Fränkisches Kaleidoskop


Zum neunten Mal vergaben jetzt die Nürnberger Nachrichten ihren mit insgesamt 40 000 DM dotierten Kunstpreis, und die wie jedes Jahr damit verbundene Ausstellung ist auch diesmal wieder zu einem stilistisch sehr vielfältigen und durchaus respektablen Kaleidoskop zeitgenössischer Kunst aus dem fränkischen Raum geworden. Wenngleich auch jetzt wieder einige der prominenteren Künstlernamen fehlen, weil diese Maler und Bildhauer genügend auswärtige Ausstellungsmöglichkeiten finden oder bereits früher mit einem der begehrten Preise bedacht wurden.

Zum ersten Mal findet die Ausstellung im Nürnberger Kunsthaus statt, das seit ein paar Monaten im restaurierten Künstlerhaus am Königstor ein neues Domizil gefunden hat, in dem auch die städtischen Museen später ihren nicht eben geringen Besitz an Werken regionaler Kunst präsentieren wollen.

Rund hundert Arbeiten von 54 Künstlerinnen und Künstlern vereinigt die mit Sorgfalt gehängte Ausstellung, von einer siebenköpfigen Jury ausgewählt aus dreihundert Bewerbungen mit etwa tausend Arbeiten.

Den ersten Preis vergab die Jury an den in Altdorf lebenden Maler, Zeichner und vor allem Radierer Herbert Bessel, dem die städtischen Museen im Fembohaus zum achtzigsten Geburtstag eine größere Einzelausstellung widmen werden und der als konsequenter und formal überaus sparsamer Abstrakter seit Jahrzehnten zu den Klassikern der Region gehört.

Der zweite Preis ging an den Nürnberger Maler Rainer Funk, dessen großformatige Leinwände Blicke auf tropische Meere reflektieren und die Impression auf eine horizontale Schichtung aus Blau, Gelb und Rot reduzieren.

Den dritten Preis bekam die junge Plastikerin Katja von Lübtow für ihre geschmiedeten und geschweißten Stahlskulpturen, die, von nigerianischer Plastik inspiriert, die menschliche Figur gleichsam skelettieren und damit ihre Gegenständlichkeit auflösen.

 

Der unjurierte, persönlich vergeben Sonderpreis des Verlegers ging an die Malerin Chris Bruder: mit ihrer psychologisch überaus eindringlichen Gestaltung des Menschenbildes eine der namhaftesten Künstlerinnen der Region, deren Bilder in Gesichtern und Figurengruppen emotionale Tiefen auszuleuchten versuchen und dabei zumeist einen unbenennbaren, aber nachempfindbaren leisen Schmerz, zumindest aber eine Nachdenklichkeit spiegeln.


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