" ...; Nun aber beede Herrschaften von denen letzteren Hungarischen Unruh- und Kriegs-Zeiten zum grossen Theil und an denen fruchtbaristen Landereyen so an Felderen als Wein-Gebürgen ohngebaut erliegen geblieben /

jedoch von so stattlichen Grund und Boden seynd /

daß ein guter fleißiger Acker- und Wein-bau-verständiger Ansaß und Unterthan seine reichliche Nahrung und Aufkommen daselbsten finden und gewinnen kan /

Wir auch zu dem Ende entschlossen haben /

biß 50. Familien /

die den Feld- und Ackerbau verstehen /

dann 10. Familien des Wein-Bau wohlkündige Häcker sambt 4. Zimmerleuthen /

die zugleich den Mühl- und Brücken-Bau verstehen /

ingleichen 4 den Wasser-, Mahl- und Schneid-Mühl-Bau verständige Müller /

vier Maurer /

2. Schmied /

2. Schlosser /

2. Wagner /

2. Schuhmacher /

einen guten Brod-Becker /

2 Kieffer oder Büttner /

einen Tischler /

einen Schneider /

2. Roth und Weiß-Gärber /

einen Häffner /

einen Glaser /

und endlich einen guten Baader oder Cirurgen, deme man aus der Herrschaft jährlich auch pro Salario sambt Platz zum Hauß-Bau /

hierzu das Holtz /

auch zu Feld und Wiesen anbauen Grund und Boden anweisen wird /

diesem nebst 3. Gute Forst-Knechte /

so die Waldungen und Wild-Bahn verstehen /

denen jährlich ihre Besoldung und genugsamer Grund zu Acker und Wiesen sambt freyer Wohnung verabreiget und assignieret /

anbey denenselben sowohl für roth als schwartz Wildpreth /

als auch für Lux /

Behren /

Wölff /

Füchs /

Marder und Wild-Katzen /

das übliche Schuß-Geld gegen Liefferung des Beltz-Wercks verabfolget sollen /

aus Teuschtland nacher Ober-Ungarn in obgedachten Unseren beeden Herrschaften Munkacs und Szent Miklos an und häußlichen niederzusetzen entschlossen /

worinnen Wir Unsere Hochstifts Unterthanen /

welche allenfalls dahin zu gehen Lust bezeigen /

den Vorzug /

und zwar mit folgender Bedingnuß und gnädigster Zusag wollen gestatten haben.

 

Erstlich wird ein solcher Unterthan oder Handwercks-Mann /

so nebst seiner Familie sich auf Unseren beeden Herrschaften ansäßig zu machen in Willens ist /

für einen gantzen Hoff versprochen zu seiner Behauptung /

Hoff und Scheuer ein Platz von 120. Schuhe breit /

und 180. Schuhe lang;

 

dann 2tens wenigstens 30. Morgen Acker oder Feld /

jeder Morgen a 180. Schuhe breith /

und 180. Schuhe lang.

 

3tens 6. Tagwerck Wiesen a 200. Schuhe lang und 20.. Schuhe breith.

 

4tens für sein haltendes Viehe freye Wayd und zwar umbsonst dergestalten /

als wann er alles umbs baara Geld erkauft hätte /

wegen dieses ihme ohnentgeltlich überlassenden Hauß-Platz /

Acker /

Wiesen /

und freyen Wayd wird dem gantze /

halben und viertel Hoff-Baueren nach Proportion seiner Mittel und Vermügen /

daß er sich zu einem gantzen /

halben oder viertel Hoff /

Vieh und Geschirr anschaffen kan /

ein gleichmäßiger Distrikt an Grund und Boden angewiesen werden.

 

5tens solle demselben an Bau-Holtz /

so viel er vonnöthen /

ohnentgeltlich und umbsonst.

 

6tens einem jeden a Proportion eines gantzen /

halben oder viertel Hoffs auf nächstkünftigen Winter ein gewisses zu seiner Verbrüdung an Korn /

und das nöthige Brenn-Holtz aus Gnaden ertheilet werden.

 

7tens das Aiche-Recht auf solchen Waldungen der Herrschafft jederzeit vorbehalten

so viel.

