Kultur der Bamberger

in Posen


Die andersartige Kultur der Bamberger war vielleicht nicht so vollkommen fremd im Gebiet um Posen; das gilt auch im Hinblick auf frühere Verbindungen zum Slawentum in Oberfranken.

 

Beide ethnische Gruppen, die Bamberger und die eingesessenen Bewohner der städtischen Dörfer Posens vermischten sich ziemlich schnell miteinander. Daher ist es heute ausgesprochen schwierig, die Kultur der einen von der der anderen Gruppe abzugrenzen. Während die Bamberger die polnische Kultur beeinflußten, übernahmen sie wiederum auch vieles von ihr. Was sie aus ihrer Heimat mitbrachten, betraf weniger die materielle Kultur, obwohl sie ihre neuen Häuser nach der bei ihnen herrschenden Sitte bauen konnten und ihre Tracht, hauptsächlich die der Frauen, eine sehr große Rolle spielte.

 


 

Person der Bamberger

aus der Sicht

der polnischen Bevölkerung

 

 

Die Gestalt der Frauen ist vielfach etwas untersetzt, und unter den Bambergerinnen zeigen sich hie und da auch gedrungene Typen. Schönheiten mit gleichmäßigen Gesichtszügen erblickt man nicht unter ihnen, obwohl ihre Haut weiß ist, erblüht aber auf den Wangen die Röte der Gesundheit; die heiteren Augen (wenngleich sie sich nicht durch übermäßigen Glanz auszeichnen) sind meist grau, manchmal braun, selten völlig schwarz.

Das gewöhnlich dunkle (aber nicht oft schwarze) Haar liegt bei den Männern frei, auf städtische Art gekämmt, während es bei den Frauen sorgfältig in Locken oder Zöpfe gebracht ist, und auch immer irgendwie von einer Kappe oder einer aufwendigen, aus vielen breiten Bändern zu großen Schleifen gebundenen Haube verborgen wird. Die Männer, bartlos, stutzen ihre Schnurrbärte, lassen sich oft auch Koteletten stehen.

Die Bamberger sind fleißig, geschäftig, höflich, nüchtern (besonders im Alltag), gleichwohl weniger gastfreundlich und zu fröhlichem Geplauder neigend als die in den von der Stadt Posen weiter entfernten Gebieten ansässige echte polnische Bevölkerung. Um die Stadt herum betreiben sie hauptsächlich Gartenbau und Viehzucht,und eine ansehnliche Zahl von ihnen hat es zu relativ großem Wohlstand gebracht.

 


Ernährung der Bamberger

 

In der Art der Ernährung existierten große Unterschiede zwischen den polnischen Dorfbewohnern und den Bambergern. Während die polnische Bevölkerung der Vorstadtdörfer sich eher bescheiden ernährte, indem sie vorwiegend Mehlsuppe, Klöße, Mehlklößchen, Kartoffeln mit Quark und Grütze zu sich nahm, führten die Bamberger ein feineres Leben: auf ihrem Tisch erschienen ziemlich oft Fleischgerichte, besonders Schweinefleisch. Milch, sogar Kaffee, wurden zum Frühstück serviert, und als Mahlzeit nach dem Mittagessen gab es die sog. Vesper. Backwaren, vorwiegend das sog. Posener Brötchen, wurden, wie Bier und Wodka, in der Stadt gekauft.

Die Bamberger tranken nicht viel Wodka; manche von ihnen, die zur Bruderschaft der Enthaltsamkeit gehörten, überhaupt nicht. Doch auch hier wird bisweilen der Branntwein durch Wurzeln, die eine gelbe oder rote Farbe verleihen oder Zusätze verschiedener Art, zu Wein aufbereitet, und als solcher wird er oft sogar den Eingeschworenen (also den Mitgliedern der Bruderschaft der Enthaltsamkeit) verkauft, welche, obwohl sie Enthaltsamkeit gelobt hatten, nicht immer die Absicht hatten, auch dem Weintrinken zu entsagen.

 

 

Bamberger

Bauwesen

 

 

Die Bamberger Dörfer seien sauber und adrett gewesen. Dem Besichtigenden fielen die Ordnung und Sauberkeit auf, die bei den Häusern und in ihrem Innern herrschten. Die Dörfer hatten die Form von Straßendörfern. Rataje zum Beispiel bildet ein großes homogenes Ganzes, weil die Häuser sich in einer geschlossenen Reihe die Straße entlangziehen.

In der Umgebung von Posen erhielt nur ein fast unter seinem Strohdach zusammenfallendes Gebäude den verächtlichen Namen einer elenden Hütte (chalupa). Jedes ländliche Wohngebäude heißt in der Umgangssprache der Leute ganz einfach "Haus".

