Unter Neandertalern


Das Naturhistorische Museum in der Nürnberger Morishalle ist die letzte deutsche Station der von internationalen Paläoanthropologen erarbeiten und seit gut vier Jahren durch Europa tourenden Ausstellung "4 Millionen Jahre Mensch".

Das Außergewöhnliche der Schau sind die vier großen Dioramen mit elektronisch bewegten Figuren aus vier Stadien der menschlichen Evolution:

Australopithecine (vor etwa 4 bis 3 Millionen Jahren),

Homo erectus (vor rund 1 Million Jahren),

Neandertaler (vor 100 000 bis 50 000 Jahren und

Cro-Magnon-Menschen ( vor 40 000 bis 20 000 Jahren).

Die Lebensechtheit dieser Rekonstruktionen hat etwas Frappantes, beruht aber jenseits allen Geisterbahneffektes auf soliden wissenschaftlichen Ergebnissen, deren Details von vier Forschern, den jeweiligen Grabungsexperten auf dem Gebiet jener Menschheitsepoche, auf Monitoren erklärt werden. Die entsprechenden fossilen Funde wie Knochen, Schädel, Steinwerkzeuge und kleine Kultfigürchen sind in Vitrinen ausgebreitet.

So versucht die Ausstellung, die sich an ein möglichst breites Publikum und nicht zuletzt auch an Jugendliche wendet, auf geschickte Weise den doppelten Weg einer populären, sinnlichen Veranschaulichung, die das Ferne eingängig darstellt, und zugleich einer wissenschaftlichen Ernsthaftigkeit, die ihr den Ruf der Seriosität sichert.

Karten zeigen die weltweit verstreuten Fundorte der vor- und frühzeitlichen Fossilien und zeichnen die Ausbreitungswege der sich anatomisch wandelnden Gattung nach, Fotos und schematische Darstellungen erläutern Grabungsmethoden. Man möchte der Ausstellung auch in Nürnberg die Aufmerksamkeit wünschen, die sie in vielen Städten schon gefunden hat.

Vor dem Ausgang steht man vor einer monströsen Gruppe: Mann und Frau mit stierem Blick vor dem Fernseher, dies angesichts der Frage, ob unsere fernen Nachfahren einst ein solches Bild vom Homo postmodernus des beginnenden 3. Jahrtausends haben werden. (Ausstellung bis 10. Juni 2001 - Katalog 15 DM).


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