Zu meiner Zeit


 

 

Wenn ich zurückdenk, ham die Leit

recht aafoch glebbt, zu meiner Zeit,

mit etz auf kann Foll zu vergleichen,

der Urlaub wor bluß für die Reichen

und so wie ich die Sache seh,

gschmeckt hot uns aa der Molzkaffee.

 

Der Krieg vorbei, aus und verlorn,

wos ham mir ghungert oft und gfrorn,

es ging ums nackte Überlehm,

as maaste hots auf Marken gehm,

ka Mensch wor auf den annern neidisch,

man hot sich gholfm gegenseitig.

 

Heit is des alles längst vergessen,

mir ham ganz annera Intressen,

die Frog beschäftigt etz die meisten,

wos bist, wos host, wos konnst dir leisten,

soll jeder schaua, wo er blebbt,

so lautet  etzat das Rezept.

 

In meiner Jugend ungelong,

konnt kaans wos übers Wetter song,

wall alle Johr, sulang ich waß,

die Winter kolt, die Summa haß,

brauchts ka Vorhersong, außerdem

hots ja die Bauernregeln gehm.

 

Mußt extra ongschiert wern zum Kochng

und Waschtog wor net alle Wochng,

als Kinna senn mir, ich sogs offen,

  

den ganzen Summa borfaß gloffm

und is zum Spieln weng Zeit gebliem,

ham gschussert mir und Raafm getriem.

 

Is gessen worn aus zinnern Teller,

hot kaum aans Bier ghabt in sein Keller,

des mußt erscht gholt wern in ann Krug,

natierlich ham den erschten Zug

mir uns genehmigt, so zum Lohn,

gschmeckt hot des Bier uns domols schon.

 

Dieselben Lieder ham mit gsunga

und zwor die Alten mit die Gunga,

des is vorbei und außerdem

a Generationsproblem.

Laut muß es zugeh, nur net leis,

bei open air dröhnts megaheiß.

 

Damit ich etz zum Tanzen kumm,

dafür wor doh die Roggastumm,

Discjockeys ham mir net vermißt,

kann Beat,

kann Rock und aa kann Twist,

bei uns gings aa oft drunt und driewa

bei Dreher, Walzer oder Schieber.

 

Wenn ich drohdenk wie junga Leit,

erscht zammlehm wolln amoll za zweit,

den  wos ma vorher ausprobiert,

do waß ma gwiß, obs harmoniert

und später lossen sie sich traua,

walls maana, etzat senn sa schlaua

 .

Bloß wie schauts aus in Werklichkeit,

kaum daß es kummt zum erschten Streit,

wenn grod vorbei die Flitterwochng,

do werd scho über Scheidung gsprochng.

Beim annern Partner man vergißt,

daß aa net recht viel annersch ist.

 

Stott lang zu frong, wos soll ich kochng,

hots dreimoll Glees gehm, in der Wochng

und Fleisch dazu anderthalb Pfund

und möglichst fett, wall des wor gsund,

und Samstogs maastens Ärpfelschnitzla,

vonwegen Gyros oder Pizza.

 

Von klaa auf hams uns eigetrimmt,

daß ma sich ohnständig benimmt,

Respekt hot und das Alter ehrt,

des hams uns in der Schul scho glehrt,

wer frech wor, hot gleich aana ghatt,

sogt bloß, des hot von uns ann gschadd.

 

Is alles gschriem worn mit der Händ

und Faxen ham mir aa scho kennt,

bloß hots do maastens nochher gstaubt,

heit is des Faxen ja erlaubt,

do sicht mas widda, gor ka Frog,

wies schee die Leit ham heitzadooch.

 

Wos werd net alles uns geboten,

beim Ohzieng schaut ma auf die Moden,

wohie giehts in der Urlaubszeit,

ins Ausland fliegt ma, meglichst weit,

damit ma fei jornix versaamt,

von sowos ham mir bluß gedraamt.

 

Wos werd für Zeich heit produziert,

nooch korzer Zeit gleich ausrangiert,

landt aufm Müll, walls nimma gfällt,

wos kümmert uns die 3. Welt,

ma sollt ja glott, täts nuch wos nützen,

die Umwelt vor den Menschen schützen.

 

A Maadla mußt bedauern heint,

hot die mit 14 nuch kann Freind,

mit 18 senns scho ausm Haus,

die Freiheit lockt, wos macht ma draus,

as Wichtigst is, wer werd lang frong,

der Führerschei, der eigne Wong.

 

Lefft aana rum und blebbt net hoggng,

dann haßts auf neideitsch, der tut „joggng“.

Is hundstot mied er dann vom Laufm,

will sich erholn, aweng verschnaufm,

es sich etz ums „relexn“ handelt,

so werd die deitsche Sprooch verschandelt.

 

Vill Streß und Hektik, Ungeduld,

wer net mitkummt, is selwa schuld,

Bescheidenheit, die gibts fast nimmer,

drum senn su vull, die Wartezimmer,

bist net gut drauf, dann hams dageng

a Mittel in da Apotheng.

 

Zan Dockta senn mir net zum Spaß,

wer wor scho in da Krankenkass,

die Mittel, die mir angewendt,

 

die hot die Großmutter scho kennt

und wovon heit die Leit wern kronk,

do ham mir nix gwißt, Gott sei Dank.

 

A Kerwa, wie sich denken läßt,

des wor für uns a großes Fest,

a Reitschul, ma sogt Karusell,

hot sich gedreht, net ganz su schnell,

mußt ohngschobm wern, stellt eich moll vor,

heit geht des alles mit Motor.

 

As wichtigst in der heinting Welt,

wie kummt der Mensch recht schnell zu Geld,

wall in der Werbung werd erzählt,

wost nuch net host und wos dir fehlt,

is manchmoll aa as größte Glumb,

kaaft werds, wenns saa muß, aa auf Pump.

 

Die Babys trong sa inra Taschn,

braung kaane Windln mehr zu waschn,

es gibt ja Pambers zu dem Zweck,

aamoll gebraucht, dann schmeißt mas weg,

so leicht is Kinna aufzuzieng,

wer will denn heit nuch welche krieng.

 

Wer heitzadooch wos auf sich hält,

redt obgekerzt, wall Zeit is Geld,

onstott Computer haßts PC,

stott Rinderwahnsinn BSE,

und wer vor seim Kopf hot ka Brett,

der is hotline im Internet.

  

Worum soll ma a Freindschaft pfleng,

ma hot ja obends fernzaseng,

wost net zum Unterhalten kummst,

wer zohlt scho gern Gebührn umsunst,

die Technik hält die Leit auf Trab

und desweng werd die Zeit su knapp.

 

Und wos die Esserei betrifft,

waßt net, hots die Chemie vergift,

durch Luftverschmutzung sterbt der Wold,

ich bin heilfroh, daß ich su old,

die Jugend is net zu beneiden.

Ja, ja, so ändern sich die Zeiten.

 

                                Albin Summa

                  (aus „Wos wohr is, derf ma song“)

 


 

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