Gottlob Haag


Der 1926 geborene Gottlob Haag gehört neben Wilhelm Staudacher zu den wichtigen Dialektautoren der sibziger Jahre, jener Dekade vor der großen Mundartwelle der siebziger Jahre.

Dieses Gedichte hat nichts von seiner Brisanz und Leidträchtigkeit eingebüt, es zählt zu den Hähepunkten fränkischer Dialektpoesie. Glänzkende, sprachbewußte Heimatliteratur im Schatten der blutigsten Untaten.

 

 

"Dr Herrgott"

 

E' uralder Mou is er,

mit en lange, schnäeweiße Boert,

der alles sicht und waaß,

hat mir früher

mei' Großmueder verzeiihlt.

 

I hob's ere glaabt,

lang glaabt,

bis zu denn Dooch,

wu i'en uralde Mou

mit'n lange, schnäeweiße Boert

uff'dr Schtroeße gseeche hob.

Zwische e'boer Soldate

is'er drhittorchlt.

Sie hewe uff'en neiigschlooche

und gschriee:

"Gäehzue und laaf,

du schtinketer Jud!"

 

Sie hewe'n eiigschperrt,

gfoltert und drangsaliert

und er hat niee gjammert

und kloocht,

aa nit, wu's'en

doetgschlooche hewe.

 

E' uralter Mou

wäer dr Herrgot,

der alles sicht und waaß,

mit'en lange,

schnäeweiße Boert,

hat mir mei' Großmueder

verzeiihlt.

Und i' hob's gseeche,

wie's 'en doetgschlooche hewe.

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