II.

Geographische Gebiete

der fränkischen Altstämme


Genaueres erfahren wir auf indirektem Wege, und zwar über die Wohnsitze der fränkischen Altstämme, die sich vor der Mitte des 3. Jahrhunderts unter dem neuen Namen FRANKEN zusammengeschlossen hatten oder doch zumindest in den römischen Quellen unter diesem Namen zusammengefaßt werden.

Nach der Frankengeschichte Gregors von Tours ( II, 9 ), der sich auf Sulpicius Alexander beruft, waren dies u.a. die Brukterer, Chamaver, Amsivarier und Chattuarier. Von den Amsivariern abgesehen, grenzten alle Gebiete dieser Völker im 4. Jahrhundert an den Rhein, weshalb sie in den römischen Quellen häufig genannt werden. Da es außerdem auch in karolingischer Zeit noch rechtsrheinische Regionen gab, die nach diesen Altstämmen benannt waren, lassen sich ihre Wohnsitze genauer beschreiben:

 

> Das Gebiet der Brukterer reichte offenbar vom Kölner Vorland bis in die westfälische Bördenzone.

> Die Chattuarier waren nördlich und nordwestlich daran anschließenden Raum an unterer Ruhr und Lippe sowie im westlichen Münsterlande.

> Die Chamaver saßen an Ijssel, Vecht und Ijsselmeer in den heutigen Niederlanden.


Alle drei Stämme belegten damit das Vorland einer größeren römischen Stadt:

 

> die Brukterer das von Köln

> die Chattuarier das von Xanten

> die Chamaver das von Nijmegen.

> die Wohnsitze der Amsivarier sind dagegen weniger genau zu beschreiben, doch können sie nicht allzuweit vom Rhein entfernt gelegen haben. Da der Name des Stammes auf die Ems hinzuweisen scheint, wird gewöhnlich angenommen, daß er an diesem Fluß siedelte, wenn auch im Vergleich zur frührömischen Zeit eher am Oberlauf und damit bis in das heutige Münsterland.

> die Twenthe waren zwischen Chamavern (Nijmegen) und Amsivariern (Ems).

> die Tuihanten werden nicht ausdrücklich als Franken bezeichnet, doch gilt ihre Zugehörigkeit als wahrscheinlich.

 

Damit bewohnten die bisher für die Franken namhaft gemachten Altstämme

zwar ein weitgehend zusammenhängendes Gebiet rechts des Niederrheins,

doch ist sicher, daß vor allem im Osten und Nordosten noch weitere Stämme hinzukamen.

 

Der Grund dafür, daß uns deren Namen nicht genauer überliefert sind, liegt wohl zum Teil in der größeren Entfernung von den römischen Grenzen, vor allem aber darin, daß diese Gebiete schon frühzeitig an den nachdrängenden Sachsen verlorengegangen sind.


> die Salier:

Immerhin erscheint auch ein neuer Stammesname unter den Franken, der der Salier. Über die ursprünglichen Wohnsitze dieses Stammes wird nichts Genaues ausgesagt. Als er in das römische Blickfeld trat, hatte er anscheinend bereits einen längerer Weg hinter sich. Es heißt, daß er von den Sachsen vertrieben worden sei (Zosimus 3,6), weshalb seine Heimat am ehesten in jenen besonders gefährdeten Gebieten im Osten und Nordosten des fränkischen Siedlungsraumes zu suchen sein dürfte. Es ist auch ungeklärt, welchem Umstand die Salier ihren neuen Namen zu verdanken hatten, ob etwa ihr Stamm aus verschiedenen Stammessplittern neu gebildet worden ist oder ob der neue Name lediglich auf eine veränderte Situation des Altstammes aufmerksam machen sollte. Auch letzteres ist möglich, denn "sprechende" und daher leicht zu ändernde Namen sind nichts Ungewöhnliches in schriftlosen Kulturen.

Im einzelnen wird berichtet, daß die Salier um die Mitte des 4. Jahrhunderts vom Chamavengebiet aus in die Bataverinsel eingefallen seien (Ammian XVII 8,3-4; Zosimus 3,6-7). Einen Teil von ihnen erlaubte Julian im Jahre 359, sich als wehrpflichtige Bauern (dediticii) in Toxandria anzusiedeln, einer größtenteils innerhalb der heutigen niederländischen Provinz Noord Brabant gelegenen Landschaft. Zwar hatte es schon vorher Ansiedlungen einzelner Frankengruppen auf römischem Gebiete gegeben, doch offenbar niemals in solcher Kopfzahl und zu ähnlich günstigen Bedingungen, nicht zuletzt auch so nahe an den Grenzen des fränkischen Stammlandes.

Es handelte sich bei den fränkischen Teilstämmen, wie die Quellen zeigten, nicht um einen bunt zusammengewürfelten Haufen von Menschen unterschiedlichster Herkunft, sondern um ehemalige Nachbarn der römischen Provinz, um Stämme aus der gleichen Region, die gemeinsam kulturelle Traditionen besessen haben.


Die Salier - Gründer des Frankenbundes ?

 

Nach Lage der Dinge kommen hier wohl nur

die Stämme des rechtsrheinischen Raumes in Betracht.

 

Man dachte an die Brukterer, aber auch an die Chamaven oder die Salier. Angesichts der späteren Rolle der Salier und des Umstandes, daß vor allem sie sich des traditonsreichen Sugambrernamens bedient haben, möchte man vorrangig sie in Betracht ziehen.

Nicht zu unterschätzen sind allerdings auch die Brukterer, die in tatsächlich enger Verbindung mit den Provinzialen des ehemaligen ubischen Gebietes um Köln (den späteren Agrippinensern) einen lange eigenständigen fränkischen Machtbereich gründeten, das Land Ribuarien.

In späterer Zeit begegnen wir jedenfalls im Prinzip drei größtenteils unabhängig voneinander operierenden fränkischen Gruppen, nämlich den von den Saliern geführten Stammesteilen im nordgallischen Raum, den Rheinfranken um Köln sowie den zunächst weitgehend rechtsrheinisch verharrenden Altstämmen am unteren Niederrhein.

 

 

 

 

 

Archäologie und die frühen Franken

 

In der Archäologie verbindet man die frühen Franken gemeinhin mit der sogenannten Rheinwesergermanischen Kultur, ohne allerdings eine strikte Gleichsetzung vorzunehmen. Schließlich hatten auch die "nichtfränkischen Chatten" Anteil an dieser Kultur, während auf der anderen Seite immer wieder Randgebiete auch der Nordseegermanischen Kultur für die Franken in Anspruch genommen werden.

Fest steht aber, daß zumindest die bei Gregor von Tours als fränkisch bezeichneten Stämme aus einem einheitlich geprägten Gebiet gekommen sind. Folglich ist es innerhalb dieser Grenzen auch möglich, bereits für die Frühzeit einheitliche Angaben über den Hausbau und die Sielungsformen, ferner auch über die Keramik, die Schmuckformen und schließlich über den Grabbrauch der Franken zu machen.

 

  


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