Bamberger Kolonisation

der Posener Dörfer


 
 

Ansicht von Posen um 1710

 

Nach einer Überlieferung, noch vor 1708, soll ein Kaufmannsbediensteter aus Posen auf seiner Reise auch nach Bamberg gelangt sein, wo er einen Überschuß der dortigen Bevölkerung, besonders in den Bamberg umgebenden Dörfern, wahrgenommen haben soll. Als er nach Ende der Pest nach Posen zurückkehrte und von der Absicht des Magistrats erfuhr, einen um Siedler werbenden Appell nach Deutschland zu senden, teilte er dem Rat seine Reisebeobachtungen mit.

 

Er erklärte, daß es im Bamberger Bistum eine Fülle arbeitsamer, fleißiger, rechtschaffener Katholiken gebe, die bereit seien, nach Posen zu kommen. Da hätten dann die Posener Behörden nach Bamberg geschrieben mit der Bitte, für die dortige Umgebung eine diesbezügliche Bekanntmachung ergehen zu lassen.

 

Eine weitere Überlieferung schreibt das Heranführen der deutschen Siedler aus der Bamberger Gegend dem Posener Bischof Bartlomiej Tarlo bzw. dem Bischof Krzysztof Szembek zu. Einer von ihnen soll sich gleich nach dem Ende der Pest auf die Reise gemacht und als Gast u.a. bei dem Bamberger Bischof geweilt haben, wo er die blühende Landschaft und die dicht bevölkerten Dörfer bewunderte, die sich so sehr von den zerstörten Dörfern der Stadt Posen unterschieden. Der Bischof soll nach seiner Rückkehr aus Posen derjenige gewesen sein, der die Bamberger Gegend als geeignete Region empfohlen habe, aus der man Siedler gewinnen könne.

 

Beide Überlieferungen betrachtet man als in hohem Maße wahrscheinlich, umso mehr, als die Stadt Bekanntmachungen über zu vergebende Bauernplätze nach Deutschland ausfertigen ließ und ein solches Schreiben möglicherweise auf Empfehlung der beiden oben genannten Personen speziell für Bamberg abgefaßt wurde.

 

In den Jahren 1752 und 1753 wanderte eine große Anzahl der Hochstift-Bambergischen Untertanen aus den Ämtern Baunach, Lichtenfels, Scheßlitz, Hallstadt und d. Umgebung von Hollfeld nach Polen aus, um dort ein besseres Unterkommen zu finden. Die Siedler, die ihr Land verließen, schlossen zuvor keinerlei, auch keinen vorläufigen, Vertrag mit der Stadt.

 

Die Welle der deutschen Besiedlung der Posener städtischen Dörfer eröffneten die Kolonisten von Lubon. Dies waren 11 Ehepaare mit insgesamt 16 Söhnen und 18 Töchtern sowie 2 kinderlose Ehepaare, zusammen 60 Personen. Namen der Siedler waren u.a.:

 

 

Georg Seelmann

Nicolaus Gliem

Stephan Frankenberg

Andreas Heigelmann

Franz Hirsch

Johann Schmidt

Zacharias Stehberg

Johann Hinkelmann

Georg Blinsler

Peter Tietz

Andreas Bäsler

Michael Finzel

Georg Engler

 

Alle Ankömmlinge mußten einen Beweis ihrer Rechtgläubigkeit beibringen in Gestalt einer auf Pergament verfaßten Erklärung, daß sie rechte Katholiken seien und eine gute Aufnahme und Schutz verdienten.

Zur selben Zeit (um 1719) erfolgte die Ansiedlung von 29 Familien aus dem Bamberger Land im Dorf Debiec. Die Namen der in Debiec angesiedelten Bauern lauteten:

 

 

Andreas Hirsch

Peter Wagner

Johann Remlain

Kunegunde Fertsch

Johann Schmidt

Hans Georg Roth

Michael Hiller

Johann Beierlein

Caspar Risch

Adam Petz

Konrad Schneider

Elisabeth Fischer

Friedrich Schneider

 

Zur selben Zeit versuchte man Bamberger in Bonin anzusiedeln. 1728 erfolgte die Bezinsung des Dorfes Winiary, und im Zusammenhang damit wurde vermutlich an eine Parzellierung des Vorwerks in Bonin gedacht, was Möglichkeiten zur Schaffung eines neuen Bamberger Dorfes eröffnet hätte.

Ankömmlinge des Vorwerk Ratai waren:

 

 

Laurentius Ramelkamer

Nicolaus Schefhauer (Schiffauer oder Schäfer)

Christoph Drescher

Adalbert Pflaum

Andreas Koszychik

Nicolaus Beierlein

Adalbert Stepert

Adalbert Handschuh

Johann Jacob Heigelmann

Johann Fischer

Johann Schneider

Jacob Kosmali

Adalbert Bibon

 

Im Zusammenhang mit der Besiedlung von Wilda, dem größten und einstmals reichsten Dorf der Stadt Posen, in dem die meisten Bamberger wohnten, blieb leider kein mit den Siedlern geschlossener Vertrag erhalten. Möglicherweise erfolgte die deutsche Besiedlung Wildas zwischen 1745 und 1749; denn im 1745 abgeschlossenen Vertrag von Jezyce war die Rede von Bauern in Lubon, Debiec, Rataje und Zegrze, noch nicht aber von Wilda. Im städtischen Rechnungsbuch von 1749 waren hingegen die deutschen Bauern von Wilda schon erwähnt.

15 Familien aus Bamberg hatten sich in Wilda angesiedelt:

 

 

Schiffauer

Senlain

Sauer

Kek

Habrer

Pflaum

Habrer

Tyrauf

Graser

Pacz

Well

Blumreder

Haigelmann

Halich

Sentisch

David Koller

Anton Hayle

 

Nach Jezyce kamen um 1729 Familien aus Bamberg:

 

 

Pätz

Muth

Wagner

Remlein

Leitgeber

Hirsch

Wagner

Paul

Schneider

Pätz

Staude

Mager

Buschke

Gruse

Neremberg

Bergnauer

Tillmeier

Herbst

Filmut

Wult

Filmut

Teller

Streit

Schneider

 

Nebenbei sind auch die Dörfer Czapury und Wiorek zu erwähnen, die nicht der Stadt Posen gehörten, aber auch als Bamberger Dörfer bezeichnet wurden. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts wurden sie kolonisiert; im August 1747 wurde ein Vertrag zwischen ihnen und dem Karmeliterkloster zu Posen, dem Czapury gehörte, geschlossen. Die Siedlungsurkunde des Dorfes Wiorek, das der Posener Kirche zu Eigen war, trug das Datum 4.3.1754.

 


 

Bambergerin


 

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