Allgemeine Information


"Der fränkische Rechen im bayerischen Staatswappen" war das Thema eines Vortrages, den Walter Höhn bei der Frankenrunde der Gruppe Bayreuth des Frankenbundes im Januar 1997 hielt.

* * *

Der "Fränkische Rechen" auf dem Weg von einem Adelswappen zu einem gesamtfränkischen Symbol (Stammessymbol) sollte versuchsweise nachvollzogen werden. Da es zu diesem Themenbereich noch verhältnismäßig wenig Forschungsarbeiten gibt, war die Recherche nach Fakten allerdings sehr schwierig.

 


 

Was versinnbildlicht der "Fränkische Rechen" ?

 

 

 

In der kirchlichen Wappenkunde (Heraldik) ist einer der frühesten "Rechen" feststellbar. Besonders schön kann man am Wappen von Papst Urbanus V. (1362 - 1370) erkennen, daß nicht militärische, sondern christliche Symbole und kirchliche Würdezeichen hier vorrangig waren. Die vier goldenen (gelben) Spitzen auf rotem Grund sollten die vier "Ecken" (Himmelsrichtungen) unserer Erde darstellen. Die Zahl Vier war zu jener Zeit das Symbol der Ganzheit unserer Erde.

 

Die sinnbildliche Wertung der Wappenfarben ist in den einzelnen Zeitaltern, Kulturkreisen und Völkerschaften verschieden. In der christlichen Farbsymbolik verstand man unter einem goldenen Rechen die göttliche Allmacht und seine Herrlichkeit, die die Ganzheit unserer Erde umschließt. Die rote Farbe, die Farbe des Blutes Christi, wurde im christlichen Rom als Symbol der brennenden göttlichen und menschlichen Liebe gesehen. Es ist nicht verwunderlich, daß - aufgrund dieser römischen Auslegung - dieses Wappenmotiv in mehreren europäischen Bistümern und Klöstern in leicht veränderter Form übernommen wurde.

 

 

3 Spitzen mit Kreuz
2 Hände mit 3 Spitzen
Klosterwappen St. Gallen

 

 

Auch das Würzburger Domkapitel übernahm dieses frühe christliche Wappenmotiv. Bereits am Grabdenkmal des 1333 verstorbenen Bischofs Wolfram von Grumbach, und fortan bis ins Jahr 1804, zeigten Grabmäler der Würzburger Bischöfe u. a. den "Fränkischen Rechen". Aber auch der zum Würzburger Domkapitel gehörige Ort Gerolzhofen besaß bereits 1330/1340 den "Fränkischen Rechen" in einem Siegel.

Der Begriff "Rechen" ist etwa seit dem 15. Jahrhundert allgemein geläufig; heraldisch gesehen handelt es sich aber um drei aufsteigende weiße beziehungsweise silberne Spitzen auf rotem Grund. Die Benennung der Farbfolge ist heraldisch üblicherweise so festgelegt, daß die obere Farbe Rot vor der unteren Farbe Weiß bzw. Silber genannt wird.

Gemäß den Wappenbestimmungen mußte jedes Wappen "einmalig" sein und wenigtens einmal Gold (gelb) oder Silber (weiß) enthalten. Seine Einmaligkeit stellte das Würzburger Domkapitel in einem Wappen mit drei silbernen Spitzen auf rotem Grund dar. So hob es sich von den bisherigen kirchlichen Wappen ab..

Mit den drei Spitzen wurde die Gotteszahl schlechthin, die im Dogma der Dreieinigkeit ihre Bestätigung findet, berücksichtigt. Die Zahl "drei" war auch bereits in der frühchristlichen Phase das Symbol der Vollkommenheit mit ANFANG - MITTE - ENDE.

Die Farbe "silber" (weiß) der drei Spitzen war die Farbe des ungeteilten Lichtes. In der frühchristlichen Phase wurde es als Symbol des vollkommenen Gotteslichtes gesehen, das zugleich auch Reinheit bedeutete und damit zur Gewandfarbe der Engel, der Seligen und der neu Getauften wurde. Das Rot im Wappen stellte hier ebenso die Farbe des Blutes als Symbol der brennenden göttlichen und menschlichen Liebe dar.

 

 

Herzog Konrad von Franken trägt bei einem Turnier in Magdeburg anno 938 auf dem Schild den Fränkischen Rechen

 

aus: ("Lorenz Fries - Chronik der Bischöfe von Würzburg 742 - 1495")

 

 

 

 

Die sogenannten englischen Spitzen, die gelegentlich auch mit dem "Fränkischen Rechen" verglichen wurden, wurden im ältesten Wappenregister der Welt von Sir Anthony Wagner als "Englische Zinnen" bezeichnet. Eine Verbindung mit dem "Fränkischen Rechen" läßt sich jedoch nicht feststellen.

 


 

zurück
weiter (Würzburger Fürstbischöfe)