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Geschichtliche Epochen

VI.

Die hochmittelalterliche Ausbau- und Rodezeit

(um 1000 - 1300 n.Chr.)

 

 

Von 1000 bis 1300 war die größte Rodungsbewegung. Träger der planmäßigen Siedlungspolitik waren die geistlichen Herren (in Franken die Bistümer Würzburg und Bamberg) und die weltlichen Herren (Grafen von Henneberg, Grafen von Rieneck, von Wertheim, von Oettingen, Castell, Hohenlohe, Schenken von Limpurg und die freie Reichsritterschaft.

Im Zuge des Landausbaus wurden die Siedlungen nicht nur in den Tallagen angelegt, sondern nun auch in höheren Lagen (Frankenwald, Fichtelgebirge). Ortsnamen mit der Endung "reuth" oder "struet" weisen auf diese Spätsiedlungen hin. Die Siedlungen erfolgten nach dem Muster der Ostkolonisation. Die Rodung wurde jeweils von einigen adligen bzw. klösterlichen Grundherren in die Wege geleitet. Es war die Zeit, als neuer Siedlungsraum gebraucht wurde und die Grundherren neue Einkommensquellen suchten. So entstanden Plansiedlungen wie die Bergdörfer um Pappenheim. Dort fungierte um 1240/45 als Gründer Marschall Heinrich von Pappenheim. Die Besiedlung des Spessarts wurde vornehmlich von Mainz aus betrieben. Es entstanden in den Tälern langgestreckte Dörfer. Träger des Landausbaus im Steigerwald waren die Grafen Castell. Das Vorland der Rhön besiedelten das Bistum Würzburg und eine Reihe ortsansässiger Herren (Grafen von Henneberg, Rieneck).

Siedlungsträger waren auch Klöster wie Ebrach 1127 oder Heilsbronn 1131. Die Grafen von Schweinfurt bedienten sich bei der Besiedlung auch slawischer Siedler. Rodungsherren waren unter anderem auch die Walpoten, die Markgrafen von Andechs-Meranien und die Mattonen im Steigerwald.

Das heutige Sechsämterland im östlichen Fichtelgebirge besiedelten die aus dem historischen bayerischen Nordgau in das Egergebiet drängenden Altbayern. Noch heute sind deutlich die Dialektunterschiede zu den fränkischen Kolonisten zu hören.

Im Hochmittelalter, also etwa im 12./13. Jahrhundert, fand der Landausbau einen gewissen Abschluß. Die heutige Bodennutzung mit einem Drittel Wald und zwei Dritteln Feldern war zu diesem Zeitpunkt im wesentlichen erreicht. Es entstanden geschlossene Dörfer, die mit Gräben und Zaun, dem Etter, umgeben waren. Rings um die Wohnsiedlungen wurden Feldmarkungen mit festen abgesteckten Grenzen angelegt.

Der Landesherr, der niedere Adel und die Kirche waren die Besitzer von Grund und Boden. Sie bestimmten als "Grundherrschaft" über die Wirtschaftsform. Die ehemals herzogs- und königsfreien Leute waren zu Grundholden geworden, erhielten grundherrliches Land als Lehen und mußten dafür Abgaben und Frondienste leisten. Sie waren somit Leibeigene und konnten das Land nur mit Einverständnis der Herrschaft weitergeben.

Die Frühform des Dorfes war eine lockere Gehöftgruppe, vielleicht ein Einzelhof, der von wenigen, in Streifen oder Blöcke gegliederten Getreidefeldern und einigen Weiden umgeben war. Um diesen schmalen Gürtel des schon bewirtschafteten Landes legten sich die Weiden und Wälder, die dem Vieh noch als Außenweide, den Menschen als Jagd- und Holzrevier dienten und allmählich in die noch unberührten Kernwälder übergingen. In der Zeit des 12. und 13. Jahrhunderts entwickelten sich die beruflichen Stände. Der Bauernstand und die Agrarwirtschaft nahmen ihren Aufschwung.

 

Hinweise und Informationen:

- Plansiedlungen der Bergdörfer um Pappenheim (Osterdorf-Göhren)

- Angerdörfer mit Gewannflur

- Waldhufendörfer - zum Beispiel Effelter, ein Angerdorf mit Waldhufenflur

- Die Freimarkung "Osing" (Herbolsheim, Krautostheim, Humprechtsau, Rüdisbronn in Mittelfranken). Die Landverteilung durch Los aus dem 14. Jahrhundert erfolgt dort auch heute noch alle zehn Jahre.

 

Fränkische Museenlandschaft

 


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