Das Internationale Künstlerhaus in Bamberg -

eine einmalige Einrichtung in Deutschland


Es ist einmalig in Deutschland - das Internationale Künstlerhaus Villa Concordia in Bamberg, das vergleichbar zur Villa Massimo in Rom Stipendiaten eine Zeit lang künstlerisches Podium ist. Finanziert wird es aus Privatisierungserlösen des Freistaates Bayern.

Erst vor wenigen Tagen gab das Kultusministerium die "Neuen" bekannt: es sind drei niederländische und sechs deutsche Künstler, darunter ein Stipendiat aus München, die ab 1. April 2001 nach Bamberg kommen. Täglich gibt es dort freilich keinen "Tag des offenen Ateliers" - aber die Einrichtung, die sich der Freistaat derzeit jährlich rund 830 000 DM kosten lässt, soll per Errichtungserlass am kulturellen Leben Bambergs und der Region mitwirken.

Eines von vielen Beispielen ist die aktuelle Aktion "Komponisten in der Schule": die vier Komponisten, die ihr Stipendium im Internationalen Künstlerhaus Villa Concordia Ende März 2001 beenden, werden in Schulen in Bamberg und Forchheim Konzerte geben - die Schülerinnen und Schüler bekommen schon vorher Gelegenheit, die Komponisten kennen zu lernen.

 

Wie gelangt man nun in den Genuss eines Jahres-Stipendiums im Künstlerhaus?

Hier verhält es sich wie mit einem großen Staatspreis: Er wird vom zuständigen Minister aufgrund der Entscheidung einer Fachjury vergeben, der die jeweiligen Literatur-, Kunst- oder Musikexperten höchstens zweimal angehören können, so dass keine Einseitigkeit entsteht und eine Vielzahl an künstlerischen Richtungen zum Tragen kommt.

Die Fachjuroren werden vom Kuratorium des Künstlerhauses bestimmt. Freilich haben die Künstler und Künstlerinnen, die eine solche Berufung als Auszeichnung sehen, eine Präsenzpflicht, das heißt, sie sind aus praktischen Gründen gehalten, sich bei Bernd Goldmann (Direktor des Künstlerhauses) abzumelden, wenn sie sich für längere Zeit anderswo aufhalten wollen oder müssen, etwa wegen einer Ausstellung. Der Preis ist als Förderung zu verstehen und kann gegebenenfalls gekürzt werden. Und abgelehnt hat ihn noch niemand - mit einer Ausnahme, weil der Ausgesuchte gerade bei einem anderen Stipendium zugesagt hatte.

Das Geld für das Internationale Künstlerhaus - das neben dem Direktor vier Mitarbeiter hat und nicht nur einen hohen zeitlichen, sondern auch ideellen Einsatz fordert - kommt aus dem Haushalt des Freistaats. Der Etat der Einrichtung liegt derzeit bei 830 000 DM und soll nach dem Ende der Renovierung der Villa Concordia eineinhalb Millionen betragen. Doch Geld ist bekanntlich nie genug vorhanden, schon gar nicht, wenn es um Kultur geht. Deshalb unterstützen Sponsoren und ein Förderverein die vielfältigen Unternehmungen Goldmanns und seiner "Schützlinge". Jener Förderverein der "Freunde des Internationalen Künstlerhauses Villa Concordia" wurde im September 1999 gegründet und zählt bereits etwa hundert Mitglieder, er kann einspringen, wenn das Haushaltsrecht Schwierigkeiten macht. Auch eine Mitgliedschaft aller Stipendiaten wird angestrebt, um sie über die Zeit ihres Stipendiums hinaus an das Künstlerhaus und die Stadt zu binden. Der Mitgliedsbeitrag ist für sie freilich verringert.

In jüngster Zeit konnte der Förderverein einen besonderen Erfolg für sich verbuchen: Innerhalb weniger Wochen war es ihm gelungen, einen sechsstelligen Betrag zu sammeln, mit dem eine Großplastik des polnischen Bildhausers Igor Mitoraj erworben werden konnte. Denn das hat sich zum zweiten Standbein des Künstlerhauses entwickelt: nämlich Ausstellungen herausragender international bekannter Künstler auf die Plätze und die Straßen Bambergs zu holen. Das fing 1998 mit den Werken des Kolumbianers Fernando Botero an und reicht über Joannis Avramidis (1999) bis zu Igor Mitoraj (2000) auch eine Botero-Platik mit Hilfe von Spenden, Sponsoren und Stiftungen angekauft werden konnte, ist der nicht allein von Goldmann erhoffte Skulpturenweg gar nicht mal so unwahrscheinlich.


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