III.

Franken und Römer


Die Rekrutierung nichtrömischer Soldaten ist freilich keine Neuerung der Spätantike, sondern wurde bereits seit Caesar, vor allem aber im 2. und 3. Jahrhundert häufig praktiziert. Bemerkenswert ist einzig der enorme Umfang und die erstaunliche Häufigkeit derartiger Truppenwerbungen außerhalb des Imperiums seit Beginn des 4. Jahrhunderts und in besonderem Maße unter Valentinian I.

Sie haben schließlich im archäologischen Fundmaterial des ausgehenden 4. und des 5. Jahrhunderts ihren deutlichen Niederschlag gefunden. Zu dieser Zeit bestand der Kern des Feldheeres weitgehend aus den neuen, meist germanischen auxilia mit ihren leicht beweglichen Fußtruppen in nationaler Bewaffnung und Ausrüstung. Auch die palatinischen scholae, das heißt die berittenen Garde-Einheiten, setzten sich fast ausschließlich aus Germanen zusammen.

Spätestens seit Valentinian I. erfreuten sich Personen der germanischen Oberschicht aus den verschiedensten Stämmen, vor allem der Franken und Alamannen, in ihrer Eigenschaft als Gefolgschaftsführer größerer und kleinerer Söldnerverbände besonderer Vergünstigungen seitens der spätrömischen Militärverwaltung.

Ein besonderes Beispiel wurde uns überliefert:

Dem vornehmen Franken Mallobaudes gelang es, als comes domesticorum, als Chef also des privilegierten Offizierskorps der Garde, im Jahre 378 alamannische Lentienser aus dem Elsaß zu vertreiben. Anschließend kehrte er in seine rechtsrheinische Heimat zurück, wo er 380 als rex Francorum die über den Main nach Norden vorgedrungenen Alamannen zurückschlug.

 

 

Waffenfunde der Franken

 

Als Gegenleistung für ihre dringend benötigte Waffenhilfe hatten diese fränkischen Söldner dreierlei zu erwarten: Geldzahlungen, Waffenlieferungen und Landzuweisungen.

> Die Soldzahlungen in gemünztem Gold und Silber zeigen sich sowohl in den häufigen Münzbeigaben der betreffenden Gräber als auch in den gewaltigen Münzschätzen rechts und links des Rheins.

> Zahlreiche Waffen in fränkischen Gräbern stammen - wie damaszierte Schwerter und gelegentliche Fabrikmarken belegen - aus reichsrömischen Werkstätten, ebenso wie die vielfältigen, häufig kerbschnittverzierten Militärgürtel. Sie bezeugen nachdrücklich die Lieferung römischer Militärausrüstung an die fränkischen Verbündeten.

> Die Landzuweisungen lassen sich allerdings meist nur indirekt nachweisen, etwa durch zum Teil reich ausgestattete Gräber fränkischer Krieger und ihrer Frauen auf ländlichen Friedhöfen in der Nähe von Villen, die ihnen offenbar zwecks Selbstversorgung überlassen worden waren.

 


Die Stammesbildung der Franken auf Reichsboden

 

Die Ergebnisse der Frühmittelalterarchäologie in den letzten Jahrzehnten haben eines sehr deutlich gemacht:

Im Zuge der Anwerbung germanischer, vor allem fränkischer Soldaten östlich des Rheins und ihrer Verwendung in der regulären spätrömischen Armee gelangten seit dem mittleren 4. Jahrhundert und in besonderem Maße während des 5. Jahrhunderts zahlreiche reichsfremde Krieger mit ihren Familien auch nach Nordgallien, wo sie sich - auf römische Anordnung - besonders in den Provinzen Germania II und Belgica II niederließen und heimisch wurden.

 

 

Verbreitungskarte fränkischer Waffengräber des. 4./5. Jahrhunderts

 

Die prägende Kraft des Reichsdienstes hat also ganz entsendend auf die Stammesbildung der verschiedenen fränkischen Volksteile (Salfranken, Rheinfranken) eingewirkt, die sich bezeichnenderweise erst auf dem Boden des Römerreiches vollzogen hat. Man weiß, daß die Eingliederung der Franken in diese Gebiete nicht von einer massiven Wanderung begleitet wurde.

 

In diese Romania hinein erfolgten die fränkische Landnahmen, die der Salfranken und die der Rheinfranken, sehr wahrscheinlich von Westen nach Osten und von Norden nach Süden zeitlich gestaffelt: die erste zur Zeit Childerichs I. (457/58 - 282), die nachfolgenden unter seinem Sohn Chlodwig I. (482 -511) nach Beseitigung der letzten Reste römischer Herrschaft in Gestalt des Syagrius-Reiches und des Gebietes von comes Arbogast in Trier.

Zur Zeit Chlodwigs erreichte das fränkisch aufgesiedelte Gebiet im Westen etwa die Seine (Ile-de-France, Picardie etc.) und im Süden das obere Maasgebiet, die Champagne und Lothringen. Aller folgende territoriale Zugewinn seit Chlodwig hat nichts mehr mit einer Erweiterung fränkischer Siedelgebiete zu tun, sondern betrifft allein die Herrschaftsgebiete des regnum Francorum.

Klarheit für diese wichtige Trennung von fränkischem Siedle- und Herrschaftsraum vermittelt vor allem die Verbreitung von Hunderten von fränkischen Gräberfeldern der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts bis weit in die zweite Hälfte des 6. Jahrhunderts hinein.

  

 

Einfall der Franken (Mitte des 3. Jahrhunderts)


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