Die Gestalt des Bamberger Reiters

Das Pferd als Träger von neuer Technik

(Hefte zur Bayerischen Geschichte und Kultur, Band 36, Haus der Bayerischen Geschichte)


 

Die Gestalt des Bamberger Reiters galt durch Jahrhunderte als namenlose Idealverkörperung des hochmittelalterlichen Rittertums.

Nach heutigem Forschungsstand ist aber eine Darstellung des hl. Stephan, König von Ungarn, wahrscheinlich.


Für die Geschichte  der Lebensgemeinschaft Mensch - Pferd bietet die Statue eine Besonderheit:

Es ist die erste exakt überlieferte Darstellung des Hufbeschlags und des Hufeisens, die in Europa bekannt ist.

Schon  bei Betrachtung der Pferdehufe mit bloßem Auge wird deutlich, dass ein guter und sicherer Beschlag wiedergegeben ist, und dass zu der Zeit, zu der die Figur entstanden ist, sämtliche Informationen über die Anatomie und Physiologie des Pferdehufs und den anatomisch korrekten Beschlag bekannt gewesen sein müssen.

Die Pferdehufe des Bamberger Reiters bieten auch material- und technikgeschichtliche Informationen. Die Darstellung macht präzise deutlich, dass das Pferd des Bamberger Reiters mit Hufeisen versehen ist, in die Stollen eingepasst sind. Stollen in Hufeisen können nur eingeschraubt werden, es müssen also entsprechende Werkzeuge und deren Anwendung bekannt gewesen sein. Außerdem benötigen Stollen im Hufeisen eine besondere Materialhärte. Die damalige Materialtechnik, besonders die Härtungstechnik, muss in der Lage gewesen sein, diese Anforderungen zu erfüllen.


 

zurück