Das Wohnhaus selbst stand in der Regel einzeln, getrennt von den seitlich und gegenüber befindlichen Wirtschaftsgebäuden. Eine Seite des viereckigen Hofes war unbebaut und zur Straße gewandt. Beinahe an jedem Haus war ein Garten. Die Wirtschaftsgebäude bestanden in der Regel aus Stallungen, Scheune, Schuppen, Pferde- und Schafstall; natürlich besaß nicht jeder Landwirt dies alles.

Die Kolonisten brachten neue Bautypen und neue Lösungen des Dachaufbaus mit. Baumaterial waren Holz, Zweiggeflecht und Lehm; die Dächer wurden meist mit Stroh gedeckt.

 

 

Glaube und kirchliche Feiern

 

 

Der katholische Glaube der Siedler prägte in hohem Maße ihr Verhalten und ihre Bräuche. Die Bamberger gingen regelmäßig zur Kirche, d.h. in ihre Pfarren oder zur Franziskanerkirche. Als sie die polnische Sprache anfangs noch nicht beherrschten, hielten sie in den Dörfern eigenen Gottesdienste ab. Ein des Lesens kundiger Mann las den Versammelten aus einem aus Bamberg mitgebrachten Andachtsbuch Gebete in der Muttersprache vor. Lange Zeit noch erhielt sich das gemeinsame Aufsagen von Gebeten und Singen von Liedern bei den Dorfwallfahrten, die in den besiedelten Dörfern hauptsächlich zu Ehren des Hl. Laurentius (Sw. Wawrzyn) und des Hl. Rochus, der Schutzpatrone gegen Brand und Pest, stattfanden. Zur Prozession des H. Rochus (16. bis 23. August) gingen die Dorfbewohner abends mit Laternen. Während der Oktav des Laurentiusfestes wurden Umzüge mit Gebeten und Gesängen gehalten. An diesem Feiertag des Schutzpatrons gegen Brand wurde keinerlei Feuer entzündet. Selbst das Essen für die Leute wurde am Vortag bereitet.

 

Bamberger Hochzeiten

 

 

Alle Frauen, die an der Hochzeit teilnahmen, vor allem die Braut, kleideten sich in ihre besten und wertvollsten Stücke. Kleider und Tücher waren größer, umfangreicher sowie reicher und schöner bestickt als z.B. bei der Sonntagskleidung. Den Kopf der Braut bedeckte das "Kornett", eine hohe Haube, reich geschmückt mit Gold, Flitter, farbigen Bändern und Blumen, hauptsächlich Rosmarinsträußchen, bunten Federn und dünnen Plättchen, die bei jeder Kopfbewegung raschelten.

 

Kunst

der Bamberger

 

 

 

Über die Kunst der Bamberger gibt es keine detaillierten Angaben; bekannt ist nur die Person von T. Gloger, eines Bamberger Bildhauers, von dem wir wissen, daß er 1856 eine Skulptur des Hl. Joseph und 1857 eine des Hl. Aegidius (Sw. Idzi) anfertigte. Der H. Aegidius steht bis heute in der gemauerten Kapelle von Winiary. Die Machart der Figuren zeugt von bedeutenden bildhauerischen Fähigkeiten ihres Schöpfers, gewisse technische Einzelheiten jedoch (vor allem die Art, in der Arme und Beine befestigt wurden) deuten daraufhin, daß Gloger kein gelernter Bildhauer war.

 


 

Mundart der Bamberger

 

Die Sprache verlor sehr schnell ihre Eigenheiten. Für Polen war die Sprache der Bamberger, besonders wenn diese schnell sprachen, völlig unverständlich. Die Mundart, derer sich die Bamberger bedienten, wurde in Posen "Bambergsch reden" (gadanie bamberskie) genannt.

 

 

Polonisierung der Bamberger Volksgruppe

 

Der große Zustrom der hauptsächlich aus der Gegend von Bamberg in Franken stammenden deutschen Siedler in die Dörfer bei Posen endete ungefähr 1750. Die Siedler konnten inmitten der im Laufe der Zeit immer zahlreicher werdenden polnischen Landbevölkerung und der städtischen polnischen Einflüsse ihre Eigenheiten nicht sehr lange bewahren.

In der Epoche Bismarcks traten die Bamberger gegen die preußische Germanisierungspolitik im Bereich des Schulwesens ein. Gerade Schule und Kirche spielten die größte Rolle im Prozeß der Polonisierung der Bamberger. Jedoch hatte mit Sicherheit auch das gewaltsame und rücksichtslose Vorgehen gegen die polnische Bevölkerung im preußischen Teilungsgebiet einen nicht vorgesehenen, recht bedeutsamen Einfluß auf diesen Prozeß und die Bildung eines Solidaritätsgefühls der Bamberger mit den Polen. Die bereits in der ländlichen polnischen Gemeinschaft aufgewachsenen Bamberger solidarisierten sich mit derselben im Widerstand gegen die Germanisierungsbestrebungen der preußischen Behörden.

 


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