IV.

Fränkische Expansion in Maingebiet

 


König Chlodwig

 

Als gegen 500 n.Chr. die Franken unter König Chlodwig das bis dahin alamannisch besiedelte Mittelrhein- und Untermaingebiet in Besitz nahmen, betraten sie östlich des Rheins ein Land, das seit etwa zweieinhalb Jahrhunderten von römischen Einflüssen wenig berührt war. Die "Frankisierung" dieses Raumes ist nach den Bestattungsgewohnheiten zu urteilen, nicht einheitlich erfolgt. Das Auflassen von alamannischen Gräberfeldern bedeutet sicher einen gewissen, zumindest kulturellen Bruch, ohne daß Näheres über das Schicksal der zugehörigen Bevölkerung gesagt werden könnte.

Das Fortführung der Bestattungsplätze läßt auf einen unmittelbaren Herrschaftsübergang von Alamannen zu Franken schließen. Auf dem Praunheimer Gräberfeld (Untermaingebiet) zeigt sich, daß zumindest ein Teil der alamannischen Vorbevölkerung - nun unter fränkischer Oberhoheit - hier weiterlebte. Die neuen fränkischen Herren hatten sicherlich bewußt an alte Tradition angeknüpft. Nicht viel anders war die Situation an strategisch wichtigen Plätzen. Die Grabungen auf dem Domkhügel Frankfurts brachten Keramikscherben zutage, die eine seit römischer Zeit ungebrochene, bis in das späte Mittelalter und noch weiter reichende Besiedlung nachweisen. Der neue Name "Franken-Furt" macht aber den Herrschaftsanspruch des fränkischen Königshauses deutlich.

 

 

 

Fibelpaar

(Würzburg im zweiten Viertel des 6. Jahrhunderts)


"Francia orientalis"

 

Chlodwig I. hat zwar die alamannischen Gebiete erobert, doch erst eine Generation später, nach dem Tod Theoderichs und dem Fall Thüringens, kam es zu fränkischen Ansiedlungen in Ostfranken, das damals noch keinen eigenen Namen hatte. Das Ziel ostfränkischer Politik wurde Italien, und es galt, die zahlreichen Wege dorthin zu sichern. Die Unternehmungen im Süden führten zu beachtlichem Wohlstand. Im 7. Jahrhundert bedrohten Slawen und Awaren die östlichen Grenzen, so daß eine stärkere Einbindung Mainfrankens in Merowingerreich erforderlich wurde.

Als die slawischen Stämme des Samo das Frankenreich bedrohten und das austrasische Heer bei Mainz den Rhein überschritt, wußte der Schreiber der Chronik Thoringia (Fredegar IV, 68, 75) nur, daß Slawen und Wenden in den Jahren 631 bis 634 n.Chr. "in Toringiam et relequos pagus", nach Thüringen und den anderen Gauen des Frankenreiches eingefallen waren. Erst nachdem Bonifatius im Jahre 741 n.Chr. das Bistum Würzburg für die Bewohner in "intimis orientalium Franchorum partibus", der entferntesten Gebiete der Ostfranken einrichtete, übertrug sich der Name der Ostfranken auf die Regionen zwischen Main und Neckar. In den sogenannten Einhardsannalen ist zum Jahre 782 von "orientalibus Francis" die Rede; Karl der Große befahl, die slawischen Sorben, die zwischen Elbe und Saale lebten und nach Sachsen und Thüringen eingefallen waren, mit dem Heer der Ostfranken und Sachsen zu bestrafen. Erst seit karolingischer Zeit also rücken die Bewohner der Mainlande als "orientales Franci", als Ostfranken, ins Blickfeld.

Aus Unterfranken gestatten die Gräberfelder von Müdesheim (Main-Spessart-Kreis), Hellmitzheim und Kleinlangheim (Kr. Kitzingen), Sulzheim und Zeuzleben (Kr. Schweinfurt) wichtige Einblicke; aus Mittelfranken ist das Gräberfeld von Westheim im Sualafeld (Kr. Weißenburg-Gunzenhausen) monographisch vorgelegt. Aufschlußreich für die Entwicklung der ostfränkischen Gebiete ist, obgleich schon an der Donau gelegen, das Gräberfeld von Schretzheim (Kr. Dillingen).