 

8tens die Wasser Transport Unkösten von Regensburg bis nacher Offen auf der Donau betrifft; solle jeder dahin reisender Familie 1 fl. von Herrschaffts wegen beygetragen /

im übrigen aber wird man dahin gnädigst besorgt seyn /

damit sie für ihre bey sich habende Mobilien und Haußgereitschaften allenthalben Zoll, Mauth und Aufschlag und derley Aufschlagen frey und ungehindert passiert werden.

 

9ten werden sothane Familien Catholisch seyn /

wie sie dann auch mit einem Catholischen Seelsorger sowohl zu Munkacs als Beregszaz versehen seyn werden /

diesemnebst.

 

10stens sonderlich erfordert wird /

daß /

weilen jede Familie sich mit nöthigen Viehe /

Wagen und anderer zum Feld-Bau nöthiger Gereitschafft verder ist zu versehen hat /

selbige dahin bedacht seyn /

hierzu wenigstens 100. fl. in Vermögen mit dahin zu bringen /

damit aber

 

11stens ein solcher dahin ziehender Unterthan wissen möge /

was derselbe an Uns jährlich zu praestieren habe /

wird ein jeder gantzer Bauer oder gantzen Hoff besitzender Unterthan das Jahr hindurch mit 4. Ochsen oder 4. Pferden alle Woche einen Tag zu robathen oder frohnen /

und über das gewöhnliche Lands-Contributionale das gewühnliche leidentliche Robath und Zinß-Geld der Herrschaft das Jahr hindurch zu zahlen verbunden seyn nach dieser Proportion der halbe Hoff- oder Halb-Bauer die Hälfte- dann der viertel Bauer den vierten Theil obiger prarstationen an die Herrschafdt zu entrichten haben /

und es in der Herrschaftlichen Willkuhr bestehen wird

an statt einer Robath mit Viehe zwey zu Fuß anzunehmen.

 

12tens auf 6. Jahr lang sollen die dahin sich ansäßig machenden teutsche Familien von aller Steuer und so genannter Contribution befreyt bleiben /

von denen andern Herrswchatlichen Praestationen als Robath in natura - dann Robath- und Zinß-Geldern /

gewöhnlich tod und lebendigen Zehend aber auf 3. Jahr lang exempt und frei gelassen werden.

 

13tens denen Häckers- und Weingarts-Leuthen /

wird man so viel öde Wein-Garten /

als jeder sich anzubauen getrauet und nöthig hat /

einahmen /

und hiervon die Steuer und Contribution-Freyheit auf 6. Jahr /

die Zehend-Freyheit auf 8. Jahr /

auch jedem einen viertel Hoff /

wie oben gedacht /

an Feld-Bau /

Wiesen und Wayd einraumen /

und allen teutschen Familien den Herrschaftlichen Schutz neben denen versprochenen Frey-Jahren vorzüglich angedeyhen lassen /

auch denen Handwerks-Leuthen eben so viel an Grund-Stücken zu gantzen /

halben oder viertels Güthern oder Höffen anweisen /

im übrigen aber denenselben die freye Handwerks-Treibung gestatten /

einfolglich all diesen aus Franken sich auf Unsere Herrschaft Munkacs und Szt Miklos niederlassenden Familien zu ihrem guten Aufnahm alles Förderliche geniesen lassen /

worauf dieselbe sicher bauen und vollkommen vertrauen können;

 

Schließlich

14tens haben sich diejenige /

welche aus Uneren Hochstiftern sich abgedachter massen auf Unseren beeden Herrschaften in Ober-Ungarn nieder zu lassen gemeinet seynd /

zu Bamberg bey Unerem Hoff-Cammer-RAth Diezk, zu Würzburg aber bey Unserem Hoff-Kriegs und Cammer-Rat Hartmann anzumelden /

allwo sie die Zeit Ihrer Abreyß /

und wann sie sich zu Regensburg entlich einzufinden /

und wie sie sich sonsten zu verhalten haben /

die nöthige Auskunft erhalten; Urkund dessen haben Wir gegenwärtiges Unser Patent eingenhändig unterschrieben /

und Unser größeres Insigel mit schlagen lassen.

 

So geschehen Wien den 22. Aprilis 1730.

C.B. zu B. u. W.

HuF

 


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