Der Eisenkupf

Gedicht in Bayreuther Mundart vom Kaminkehrermeister Eisenhut, um 1910


Der Heina ißt fiers Leben gern an sauern Schweinebrotn.

Sei Fraa verstehts aa ausgazeingt, sei Glustn zu darotn!

Sie dut aweng an Lebkung hie, do werd die Brieh schee dickli,

Wie da der Heina schmatzn ko, er is ganz ieberglickli!

 

Amoll, do kummt er ausn Wold haam - mit an Mordsdrumm Hunga,

Obeißn kennt er gleich die Welt, als wie a Wolf, a gunga;

Und richtich! 's gibt sei Leibspeis heit, an grußn eisan Tiegl

Vull Fleisch und Brieh und Kließ dazu - do kriecht da Heina Fliegl!

 

Und eh ma sichs versicht, is aa die ganza Wohr schon druntn,

Er hot halt aa an Mong dazu, an ausgapichtn, gsundn!

Er leckt und schleckt und bohrt sich no, bis nunda aufn Budn,

Sei Kupf, der werd als wie a Krebs, im haaßn Wassa gsudn.

 

Etz, wie er oba rickwerts will, Herrgot, is des a Schreckn,

Etz bleibt er mit sein grußn Kupf im eisan Hofn steckn!

Er zerrt und zerrt, es nitzt na nix, der Tiegl dut kaan Rucka,

Der Heina fängt des Greina oo, er kriecht vor Angst an Schlucka.

Sei Fraa will helfn und zerrt oo und ziecht na naus in Gartn,

Der Nochbor ziehcht und reißt na schier die Borschtn aus da Schwartn!

Allaa, die eisan Picklhaum, die setzt wie festgemauert,

Der Heina fängt zu greina oo, daß an der orm Kerl dauert.

 

Sei Fraa kennt sich vor Jamma net, sie denkt, ihr Moo muß sterm.

Ach, wemma na den Hofn kennt zerschlong in lauta Scherm!

Ob des der Schmied net fertichbrächt? Halt, Heina, etz is gwunna!

Iech fohr diech auf da Rovern hie, do werd net lang mehr gsunna.

Und gsocht, gedoo, sie lädtn auf und fängt oo zu kutschern.

Do, Masta Schmied, etz helft ma na, mein Moo sein Kupf kuriern!

Der kratzt si freili hintern Ohr, doch su a Nut bricht Eisn,

Denn wie der Heina schnauft und gront, des is zum Herzzerreißen!

 

Ezt lechta schnell sein Eisnkupf auf an klaan Ambuß nieder,

Der Schmied hult mit sein Schlegel aus und - bumms - fährts durch die Glieder.

Ma maant, der Schädl is entzwaa, so glieng die Scherm und Splitter,

Wie wenn der Blitz schlächt in an Baam, im Summa, bei an Gwitter.

 

Doch, Got sei Dank, wors bluß da Topf, den hots total zertriem.

Der Heina schnauft und prußt, jawoll, doch er is ganz gabliem.

"No", socht er, "des wor hechsta Zeit, die Aussicht wor fei lumpert!

Iech wär fei bei an Hoor dastickt - und wie hot des gebumbert!

Maletta kriech iech nimma nei, in su an enga Tiegl.

Wie samma do die Hoor verpicht, do brauch i doch an Striegl?!

Und wenn die Leit die Gschicht derfohrn, kummt nuch da Schbott zum Schodn!

Gell, Fraa, du kochst mir scho auf Nocht - an sauern Schweinabrotn?!"

 

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