 

 

 

In die Karte sind mit Punkten alle Ortschaften und bekannten Wüstungen eingetragen, deren Namen, wie in den frühesten Nennungen erkennbar, aus einem Personennamen und der Endung "-heim" gebildet wurden. In vielen dieser Orte gibt es bereits fränkische Gräber aus dem 6. Jahrhundert.


Erste Merowinger zwischen Neckar und Main

 

Östlich von Spessart und Odenwald wurde die Sitte der Körperbestattung unter fränkischer Herrschaft allgemein üblich. Der Beginn von Gräberfeld und Siedlung muß aber nicht immer zusammenfallen. Anzunehmen ist dies, wenn in den ältesten Gräbern Zugezogene lagen. Doch festzustellen , wer fremd war und wer nicht, ist oft schwierig, da die gesamte Bevölkerung mit Massenware aus fränkischen Werkstätten versorgt wurde.

Die Frauen im Main-Tauber-Gebiet schmückten sich ebenso wie die weiblichen Angehörigen der sicher alamannischen Familie von Pleidelsheim mit den in großen Serien aus Bronze, seltener Silber hergestellten Stücken. Dazu gehören die im gesamten fränkischen Reich weit verbreiteten jüngsten Varianten der Bügelfibeln mit gleich breitem Fuß: Die für das zweite Viertel des 6. Jahrhunderts typischen Fibeln mit fünf Knöpfen an der halbrunden Kopfplatte zweigen sich aus entweder durch fehlenden Kerbschnitt und einfache Gravierung oder durch einfache Kerbschnittrippen oder Kerbschnitt Gitter, wie in Nenzenheim, Mergentheim, Gelchsheim, Hellmitzheim und Kleinlangheim, um nur die mainfränkischen Vorkommen aufzuzählen.

Da nun vom Neckar bis zum Steigerwald die ältesten Körpergräber in das zweite Viertel des 6. Jahrhunderts zu datiern sind und sich überwiegend bei den Orten finden, deren Namen auf "heim" enden, wie in Herbolzheim und Klepsau (ursprünglich Clepsheim) an der Jagst, in Mergentheim an der Tauber, in Müdesheim (Main-Spessart-Kreis), in Gelchsheim (Kr. Würzburg), in Gochsheim und Sulzheim (Kr. Schweinfurt), in Enheim, Hellmitzheim, Hüttenehim, Kleinlangheim, Nenzenheim und Seinsheim (Kr. Kitzingen), darf wohl auf eine umfangreichere von Franken durchgeführte Ansiedlung in dieser Zeit geschlossen werden.

Merowingerzeitliche Grabfunde und patronymisch gebildete Ortsnamen mit der Endung "heim" finden sich in den gleichen Räumen; sie füllen diese sogar zum Teil flächendeckend aus. Sie bezeugen eine Besiedlung der waldarmen Gäuflächen vom Kraichgau bis ins Windsheimer Becken. Unbesiedelt blieben Odenwald und Spessart, im Süden die bewaldeten Keuperhöhen, im Osten Steigerwald und Haßberge. Auf den sandigen Keuperflächen Mittelfrankens fehlen Siedlungsspuren weitgehend. Erst im mittleren Altmühltal und vor der südlichen Frankenalb setzt lockere, um Weißenburg etwas dichtere Besiedlung ein.

 

 

 

9,8 cm lange bronze Riemenzunge

(Hüttenheim / Kr. Kitzingen)


 

 

Bügelfibel

Hellmitzheim, Lkr. Scheinfeld

 

 

 

 

Goldscheibenfibel

Großhöbing, Lkr. Roth

 

Pfeilspitzen, 2. Hälfte 4. Jahrhundert

Kleinlangheim, Lkr. Kitzingen

 

 

 

 

Spitzbecher, 5. Jahrhundert

Hammelburg, Lkr. Bad Kissingen

 

Vogelfibel

Gochsheim, Lkr. Schweinfurt

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Linkliste "Franken"

 

Kaiser Heinrich II. und sein Renovatio am Obermain

Kirchengründungen im östliche Franken

"mgoesswein.de/franken.html"

Die Franken - Wegbereiter Europas

Frankonia (engl. Text)

Domini francorum

Die Schlacht von Zülpich

Geschichte der Franken

 


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