Gast in Schloss Unteraufseß

175. Geburtstag des Dichters Viktor von Scheffel


In diesem Jahr jährt sich zum 175. Mal der Geburtstag des Dichters Viktor von Scheffel, der mit Franken und insbesondere der Fränkischen Schweiz eng verbunden war.

Eine Reihe von Veranstaltungen findet zu dieser Thematik statt.

In diesem Zusammenhang ist von Interesse, dass Scheffel (1826 bis 1886) auch Kontakte zum Ort und der Familie Aufseß unterhielt. Im Sommer des Jahres 1859 bezog der Schriftsteller mehrere Wochen Quartier in Banz und bereiste die nährere und weitere Umgebung. Daraus entstand unter anderem das Lied "Ins Land der Franken fahren".

Auch ein Besuch von Schloss Unteraufseß und des Burgherrn stand auf dem Programm. Es war dies weniger die Begegnung zweier Männer von Stand, denn Scheffel wurde erst zu seinem 50. Geburtstag geadelt. Es war vielmehr ein Treffen zweier Prominenter des damaligen deutschen Geisteslebens: Scheffel war ein viel gelesener Autor, Hans von Aufseß war Gründer und Leiter des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg.

Die gegenseitige Wertschätzung der beiden, die immerhin ein Altersunterschied von 25 Jahren trennte, kommt auch darin zum Ausdruck, dass der Freiherr Scheffel als seinen Nachfolger in der Noris vorschlug. Scheffel lehnte diese Berufung jedoch ab, er hielt sich für nicht geeignet.

Wegen dieses Besuches ging Aufseß in die Literaturgeschichte ein. Scheffel verfasste anlässlich seines Aufenthalts in Franken ein Gedicht mit dem Titel "Exodus cantorum". Darin schildert er einen Ausflug der Bamberger Domsängerknaben in die Fränkische Schweiz. Etappen sind unter anderem Pottenstein, Gößweinstein, das Wiesenttal oder Rabeneck. Die letzte Station ist Aufseß:

"Am Turm von Aufseß großt uns dann /

Die Rose aus blauem Schilde /

Ein schriftgelehrter Rittersmann /

Hegt sie in ernster Milde /

In der Kapelle hat er sich /

Schon Gruft und Sarg bestellet /

Doch zecht er noch frisch tugendlich /

Wenn er den Hirz gefället."

(Ein "Hirz" ist ein Hirsch).

 

Vielleicht hat Scheffel mit der Wahl des mittelhochdeutschen Ausdrucks auf die gemeinsame Vorliebe für das Mittelalter angespielt. Die Anekdote mit dem Sarg stimmt übrigens, auch wenn Scheffel zuweilen etwas dichterisch frei mit Fakten umging.

Auch in einem Brief an die Mutter in Karlsruher wird Aufseß genannt.

". . . der den romantischen Dorf-Edelmann mit seinem Spleen trefflich charakterisierende Sitz des jetzigen Germanischen-Museums-Direktors Hans v. Aufseß - dies alles waren die Hauptpunkte meiner an ermüdenden Märschen, guten Forellenimbissen und freundlichen Eindrücken reichen Bergfahrt."

 

Viktor von Scheffel war zu Lebzeiten ein gefeierter Bestsellerautor. Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde es still um ihn. "Ins Land der Franken fahren" wird jedoch bis heute gesungen. Vor einigen Jahren wurde der historische Roman "Ekkehard" für das Fernsehen verfilmt.


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