Denkmalschutzmedaille des Freistaats Bayern

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Norbert Hübsch vom Historischen Verein für Oberfranken


Schon früh begann sich Norbert Hübsch für die Geschichte seiner Heimat zu interessieren. Seit 17 Jahren ist er als ehrenamtlicher Mitarbeiter der archäologischen Außenstelle für Oberfranken des Landesamts für Denkmalpflege tätig. Jetzt hat er die Denkmalschutzmedaille des Freistaats erhalten.

Seine "Feldspaziergänge" betrachtet er als guten Ausgleich für seine Bürotätigkeit als Sachbearbeiter für Stiftungsrecht bei der Regierung von Oberfranken. Dabei besichtigt er auch Baugebiete, die interessant für die archäologische Forschung sein können. Solche Bauabsichten werden ihm entweder vom Landesamt mitgeteilt oder er macht sich selbst kundig. Ist der Bauplatz in einem archäologisch interessanten Gebiet, sind wichtige Funde zu erwarten, dann informiert Hübsch das Landesdenkmalamt in Schloss Seehof bei Bamberg.

So hat Hübsch manchen Fund vor der Zerstörung gerettet und viele Wochenenden der oberfränkischen Archäologie gewidmet. Das war für Bayerns Wissenschaftsminister Hans Zehetmair einer der Gründe, den Oberfranken mit der Denkmalschutzmedaille des Landes zu bedenken. Hübsch ist unter den Ausgezeichneten der einzige, der sich um Bodendenkmäler kümmert. Seit 1983 ist er Mitglied des Arbeitskreises für Vor- und Frühgeschichte der Historischen Vereins für Oberfranken.

Ein weiterer Grund für seine Auszeichnung ist sicher sein ehrenamtliches Engagement für den Historischen Verein: Zum einen dient er dem Verein seit Jahren als Geschäftsführer, zum anderen hält er die Fäden beim Archäologischen Museum des Vereins im Italienischen Bau des Neuen Schlosses in der Hand. Seine Interesse für Geschichte, das bei Besichtigungen von Burgen und Ruinen mit seinen Eltern geweckt wurde, beschränkt sich nicht auf die Steinzeit oder Bronzezeit, doch die Vielzahl der Aufgaben zwingt ihn, die Prioritäten eindeutig in der Vor- und Frühgeschichte zu setzen.

Hübsch sucht nicht nur selbst nach Resten aus früheren Jahrtausenden. Etwa zehn- bis 15-mal im Jahr, schätzt er, kommen auch andere Finder mit Dingen, die sie von ihm historisch einschätzen lassen wollen, Dinge, die beim Spaziergang oder beim Umgraben oder Baumpflanzen im Garen gefunden werden. Hübsch selbst bevorzugt die traditionelle Methode der Suche vor der Luftbildarchäologie oder der Magnetometerprospetion, bei der die Dichteverhältnisse im Boden gemessen werden. Er sucht archäologisch interessante Zonen auf und begeht dort das Gelände. Für den 38-jährigen ist ein Spaziergang nach Regen die beste Methode. "Danach ist mancher Acker wie ein vom Pflug aufgeschlagenes Geschichtsbuch", erklärt er. Um die oft nur wenige Zentimeter großen Gegenstände wie Steinklingen aus rosa, gelbem oder grauem Feuerstein zu bemerken, ist ein scharfes und geübtes Auge wichtig. "Die Steinklingen sind heute noch messerscharf", berichtet Hübsch.

Oberfranken habe sicher nicht zu den bevorzugten Siedlungsgebieten gehört, dennoch hat auch Hübsch Beweise für hoch entwickelte Kulturen der Urnenfelderzeit oder der Früh-Latene-Zeit gefunden. "Die alte Mär, dass sich in unserer Gegend während der vorgeschichtlichen Zeit nur Urwälder befanden und die Menschen durchgezogen sind, kann wirklich in das Reich der Fabel verwiesen werden", unterstreicht der Amateurforscher. Seine wichtigsten Entdeckungen waren die Siedlungen der Urnenfelder- und Früh-Latene-Zeit in Bindlach, der Urnenfelderzeit bei Haßlach und die frühmittelalterliche Siedlung bei Stockau.

Doch Hübsch ist nicht nur Sammler, sondern auch Berater. Wer etwas gefunden hat, das ihm interessant zu sein scheint, kann sich unter der Telefonnummer 09 21/6 53 07 des Historischen Vereins mit Hübsch und dem Arbeitskreis für Vor- und Frühgeschichte in Verbindung setzen. Und wer den Kreis der Ehrenamtlichen unterstützen will, die den Betrieb im Archäologischen Museum aufrechterhalten, der ist unter dieser Telefonnummer ebenfalls sehr willkommen.


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