Rechtsordnung,

soziale und wirtschaftliche Fragestellungen

in den kolonisierten Dörfern


 

Plan von Posen und Umgebung um 1820

 

Die Rechtsordnung der kolonisierten Dörfer wurde in den Lokationsdokumenten formuliert, die von den Stadtbehörden ausgegeben wurden.

Diese für die Dörfer Lubon, Debiec und Rataje bekannten Dokumente waren Sammelverträge und betrafen Gruppen von Menschen, obwohl es auch Einzelverträge gab.

In den Sammelverträgen wurde die rechtliche Organisation der Dörfer genau erörtert.

 


Kolonisierungsvertrag

 

Die Verträge enthielten eingangs eine allgemeine, gleichsam historische Übersicht der Gründe, die die Stadt zum Vermieten bewegt hatten:

 

- die Art dieser Vermietung (Verpachtung)

- die Namen der Siedler

- die Größe der ihnen zugestandenen Landwirtschaftsflächen

- Höhe und Art der Verpflichtungen für die Siedler

- Bestimmungen bezüglich der Rechtsprechung und der Verwaltung

- Höhe bestimmter Strafen für die Nichteinhaltung der vereinbarten Normen

 

Alle Verträge wurden nach dem Muster des ersten, des Luboner Vertrages, jedoch in kleinen Abänderungen, ebenso verfaßt.

 


Dorfschulze

 

Der Dorfschulze (Bürgermeister) wurde einmal im Jahr gewählt (zu St. Michael); danach mußte die Wahl noch durch die Schatzmeister bestätigt werden. Vor dem Steueramt legten die Schulzen den Eid ab.

 


Landverteilungen

 

Den neuen Siedlern wurde das Land gemäß einer Maßeinheit zugeteilt, die früher in manchen Dörfern benutzt worden war, des sog. 30-Morgen-Streifens (slad). Dieser Name wurde später durch die deutsche Bezeichnung "Hufe" (huba) ersetzt. Die einhufigen Landwirtschaften bildeten die Mehrheit; denn dies waren 65 % aller Zuteilungen. Außer dem zum Anbau vorgesehenen Boden bekamen die Siedler Wiesen und Weideplätze. Jeder erhielt soviel Wiesen, daß er 8 Fuhren Heu einbringen konnte.

Die Siedler erhielten nach ihrer Ankunft in den Posener Dörfern auch das nötige Korn für die Deckung des ersten Bedarfs - zum Brotbacken und für die erste Saat - sowie eine geringe Geldsumme. So bekamen die Luboner Kolonisten 96 Gulden, geliehen auf drei Jahre, bis 1722.

Die Stadt Posen verpflichtete sich auch zur Lieferung von Bauholz. In der Anfangszeit, bis zur "Einwirtschaftung", waren die Siedler von allen Gebühren und Zinsen befreit. Die Luboner Siedler hatten einen Aufschub ihrer Lasten für drei Jahre, manche von ihnen sogar für sechs Jahre; die Einwohner von Rataje und auch von Wilda und Bonin hingegen hatten, mit Rücksicht auf den guten Zustand ihrer Gebäude und die weniger als anderswo zerstörten Saaten, sämtliche Belastungen schon im auf die Ansiedlung folgenden Jahr abzutragen.

 

Zinspflicht

 

Außer Zins zahlten die Kolonisten Steuern an den Staat; denn die Posener Dörfer waren aus Sicht des staatlichen Steuerrechts den Gütern der Krone und denen der Geistlichkeit gleichgestellt. Als staatliche Steuer kamen Hiberna und Kopfgeld in Betracht. Die Hiberna war eine Bodensteuer, die Leute ohne Land nicht zahlten; sie betrug durchschnittlich 7 Zloty pro Hufe. Zur Aufbringung hatten die Lubaner Leute in Summa 100 polnische Gulden zwei Wochen vor Martini an die Kämmerer zu entrichten. Das Kopfgeld war nicht in allen Dörfern gleich. Es wurde nur für erwachsene Personen gezahlt. Jeder Bauer mußte einmal pro Halbjahr für sich und seine Frau 2 Gulden zahlen, für einen Knecht 1 1/2 Gulden.

 

Hand- und Spanndienste

 

Kleinere Arbeiten zugunsten der Stadt Posen wurden nach Hufen bemessen; insgesamt kamen sechs Tage im Jahr zusammen. Drei Tage waren für die Reinigung der Stadt bestimmt, für die Beseitigung des Schmutzes, zwei Tage für die Mahd der städtischen Wiesen und ein Tag für nicht vorhersehbare städtische Arbeiten.

Die Einwohner der Dörfer waren auch zu Pfingsten und Fronleichnam zur Lieferung von Grün an die Pfarrkirche und zur Abgabe von Naturalien an die Stadt Posen verpflichtet: z.B. von ein paar Gänsen zu Weihnachten oder 2 Schock Eiern zu Ostern.

 


 

Dank der deutschen Besiedlung und der durchgeführten Reformen begannen die städtischen Dörfer Posens an Bedeutung zu gewinnen.

Die Bevölkerungszahl stieg, die Ackerflächen vergrößerten sich, und es begann ein Abschnitt der sozialen und wirtschaftlichen Stabilisierung, der von zunehmenden Wohlstand der Dorfbewohner begleitet wurde.

 


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