parlament bewilligten Mitteln und aus privaten Spenden für die Weiterreise nach Amerika sorgen. Nach der Ankunft in Georgia sollte jede Familie sofort unentgeltlich ausreichendes Siedlungsland in nächster Nähe der Stadt Savannah bekommen. Sie sollten auch das Bürgerrecht in Georgia erhalten mit allen Rechten und Privilegien der englischen Einwohner.

 

 

Senior an der St.-Anna-Kirche in Augsburg Samuel Urlsperger

Der Berchtesgadener Johann Adam Treutlen und weitere 41 Männer mit ihren Familien (insgesamt 78 Personen), versammelten sich am 21. Oktober 1733 morgens in der St.-Anna-Kirche in Augsburg.

 

Der junge Edelmann, Freiherrn Philipp Georg Friedrich von Reck, wurde als Reisekommissar von Urlsperger bestimmt. Aus den Franckeschen Anstalten in Halle hatte Urlsperger noch zwei Theologen erbeten, die bereit wären, mit den Auswanderern nach Georgia zu reisen und dort als Pfarrer und Lehrer bei ihnen zu bleiben. Diese beiden, Israel Christian Gronau und Johann Martin Boltzius, erwarteten die Amerika-Reisenden in Rotterdam.

 

Von Augsburg aus war Treutlen unter von Recks Führung zunächst nach Frankfurt am Main gezogen. Von dort aus ging die Reise zu Schiff auf dem Main und Rhein nach Rotterdam weiter, wo sie am 27. November glücklich eintrafen.

 

 

Kirche in Augsburg

 

Die Fahrt nach Dover gab den Reisenden einen ersten Eindruck von den Schwierigkeiten, die während der langen Seereise auf sie warteten. Das Wetter war denkbar ungünstig. Mühselig mußte das Segelschiff gegen den Sturm kreuzen. So kam es, daß die Überfahrt nach England ganze 19 Tage dauerte. Der freundliche Empfang, der ihnen nach der Ankunft in Dover bereitet wurde, ließ sie bald die Schrecken der Meeresfahrt vergessen. Mitglieder der Siedlungsgesellschaft hießen sie willkommen und bereiteten ihre Weiterreise umsichtig vor. Das Weihnachtsfest verbrachte Treutlen noch in Dover. Nach einer Abschiedspredigt, die ihnen Boltzius gehalten hatte, bestiegen sie am 28. Dezember 1733 die "Purisburg". Nicht immer blieb das Meer so ruhig, wie in den ersten Tagen. sie erlebten alles, was eine so weite Seefahrt den Reisenden in der damaligen Zeit abforderte.

 

67 Tage dauerte die Überfahrt. Dann legte das Segelschiff endlich in Charleston in Süd-Carolina an. General Oglethorpe hatte hier alles für die Auswanderer vorbereitet. Die Bevölkerung, die von nah und fern herbeigeeilt war, nahm sie mit großer Herzlichkeit auf. Nach fünf Tagen der Erholung brachte sie ein Flußboot den Savannah-River aufwärts. Schon am folgenden Tag, am Montag, dem 12. März 1734, kamen sie in Savannah, dem Ziel ihrer weiten Reise an. 143 Tage waren vergangen, seit sie von Augsburg abgereist waren.

 

Freiherr von Reck, der Reisekommissar der Auswanderer, hat ihren Empfang in Savannah in einem Bericht geschildert:

 

"Unsere Seeleute begrüßten Savannah mit einem Salut aus fünf Kanonen. Die Bürger erwiderten ihn mit drei Kanonenschüssen. Alle Beamten, Bürger und Indianer kamen zum Ufer geeilt. Die zwei Pfarrer, Mister Dunker, einige andere und ich selbst fuhren in einem Boot ans Land. Wir wurden mit allen erdenkbaren Beweisen der Freunde, Freundschaft und Höflichkeit empfangen. Die Indianer streckten ihre Hände nach mir aus, um damit ihre Freude über unsere Ankunft zu bezeugen. Die Auswanderer kamen nach uns ans Ufer. Wir errichteten für sie sofort ein Zelt auf dem Hauptplatz der Stadt. Boltzius ergänzt dies in seinem Tagebuch. Sie seien außer den Salutschüssen noch mit lautem Hurra begrüßt worden. Besonders hebt er hervor, daß auch schon ein Essen für sie alle vorbereitet war. In Savannah durften sich die Auswanderer zunächst gründlich erholen. Inzwischen hatte General Oglethorpe dem Freiherrn von Reck die Mitteilung gemacht, daß seine Schutzbefohlenen sich selbst einen Platz für ihre Ansiedlung wählen dürften. Oglethorpe selbst, ein hoher Beamter der Kolonie Süd-Carolina, von Reck, Pfarrer Gronau, der Arzt Dr. Twiffler, der die Auswanderer schon während der Seereise betreut hatte, Treutlen, Vertrauensmann der Auswanderer und einige Indianer, die das Gebiet besonders gut kannten, machten sich alsbald auf, einen günstigen Platz zu suchen.

