Christian von Klobuczynski, M.A.

E-Mail von.klobuczynski@arcor.de


Sehr geehrte Damen und Herren,

habe Ihre Homepage auf der Suche nach Informationen über die Franken gefunden. Leider war ich sehr darüber erstaunt, dass bei Ihren historischen Angaben über den fränkischen Hessengau keine Informationen zu finden sind. Auch bezeichnen Sie die Chatten („Althessen“) nicht als Franken, was so nicht stehen gelassen werden kann. Hierzu einige Hinweise:

 

Wann genau die Chatten in den Kreis der fränkischen Stämme aufgenommen wurden, ist nicht genau zu sagen. Im Allgemeinen muss die Verbindung ziemlich früh geschlossen worden sein. Um 455 wurde der Name der Chatten jedenfalls noch benutzt. Danach taucht als Stammesname ausschließlich der Name „Franci“ auf. Erst um 719 wird dann auch der Name „Hassen“ bzw. „Hessen“ als Bezeichnung der im alten Chattengau lebenden Menschen genutzt. In diesem „fränkischen Hessengau“, dessen Zentrum im Bereich der unteren Eder lag, befand sich der Hauptort Mattium (Maden!) am Wodansberg (Gudensberg!), die Donareiche im heiligen Hain Frideslar (Fritzlar!) bei der alten chattischen Festung auf dem Büraberg. Die Festung Büraburg wurden von den christlichen Westfranken ausgebaut und war neben der Amöneburg ein wichtiger Stützpunkt im Hessengau.

 

Nach der Christianisierung des Oberlahngaues (um Marburg!) und seinem Romaufenthalt kam Bischof Bonifatius 723 zur Büraburg, richtete dort einen Bischofssitz ein und leitete durch die Fällung der nahestehenden Donareiche die endgültige Missionierung der Althessen ein. Auf dem Frideslar wurde eine Kirche gebaut und es kam bald ein Kloster und eine Residenz dazu. Von hier aus wurde fortan der fränkische Hessengau kontrolliert und die Klöster Fulda und Hersfeld gestiftet. In Verbindung mit den Sachsenkriegen Karls, wurden sächsische Edelleute im fränkischen Hessengau angesiedelt. So taucht auch ein Sachse Hildebold als Gaugraf im fränkischen Hessengau auf. Wenig später wird aber der Franke Berengar als Gaugraf genannt. Er ist der Enkel Odo von Orleans, der als Graf den Niederlahngau regierte. Nachfolger im fränkischen Hessengau wurde Konrad, der Sohn Udo von Niederlahngau. Von ihm wissen wir, dass er in Fritzlar lebte und über den fränkischen Hessengau und Thüringen herrschte. Sein Sohn Konrad wurde in Fritzlar geboren und regierte von dort den fränkischen Hessengau und vermutlich auch den nördlich liegenden sächsischen Hessengau und den Oberlahngau. Der sächsische Hessengau ist das Gebiet der sächsischen Engern, die schon früh von den Chatten kontrolliert wurden und aus dem sächsische Edelleute durch die Sachsenkriegen Karls in den fränkischen Hessengau und umgekehrt kamen. Dieser Graf Konrad wurde 911 zum Deutschen König gewählt und regierte als solcher bis 918. Da er mehreren fränkischen Gauen vorstand, wurde er auch als Herzog der Franken bezeichnet. Ihm gehörte auch die Burg „Chassalla“ (Kassel!) an der Fulda. Wann die dazugehörende Siedlung entstand, wissen wir leider nicht. Die Burg schützte eine Furt, die wohl bereits von den Kelten und Römern genutzt wurde. Die Burg wurde jedenfalls in einer Urkunde Konrads im Jahre 913 erwähnt. Kassel wurde zu einer Königspfalz und ging 939 nach dem Tode Herzog Eberhard III. (Er regierte nachweislich den Oberlahngau, den fränkischen und sächsischen Hessengau sowie die Pfalz als Pfalzgraf) an den König Otto I., Herzog von Sachsen. Dessen Sohn Ludolph wurde Gaugraf im fränkischen Hessengau, während der sächsische Hessengau von einem Zweig der Esikonen regiert wurde. Kassel blieb aber im Besitz der Könige und Kaiser. Um den Bamberger Dom bauen zu können, brauchte Kaiser Heinrich II. das Land seiner Gemahlin Kunigunde. Sie gab ihrem Gatten Bamberg und erhielt dafür die Pfalzen Kassel und Kaufungen. Ihr Bruder Friedrich wurde Gaugraf im fränkischen Hessengau. Nach dem Tod Kunigundes in Kaufungen wurde sie in einer feierlichen Prozession nach Bamberg überführt, wo sie ja noch heute ruht. Der fränkische Hessengau wurde dann bis 1121 von den salischen, also fränkischen Grafen Werner regiert, die ihre Burg auf dem Hahn bei Edermünde hatten und das Kloster Breitenau in Guxhagen gründeten. Nachfolger als Gaugrafen in Niederhessen wurden dann die salischen Titulargrafen von Hollende aus dem Oberlahngau (Marburg!), die sich nun Grafen von Gudensberg (Niederhessen!) und Oberlahn (Marburg!) nannten. Hedwig, die Letzte aus diesem Geschlecht heiratete 1110 den ebenfalls salischen Grafen von Thüringen, Ludwig II. Seine Nachkommen regierten Thüringen und die Grafschaft Gudensberg und Oberlahn als Nebengebiet. Ich möchte an dieser Stelle betonen, das es sich hier um fränkische Herrscher handelt!

