Der Fränkische Reichskreis


 

 

 

Im Jahr 1500 gegründet, bestand bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches (1806) über drei Jahrhunderte lang der "Fränkische Reichskreis". Von den endgültig 1512 etablierten zehn Reichskreisen galt der "Fränkische Reichskreis" für Kaiser Maximilian I., seinen Erschaffer, als "der erst und furnembst" - ein Hinweis auf die Königsnähe der fränkischen Territorien ebenso wie auf die geografische Lage "in der Mitte des Reichs". Umgeben von sechs Kreisen sowie dem Königreich Böhmen bildete Franken sozusagen das Zentrum des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation.

In der Zeit seines 300-jährigen Bestehens tagte der Fränkische Reichskreis 322 Mal, nicht mitgerechnet die zahlreichen Deputationstage. Er hatte sich mithin zu einem nahezu dauerhaft tagenden Gremium entwickelt, eine Art "Immerwährender Kreistag". Welches Gewicht die Kreise als Institution gewonnen haben, ist auch aus der Tatsache ersichtlich, dass sie im Dreißigjährigen Krieg bestehen blieben. Da die Kreise das Heer aufzustellen hatten, waren sie ein wichtiger Machtfaktor und konnten eine eigene Bündnispolitik verfolgen.

 

 

Das Plenum des Fränkischen Kreises im Rathaus der Reichsstadt Nürnberg

 

Am erfolgreichsten aber war der Fränkische Reichskreis in der Ausbildung eines eigenen Wirtschaftraums, in dem Zollfreiheit herrschte und das Münzwesen vereinheitlicht wurde: freier Warenverkehr, "Währungsstabilität", starke Regionen, die mit einem eigenständigen und wirkungsmächtigen Instrumentarium Problemlösungen finden, ohne die größere Einheit aus den Augen zu verlieren.

 

 

Georg Paul Hönns (Höhns) beschreibt in seinem Lexicon topographicum alle Städte, Klöster, Schlösser, Märkte und Dörfer des Fränkischen Reichskreises, untergliedert nach Zugehörigkeit zu Bistümern, Markgrafschaften, Grafschaften oder Fränkischen Reichsstädten.

Er informiert über Besitzverhältnisse, Sehenswürdigkeiten und Merkwürdigkeiten ebenso wie über Glücks- und Unglücksfälle, die sich bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts ereigneten.

 

 

Besonders in den letzten Jahrzehnten vor seinem Ende wurde der Kreis, ursprünglich eine regionale Ständeversammlung, in der politischen Öffentlichkeit als eine Art Staatenbund wahrgenommen - als eine "Zusammenkunft freyer und voneinander gänzlich unabhängiger Stände, welche zur Beförderung des öffentlichen Wohlstands miteinander in eine gleiche Gesellschaft getreten sind".

 

Und zurecht dürfen die Franken stolz darauf sein, wie gut ihr Reichskreis einst funktionierte, die Forschung schreibt das schon seit längerem seiner "spezifischen Eigendynamik" zu. Vorbildlich war die 1572 erlassene "Polizeyordnung", als Wirtschaftsraum war Franken dank diverser Münzabsprachen und eines wirksamen Krisenmanagements in Hungerjahren recht erfolgreich. Die Machtbalance zwischen Katholiken und Protestanten, besonders zwischen den Bamberger Bischöfen und den zollerischen Markgrafen in Kulmbach/Bayreuth und Ansbach, sorgte sogar dafür, daß die Arbeit des Kreiskollegiums nicht einmal während des Dreißigjährigen Krieges völlig zum erliegen kam.

 

 

Im Zusammenhang mit der großen Hungersnot steht die Polizeiordnung, die der Fränkische Kreis als einziger Reichskreis im Jahr 1572 erließ.

 

Sie umfasste folgende Bereiche:

Vom Gotteslästern, von Hochzeiten, Kindstaufen, Kirchweihen, von Leykaufen, von Gastungen, von teurer Zehrung bei den Wirten, von der Mehl- und Bäckerordnung, von Bettlern und Erhaltung der Hausarmen und von gartenden Landsknechten und herrenlosem Gesinde

In den Städten wurde bereits seit dem 15. Jahrhundert das Betteln geregelt.

 

Später gab es Verordnungen, die für den ganzen Kreis erlassen wurden, wie das Bettler-Patent aus dem Jahr 1770

 

 


Zum Fränkischen Reichskreis ist ein sehr interessantes Heft erschienen, vorgelegt vom Haus der Bayerischen Geschichte (Evamaria Brockhoff, Wolfgang Jahn), erarbeitet von Rudolf Endres.

Rudolf Endres: Der Fränkische Reichskreis (Hefte zur bayerischen Geschichte und Kultur, Band 29). ISBN 3-927233-89-7. Das Heft kann für 3,75 Euro (zzgl. Versand) beim Haus der Bayerischen Geschichte bestellt werden (Postfach 101751, 86007 Augsburg, Tel. 0821/3295-0, Fax: 0821/3295-220). Als pdf-Datei liegt der "Reichskreis" auch zum Herunterladen im Internet unter:

http://www.hdbg.de

bereit.

 


 

vv


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