Leben in der neuen Heimat


Nach den ersten Jahren der Enttäuschung und Verwirrung fanden sie sich allmählich in der neuen Umgebung zurecht.

Nach dem Ablauf der Fries von sechs bis 10 Jahren, mussten die Kolonisten die gleiche Lasten an die Herrschaften entrichten, wie die übrigen Untertanen. Was die Wirtschaften anbelangt, so blieben manche Vorschriften auch für die Nachkommen der Kolonisten gültig. So sollte beispielsweise das Typenhaus des Deutschen in der Schönbornschen Domäne etwa 22 m lang und 12 m breit sein. Wie es in Deutschland des 18. Jh.. üblich war, mussten die Viehstallungen am Wohnhaus angebaut werden, damit der Hauswirt auch in der Nacht bequem zu seinem Vieh gehen könne. Erwünscht war, dass die Wände aus Ziegeln gemauert und das Dach mit Schindeln gedeckt werde.

Im Laufe der Jahrzehnte änderten sich Gestalt und Aussehen der deutschen Dörfer. Zunächst entstanden provisorische Holzgebäude der römisch-katholischen Kirche, an deren Stelle später meistens aus Steinmaterial gemauerte Gotteshäuser errichtet werden. Jedes Dorf verfügte auch über einen Dorfrat, dessen Vorsitzender die nötigsten Formalitäten (auch die des Dorfrichters) erledigte. Es gab Geschäfte für den Verkauf von Alltagswaren, um den Dorfbewohnern den Gang in die Stadt zu ersparen. Jedes Dorf hatte seinen Schmied, Schreiner, Schuhmacher, Tischler, Wagner, Böttcher. Die Gemeinden organisierten für ihre Kinder Schulunterricht und wählten dafür aus der Gemeinde den Schulmeister. An der Wende des 19. zum 20. Jh. waren die fränkischen Dörfer vollwertige, zwar nicht gleichmäßig entwickelte, aber dennoch wirtschaftlich eigenständige Dörfer.

Gesucht und geschätzt war die handwerkliche Meisterschaft der Plankendörfler; berühmt waren die Wein- und Gemüsegärten. Reiche Gemeinden bildeten die Nachkommen der mainfränkischen Kolonisten, welche für die einheimische Bevölkerung als Vorbild einer gegenwärtigen landwirtschaftlichen Lebensweise dienen könnte und für manche Ruthenen und Ungarn auch diente.

Die fränkischen Wald- und Forstarbeiter galten als ausgesuchte Fachleute. Deshalb wurden sie von den Waldverwaltungen dorthin geschickt, wo eben neue Holzschläge begonnen wurden und die Beförderung durch Flößerei aktuell wurde.


 

Firmenschild der Brauerei

 

Schönbornschen Bierbrauerei in Muka´cevo/Podhering im Jahre 1928

 

Nachdem das gräfliche Haus Schönborn die Munkács-Szt. Milós Domäne übernommen hatte und Munkács zu deren Hauptstadt und zum Sitz des Verwaltungsamtes wurde, kamen mit den ersten mainfränkischen Kolonisten auch Fach- und Geschäftsleute, die sich in der Stadt niederließen. Die Industrie und der Handel sowie der überwiegende Teil des Wirtschaftsbetriebs wurde von Franken geführt. Schon 1734 besaß Georg Rösch das Wirtshaus zum Hirsch, danach übernahm der Fleischhacker Georg Heygerth die Führung des Hauses; Johann Hungreder führte 1751 die Fleischbank. Im gleichen Jahr bekam Johann Adam Dürr das Privileg, den Handel mit Eisenwaren auszuüben. Im Jahre 1758 übernahm Josef Bergmann die Schönborn'sche Branntweinbrennerei; Hans Hoffmann übte das Bäckerwerk aus und Johann Pfaff war Fleischhacker an der Garnison. Diese und andere Handwerker besaßen eigene Wahrzeichen ihrer Gewerbe.

Der Montag wurde als Klagtag erklärt. An diesem Tag herrschte reges Treiben, weil viele Menschen aus der Stadt und ihrer Umgebung herkamen, um ihre Wünsche und Beschwerden den Behörden vorzutragen bzw. ihre Einkäufe oder Verkäufe zu erledigen. Dieser Tag blieb für lange Jahre als Markttag, an dem landwirtschaftliche Produkte auf den Markt gebracht und die notwendigen Einkäufe besorgt wurden.


Für die Erzeugung von eigenem Bier wurde der Hopfenanbau und d die Bierbrauerei von Friedrich Karl Schönborn in Podhering noch im Jahre 1728 begonnen. Die Brauerei entwickelte sich bis Ende des 19. Jh. zu einem großen Betrieb.

Im Jahre 1885 besaßen auf der Budapester Landesaustellung die "Erwin Graf Schönborn-Buchheimschen Herrschaften Munkács Szt. Milós" einen eigenen Pavillon, in dem die Erzeugnisse der wirtschaftlichen Tätigkeit ausgestellt wurden. Es handelte sich um Produkte und Erzeugnisse der Landwirtschaft und deren Verarbeitungsbetrieben, des Weinbaus, der Tierzucht, des Forst- und Jagdwesens und der Industrie für Holzbearbeitung, des Bergbaus und Hüttenwesens, der Chemieindustrie, des Sanitätswesens, der Ziegeleien, Molkereien, Glashütten, der Hausindustrie usw. Verwiesen wurde auf die Mineralwasserproduktion und auf den Ausbau von Heilbädern.

 

 

Schönborn-Schloss in Muacevo

 

Schönborn'sche Schwefelbad in Sinjak

Das katholische königliche Gymnasium von Munkatsch verdankte seine Entstehung ebenfalls der Grafschaft Schönborn. Da in der Domäne viele Heilwasserquellen vorhanden waren, so in Schwalbach, Poljana, Olen'ovo, Luhi, wurden Anlagen geschaffen, in denen das Wasser in Flaschen verkorkt und für den Verkauf abgeliefert wurde. In Blaubad (Sinjak) wurde 1834 ein Schwefelbad errichtet, welches 1837 schon mehrere Unterkünfte für Gäste bereitstellte. Gegen Ende des 19. Jh.. kamen auf Empfehlung der Grafschaft Gäste aus verschiedenen Ländern in das Schwefelbad. Das Sanatorium Sinjak erlangte europäischen Ruf.

In den Jahren 1890 bis 1895 wurde unweit von Szent Mikós (Cynadijevo) in einer malerischen Gegend des Latorica-Tals das Jagdschloss der Grafen Schönborn-Buchheim gebaut, von wo aus die gräflichen Gäste auf die Jagd in die umgebenden Wälder gingen. Heute befindet sich im Jagdschloss ein Sanatorium für Herzkranke. Das Jagdschloss Schönborn zählt zu einem der schönsten Bauten von Transkarpatien.


Für den Bau der Eisenbahnstrecke Munkács - Beskid bildete sich 1872 das Konsortium Borlovsky-Chornitzer-Schönborn. Die Schwellen und den Schotter konnte Graf Schönborn auf seiner Domäne gewinnen und liefern, was für viele Menschen insbesondere für die fränkischen Holzhacker, zusätzliche Arbeit bedeutete.


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