Das TouchBook - eine Multimedia-Entwicklung zur Präsentation von Handschriften

 

Wertvolle Handschriften werden immer seltener für Ausstellungen zur Verfügung gestellt. Die Gefährdung durch Lichteinwirkung macht eine Begrenzung der Präsentation nötig. Die Bindung der Bücher erlaubt nur die Ansicht einer Doppelseite, oft in einer nur teilweise aufgeklappten Form. Die Bild- und Textfolge kann daher nicht am Original erlebbar gemacht werden. Entsprechend werden die nicht aufgeklappten Seiten von Handschriften in der Form von Reproduktionen oder Diaprojektionen sichtbar gemacht. Eine flexible Darstellungsform wurde in den letzten Jahren mit unterschiedlichen Präsentationsformen auf dem Bildschirm entwickelt. Eine solche weiterentwickelte Technik wird zu einem Beitrag für die Landesausstellung "Bayern - Ungarn. Tausend Jahre" eingesetzt.

Die Bilderchronik "Chronicon Pictum" (Ungarische Nationalbibliothek Budapest, Cod. lat. 404) aus der zweiten Hälfte des vierzehnten Jahrhunderts zählt zu den wertvollsten Handschriften der Ungarischen Nationalbibliothek. Sie schildert die Geschichte Ungarns von der Landnahme bis zu den regierenden Herrschern aus dem Geschlecht der Anjou. Sie ist verziert mit kostbaren Buchschmuck und historischen Bildszenen. Sie bietet auch eine Reihe von Szenen zur bayerisch-ungarischen Geschichte: Die Beschreibung der Lechfeldschlacht 955; die Herrschaft von König Stephan und seiner bayerischen Gemahlin Gisela zu Beginn des 11. Jahrhunderts; Miniaturportäts verschiedener Einwanderer nach Ungarn; den Verlust und die Wiederauffindung der ungarischen Königskrone durch Herzog Otto III., aus dem Hause Wittelsbach, der um 1305 kurzzeitig ungarischer König war.

Vom HdBG wurde in Zusammenarbeit mit der Firma MediaCircle (Regensburg) eine neue Präsentationsform, das TouchBook, entwickelt. Der Ausstellungsbesucher kann am Bildschirm entweder mit der Hand durch Berühren (Touchscreen) oder mit Mausunterstützung die einzelnen Seiten umblättern. Daneben stehen ihm bei Bedarf Erläuterungen zu den einzelnen Bildern und Texten zur Verfügung. Der Benutzer kann nun im TouchBookook beliebig vor- und zurückblättern und dabei jederzeit beim Blättern innehalten und eine Seite an beliebiger Stelle festhalten. In dieser bewegungssimulierenden Form ist es auch möglich, die Goldpartien der Handschrift zu "illuminieren". Die Buchblätter - abhängig vom Blättervorgang im dreidimensionalen Raum - reflektieren durch die ständige Bewegung das Gold im Lichteinfall und werfen dabei einen realistischen Schatten. Für den changierenden Goldglanz wurde eine 3D-Technik eingesetzt, die sich "environmental mapping" nennt. Alle 3D-Arbeiten an diesem Buch wurden mit der Software "Lightwave 4D" ausgeführt, die viele Hollywoodproduktionen für ihre Trick- und Effektsequenzen einsetzten. So wurden die Simulationen im "Titanic"-Film mit Lightwave generiert. Ferner kam eine spezielle Komprimierungssoftware zum Einsatz um die Dateigröße pro Blatt im TouchBook zu begrenzen.

 

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