 

Nachdem 1247 der letzte salische Landgraf von Thüringen starb, heiratete seine Tochter den Markgrafen von Meißen und brachte Thüringen in die Ehe ein. Gudensberg und Oberlahn wollte der Reichskanzler und Erzbischof von Mainz einziehen. Sophie, eine Tochter der Hl. Landgräfin Elisabeth von Thüringen (in Marburg verstorben!) erhob als zweite Ehefrau des Herzogs von Brabant, Ansprüche auf das Gebiet. Schließlich stammt sie ja von den alten Gaugrafen ab. Ihr Sohn Heinrich wurde 1264 in Maden zum Fürsten der Hessen erhoben. 1277 wurde Kassel seine Residenz. Bis 1866 regierten die Nachfahren der salischen Sophie von Brabant als Landgrafen und Kurfürsten in Kassel. Das heutige Nordhessen (Regierungsbezirk Kassel) setzt sich aus dem alten fränkischen Hessengau, dem Oberlahngau, dem sächsischen Hessengau, dem Ittergau, Teilen Thüringens und den Klöstern Hersfeld und Fulda zusammen.

 

Interessant ist auch, dass die Althessen nicht leib- oder grunduntertänig waren. Bauern konnten gesellschaftlich aufsteigen und Bürgerliche gelangten in höchste, auch militärische Positionen. Andererseits verweigerte die Althessische Ritterschaft dem Landgrafen Moritz die Gefolgschaft und zwang ihn zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges zur Abdankung. 1866 weigerte sich das Kurhessische Offizierskorps dem Landesherrn in den Krieg gegen Preußen zu folgen und bewirkte seine Absetzung. Dass das Kurfürstentum Hessen eine der ersten Parlamente und Verfassungen hatte, ist auch ein Zeichen für das fränkische Selbstverständnis von Freiheit und Selbstbestimmung. Aber nicht nur die Bevölkerung Nordhessens ist durch Abstammung und durch ihre Herrscher in vielerlei Hinsicht fränkisch geblieben Dies trifft aber auch für das heutige Südhessen zu. Bei der dortigen Mundart handelt es sich um Rheinfränkisch. Und wenn sie einen Geschichtsatlas ansehen, können Sie feststellen, dass das alte Franken tatsächlich die heutigen Bundesländer Hessen, die Rhein-Pfalz, und den nördlichen Teil Bayerns einschließt.

 

Es wäre deshalb wirklich nett, wenn Sie bei Ihren Angaben darauf hinweisen, dass das historische Franken nicht nur aus den Bistümern Würzburg und Bamberg besteht. Die heutigen Namen der fränkischen Kreise sind etwas irreführend, auch wenn der Name eines Herzogtums Franken nach dessen Auflösung 1196 an das Bistum Würzburg überging und dort erhalten blieb, bis es nach dem zweiten Weltkrieg in moderner Form wiederbelebt wurde.

 


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