Die Teuchatzer Linde

von Johann Hofmann (Litzendorf)

 


Die alte Teuchatzer Linde

an der Straße nach Heiligenstadt,

ich weile dort und empfinde

was sie bestanden hat.

 

Sie erzählt aus ihrem Leben,

vom Dasein auf hoher Flur,

vom Ertragen und vom Geben,

wer zu ihr kam Gutes erfuhr.

 

Der Bauer ging eilends vom Feld

zu ihr, die vor Regen schützte;

auch Schatten gab sie wie ein Zelt,

bei Hitze zur Brotzeit dies nützte.

 

Der Wanderer, der müde geworden,

weil er ging über bergiges Land,

wo er sich aufhielt allerorten -

er solche Erholung nicht fand.

 

Und die einst vorübergezogen,

die Linde hat sie überlebt,

war ihr ein Geschick nicht gewogen,

haben nur ihre Blätter gebebt.

 

In mehr als fünfhundert Jahren

durfte Sommer und Winter sie sehn

und blieben nicht aus Gefahren,

sie trotzte der Stürme Wehn.

 

Ihre Wurzeln gehn tief in den Grund,

halten fest sich am Juragestein,

hohe Zierde die Krone macht kund,

sie lädt in Freundlichkeit ein.

 

Weil sie so standhaft gewesen,

voller Liebreiz zur Blütenzeit,

kann man es hören und lesen,

wie geachtet sie ist weit und breit.

 


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