Fränkische Heunesäule

auch in München


Die Säulen in großen Domen oder bei tempelartigen Gebäuden wurden in aller Regel hergestellt, indem steinerne Trommeln scheibenweise aufeinander getürmt, miteinander verbunden und abschließend geschliffen wurden, um ein einheitliches Aussehen zu erhalten.

 

Am Bullauer Berg und am Heunenberg bei Eichenbühl (Gegend um Miltenberg) liegen mächtige Sandsteinsäulen aus einem Stück:

über sieben Meter lang, mit einem Durchmesser von ca. 130 cm. Sie sind hier an Ort und Stelle - in einem Blockmeer des harten Felssandsteins - gebrochen und bearbeitet worden, sind nur roh behauen - sie sollten wohl erst am Bau geglättet werden - und weisen Verdickungen am oberen, schmaleren Ende auf, Hilfen zum besseren Transportieren und Aufstellen.

Im 18. Jahrhundert waren es noch 14 Exemplare; ursprünglich sollen es 42 gewesen sein; mittlerweile wurden viele davon abtransportiert; eine steht in der Miltenberger Uferpromenade, eine in Nürnberg, eine weitere auf dem Domplatz in Main.

 

 

 

Heute steht die Heunesäule als markantes Objekt vor dem Eingang der Prähistorischen Staatssammlung in München

 

 

Eine Säule - Höhe 749 cm, Gewicht 145 Tonnen - kam 1879 nach München. Sie war ein Geschenk des Magistrats der Stadt Miltenberg und war vor dem Haupttrakt des Bayerischen Nationalmuseums aufgestellt worden. Sie wurde für den Transport nach München von sechs Pferden und zwei Ochsen auf einem 35 Zentner schweren Wagen zum Bahnhof Miltenberg gebracht und dort auf dem einzigen Spezialgüterwagen für Schwerlasten der Königlich Bayerischen Eisenbahn verladen.

 

Gibt es Hinweise darauf, wann und zu welchem Zweck diese Säulen hergestellt worden sind? Meist werden sie als Rest eines Großauftrages gedeutet, der aus irgendeinem Grund nicht abgerufen worden ist. Buchstaben, Zahlen oder Steinmetzzeichen auf den Säulen sind für eine Antwort auf diese Fragen unbrauchbar; sie stammen wohl alle aus späterer Zeit; kunstgeschichtlich auswertbare Formen fehlen.

Monolithische Säulen (d.h. aus einem Stück) kannte man in römischer, dann in karolingischer und frühromanischer Zeit. Damit lässt sich die Entstehungszeit auf das erste Jahrtausend (bzw. 100 - 1100) eingrenzen.

 

 

 

Die Verdickungen am oberen Ende waren wichtig für Transport und Aufstellung der Säulen, die erst am Bauort den letzten Schliff bekamen.

 

Sind die Säulen römisch?

Lange Zeit war man der Meinung, dass die Römer an Ort und Stelle einen Tempel hätten erbauen wollen. Die Säulen wären demnach für ein Bauwerk in der Umgebung gedacht oder aber für den Transport auf der Wasserstraße nach Mainz oder ein anderes römisches Zentrum vorgesehen gewesen. Immerhin ist beurkundet, dass in der Nähe dieser Säulen von Zeit zu Zeit goldene, silberne und kupferne römische Münzen gefunden werden.

 

Wurden die Heunesäulen im Mittelalter gefertigt?

Die derzeit gängige Interpretation: Erzbischof Willigis baute den Dom zu Mainz neu, doch bei der Einweihung brannte das Gotteshaus ab. Sein Nachfolger Bardo schuf einen Neubau, der 1081 aber erneut den Flammen zum Opfer fiel. Bei beiden Baumaßnahmen war Felssandstein (aus der Miltenberger Gegend) verwendet worden. Waren die Heunesäulen für den nächsten Dombau bestimmt?

Warum aber wurden sie nicht abtransportiert? Hatte man ihre Festigkeit überschätzt, bzw. nach deren Fertigstellung festgestellt, die Kreuzschichtung des Sandsteins könnte sich bei Belastung als problematisch erweisen?

Oder hat man damals - nach dem Vorbild des Kaiserdoms in Speyer, der damals gebaut wurde, - auf Säulen verzichtet? Pfeiler mit vorgeblendeten Halbsäulen waren leichter herzustellen und ermöglichten größere Bauhöhen.

 

Oder sind die Heunesäulen doch älter?

Es ist aber durchaus denkbar, dass die Heunesäulen noch ein paar Jahrhunderte älter sind. Neben dem Dom zu Trier liegt der sagenumwobene "Domstein". Es handelt sich um eine gewaltige Säule, die zerbrochen ist. Es war eine von vier tragenden Säulen im Dom, die bei einem Brand infolge der Hitzewirkung zerborsten sind. Die Säulen waren ursprünglich 18 Meter hoch und bestanden jeweils aus einem Stück. Das Material: Granit aus dem Felsenmeer im Odenwald. Die Säulen für die Trierer Basilika sind in den Jahren 328 bis 337 unter Kaiser Konstantin im Odenwald gebrochen und zu ihrem Aufenthaltsort transportiert worden.

Welch eine gewaltige Leistung muss es gewesen sein, die Steinkolosse aus dem Untergrund zu lösen sie groß zu bearbeiten, sie dann zum Rhein hinunterzuschaffen, auf dem Wasserweg nach Trier zu transportieren und sie schließlich dort erneut zu bearbeiten, zu glätten und aufzustellen.

Sind die jeweils aus einem Stück bestehenden Heunesäulen ebenfalls in der Zeit Kaiser Konstantins entstanden?

 


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