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Geschichtliche Epochen

X.

Franken wird bayerisch -

Vom Untertan zum freien Bauern

(um 1806 - 1815 n.Chr.)

 

 

In den Jahren 1806 bis 1815 kam Franken nach und nach zu Bayern. Bis dahin war das Land durch seine territoriale Vielfalt mit einer weitgehenden Zersplitterung und Überlagerung bis hinab auf einzelne Orte gekennzeichnet gewesen. Nicht selten hatten in einem Ort mehrere Herren "das Sagen". Dorfordnungen der Herrschaften gestalteten und reglementierten das Leben im Dorf durch Pflichten und Rechte der Bewohner. Es entwickelte sich ein ausgeprägtes Gemeinwesen in den Dörfern mit "Amtspersonen", die das Zusammenleben regelten. Die Kontrolle der Gemarkungsgrenzen war Aufgabe der Siebener (Feldgeschworenen).

Bei der Entwicklung eines Dorfes waren letztlich auch die herrschenden Erbgewohnheiten von großer Bedeutung. Sie folgten entweder regionalen Traditionen oder wurden von den Grundherren vorgeschrieben (Anerbenrecht oder Realteilung). Mit der Realteilung nahmen die Hofstellen ständig zu, und der Besitz wurde zersplittert (Beispiel: Der Ort Oberndorf im Spessart, gerodet von den Grafen von Rieneck im 13. Jahrhundert, hatte 17 Breitstreifengüter. 1843 waren die 17 Urgüter in 364 einzelne Parzellen zerfallen).

Noch um 1790 gehörten von 100 Höfen 50 den Kirchen beziehungsweise den Klöstern, 25 dem Adel, 20 den Landesfürsten, und nur fünf waren im Besitz der Bauern. Die Bauern brachten rund 75 Prozent der Staatseinnahmen auf, vielfach waren sie allein steuerpflichtig.

Einschneidende Veränderungen zugunsten der Bauern brachten die napoleonische Ära und die Kriege dieser Zeit. Die Säkularisation der Klöster 1802/03 führte zu einer gerechteren Landverteilung. Schließlich kamen ab 1806 die ansbachischen, ab 1810 die bayreuthischen Teile der ehemaligen Markgrafschaft Ansbach-Bayreuth an Bayern, das dadurch in den Status eines Königreiches erhoben wurde.

1799 trat der letzte bayerische Kurfürst, Max IV. Josef (ab 1806 erster König Bayerns), beraten von "Staatsbaumeister" Graf Montgelas, die Regierung an. Sein Reformprogramm zur Schaffung einer einheitlichen Verwaltung verbesserte auch die Lage der Bauern. Montgelas leitete die Bauernbefreiung ein, Frondienste und Leibeigenschaft wurden abgeschafft. Selbständige Bauern sollten die Landwirtschaft intensivieren und damit den Staat insgesamt stärken. Mit der Einführung der allgemeinen Schulpflicht war der Weg geebnet für den Aufbau des fachlichen Bildungswesens der Landwirtschaft.

Die gewährte Vereinsfreiheit ermöglichte die Gründung des landwirtschaftlichen Vereins. Damit konnte der Landwirt allmählich aus seiner räumlichen und geistigen Isolation heraustreten und an den Errungenschaften der modernen Entwicklung in zunehmendem Maß teilnehmen.

Die Aufteilung der Gemeindegründe, die Ablösung der Nutzungsrechte und der Weideberechtigungen bedeuteten die grundsätzliche Umstellung einer jahrtausendalten Wirtschaftsform (Flurzwang und Dreifelderwirtschaft). Man fing an, die Brache zu "besömmern" (Erbsen, Hirse, Lein, Rüben, Raps).

Es folgte die Einführung neuer Kulturen wie Klee und Kartoffeln. Um 1647 begannen in Pilgramsreuth (Fichtelgebirge) Bauern systematisch mit dem Feldanbau der Kartoffel. Damit war auch der Weg geebnet für die Stallhaltung und den Ausbau der Viehhaltung. Die "neue Landwirtschaft" mit der Mineraldüngung und der verstärkten Viehaltung brachte höhere Erträge und mehr Sicherheit. 1816/17 und 1847 waren die letzten Hungersnöte.

 

Fränkische Museenlandschaft


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