 

 

Prediger J. Martin Boltzius

Franckeschen Anstalten in Halle

 

Die Kommission hatte kaum den Platz für die zu gründende Siedlung gewählt, erhielt auch schon jede Familie 25 Hektar Ackerland, einen Baugrund für die Gutsgebäude und Platz für einen großen Obst- und Gemüsegarten zugewiesen. Fünf Wochen lang hatten sich die Auswanderer in Savannah aufgehalten. Jetzt zogen sie mit ihren beiden Pfarrern an den Ort, der ihnen und ihren Kindern Heimat werden sollte. Nach einem Gottesdienst begannen sie zu bauen. "Ebenezer" (bis hierher hat der Herr geholfen) nannten sie ihre Siedlung in dankbarer Erinnerung daran, wie gnädig Gott sie aus der alten Heimat bis hierher geleitet hatte. Beim Bau der Häuser halfen sie sich gegenseitig.

 

Da es ihnen an Fuhrwerken fehlte, stellte ihnen die Provinzverwaltung Pferde und Wagen zur Verfügung. In überraschend kurzer Zeit war der Aufbau ihrer Siedlung beendet. Zugleich mit ihren Blockhäusern hatten sie in der Mitte der Ortschaft eine Kirche errichtet, neben der sie, wie in der alten Heimat, den Friedhof anlegten. Anfang 1735 brachte ein zweites Schiff "Prinz von Wales", 57 weitere Salzburger Emigranten, die im Herbst 1734 von England aus die Überfahrt angetreten hatten. Da sich unter ihnen eine größere Zahl Handwerker befand, bedeuteten sie einen wertvollen Zuwachs. Noch eine dritte Gruppe von Ansiedlern kam im folgenden Jahr nach Ebenezer, im ganzen 227 Personen, unter denen sich aber nur noch wenige Salzburger Emigranten befanden. Die meisten anderen kamen aus deutschen Städten und aus England.

 

Der Berchtesgadener Auswanderer Treutlen wurde Bürgermeister von Ebenezer. Später übernahm er auch das Amt des Richters. Damit war sein beruflicher Aufstieg jedoch noch nicht beendet, denn schließlich wurde er auch zum Abgeordneten gewählt. Im Jahre 1777 wurde Treutlein zum Gouverneur im Freiheitskampf gegen die Engländer erhoben. Der Freiheitskampf beendete aber plötzlich sein so erfolgreiches Leben, indem er in Gegenwart seiner Familie auf grausame Weise ermordet wurde. Sein Leichnam wurde auf dem Friedhof von Ebenezer beerdigt.

 

Im Jahre 1880 hat Dr. Prinzinger aus Salzburg auf einer Reise durch die amerikanischen Staaten diese Siedlung der Emigranten aufgesucht. Die Stadt Ebenezer war bereits verschwunden, durch Krankheit und Seuchen, durch Kämpfe mit den Eingeborenen und die Unabhängigkeitskriege war die einst blühende Siedlung vernichtet worden; Gras und Gestrüpp überwucherten die Reste von Gebäuden und die Ruhestätten der entschlummerten Landsleute. Der Reisende gelangte auch zu einer kleineren Niederlassung Springfeld mit etwa 30 hölzernen Häusern und einer kleinen Kirche. Er sprach dort mit Leuten, deren Großväter noch deutsch gesprochen hatten und fand einen alten Mann, der noch deutsch sprach und das Andachtsbuch des Dürrnberger Schaitberger als Familienkleinod in seinem Hause bewahrte.

 

 

Kirche in Ebenezer

Süd - Carolina

 

http://www.georgiasalzburgers.com/books.htm (Bücherecke)

 


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