Auswanderung


Im Sommer des Jahres 1730 meldeten sich die ersten Interessierten, um nach Oberungarn auszuwandern; bis Ende desselben Jahres waren es 199 Personen, die sich in der Schönborn'schen Munkács-Szt, Milós Domäne niederließen. In den Jahren 1731, 1732 und 1733 meldeten sich bei den Ämtern solche Bewohner Frankens, die gruppenweise auszuwandern wünschten; später kamen nur noch Einzelpersonen.

 

Im Jahre 1736 verkündete Kommissar Vogler von der kaiserlichen Hofkammer ein Patent, das darauf zielte, Bauern und Handwerker nach Niederungarn anzuwerben. Diese Aktion förderte die Auswanderung aus Franken. Im Jahre 1746 entschieden sich nicht nur Leute in wirtschaftlich schlechter Lage, sondern auch bemittelte Bauern und Handwerker zur Auswanderung. Als am 25. Juli 1746 im Alter von 72 Jahren der Fürstbischof Friedrich Karl von Schönborn starb, verebbte die organisierte Aussiedlungswelle von Franken in die oberungarische Domäne, bis sie 1748 fast ganz aufhörte.

 


 

Unter den fränkischen Aussiedlern befanden sich Bauern, Bäcker, Büttner, Flößer, Häcker, Jäger, Metzger, Schmiede, Schreiner, Schuster, Zimmerleute, Gesellen und Knechte, die ein Vermögen von 100 bis 700 Florenen (Kürzel: fl. = Gulden), sowie Hausgeräte bis zu fünf Zentner und bewegliche Güter mitnahmen. Zu den Hauptmotiven, die die ersten Franken zum Auswandern nach Ungarn trieb, zählten Arbeits- und Landlosigkeit. Sie erhofften sich am Ansiedlungsort bessere Lebensbedingungen. Um die für die neue Ansässigkeit benötigte Minimalsumme von 100 fl. zu beschaffen, verkauften die Leute in Franken ihr Hab und Gut, manche liehen bei ihren Verwandten Geld; andere dagegen nahmen zusätzliche Gelder mit, um am neuen Ort eine bessere Wirtschaft aufbauen zu können.

 

Noch im Jahr 1740 entschied Graf Friedrich Karl von Schönborn, nach seinem Tod die Munkács-Szt. Milós Domäne seinem Neffen Erwin Eugen von Schönborn, dem Sohn von Anselm Franz von Schönborn zu übereignen. Da jedoch nach Friedrich Karls Tod Erwin Eugen noch minderjährig und sein Vater im Türkenkrieg gefallen war, übernahm seine Mutter, Gräfin Maria Theresia Montfort, die Vormundschaft. Im Jahre 1748 erteilte sie ein Ansiedlungspatent. Daraufhin kamen im Jahre 1750 aus Würzburg 27 Familien in der Domäne an und siedelten sich in Pausching und Beregszasz an.


Eine Aufzeichnungsliste gibt uns die Herkunftsorte der Aussiedler an:

Aussiedlerliste

Insgesamt kann die Zahl der in der Schönbornschen Herrschaft Oberungarns im 18. Jh.- legal eingewanderten Kolonisten auf ca. 700 Personen geschätzt werden. Fast die Hälfte ließ sich in den Marktflecken Munkács und Bereszász nieder, die übrigen wurden in die Ortschaften Ober-, Unter-Schönborn, Deutsch Kutschowa, Pausching, Birkendorf (Berezynka), Mädchendorf, Kedereske (uk. Kenderesovo), Kustanfalv (uk. Kustanovyca) und Klucsarka (uk. Klucarky) eingewiesen.

 


Die mainfränkischen Auswanderer brauchten je nach Witterungsbedingungen fünf bis sechs Wochen, um von Franken bis in die Schönbornschen Herrschaften im Komitat Beregh zu gelangen. Die meisten Auswanderer sammelten sich zuerst auf dem Stadt- und Marktplatz vor dem Rathaus in Schlüsselfeld, aber auch in Würzburg oder Nürnberg, um weiter mit Planwagen nach Regensburg zu fahren, von wo aus sie auf Flößen oder Schiffen die Donaufahrt bis Wien antraten.

 

In Wien meldeten sie sich bei der Schönbornschen Verwaltung, wo jeder Aussiedler einen Gulden Reisegeld bekam. Hier wurden auch die Pässe und andere Papiere kontrolliert, die die Reisenden in ihren Kreisämtern bzw. in Würzburg oder Bamberg erhalten hatten.

 

Von Wien fuhren sie weiter die Donau abwärts bis Ofen oder Pest, wo sie Vertreter der Dominionsverwaltung aus Munkácz und Beregzász erwarteten. Von Pest fuhren die Kolonisten wieder mit gemieteten Fuhrwerken über Kaschau (Kosice) und Ungvár (Uzhorod) nach Munkács, oder durch Tokay und Námény nach Beregszász.

 

Nachdem die Kolonisten in Munkács von der Schönbornschen Verwaltung empfangen und in Ortschaften angesiedelt wurden, die von der ehemaligen ruthenischen und ungarischen Bevölkerung fast völlig verlassen worden waren, formierten sich allmählich reine mainfränkische Dörfer. Zu den ersten zwei Orten gehörten Ober- und Unter-Schönborn. Dort wurden nach den ersten Ansiedlern 1732 je 23 fränkische Familien hinzu angesiedelt. In Birkendorf (auch unter Beresinka bekannt) kamen drei Familien dazu, in Pausching, wo schon 1748 und 1749 Deutsche siedelten, ließen sich 1755 noch 21 Familien nieder, Deutsch Kutschowa bekam zusätzlich 15 Familien angewiesen.

 

 

Fränkische Ansiedlung

 

Mainfränkische Bauern wurden auch in Gorond (uk. Goronda), Fogarás (uk. Zubivka), Klucsarka und Kroatendorf angesiedelt. Jedoch nach ihrer Beschwerde und Bitte an Gräfin Maria Theresia Montfort durften sie nach Pausching umziehen, wodurch sich der Ort zu einem großen fränkischen Dorf entwickelte; die Pauschinger nannten ihr Dorf zu Ehren ihrer Herrin Montfortsorge um. Nachfolgend kamen nur noch einzelne fränkische Ansiedler in diese Dörfer: aus der Gegend um Würzburg kamen 28 und aus dem Bamberger Umland 21 Familien. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts dürften schätzungsweise in den Schönbornschen Domäne unter Berücksichtigung des natürlichen Zuwachses und des durch die Pestjahre verursachten Verluste etwa 1500 Frankendeutsche gelebt haben.

 

 


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