Die Entstehung des Königreiches Sizilien mit Neapel, sowie dessen Machtstrukturen z.Zt. der Normannen und der Staufer ab 1059 bis 1266 (68), sowie danach unter dem Grafen von Anjou ab 1266 (68) bis 1282.
(Hypothetische Geschichtsbetrachtung von Ernst Seifert)
Vorbemerkung
Die an der Südwestspitze Italiens (Stiefel) im Mittelmeer gelegene Insel Sizilien hatten die Normannen (Wikinger) ab 1061 bis 1091 erobert.
Diese Insel wurde ab 1127 mit Unteritalien einschließlich Neapel zum Königreich Sizilien vereinigt. Ab 1194 bis 1266 (68) stand das Königreich (beider) Sizilien unter der Herrschaft der Staufer (Heinrich VI. und Friedrich II.). Nachdem Herzog Konradin von Schwaben (ein Enkel Friedrichs II.) 1268 bei Tagliacozzo von Graf Karl I. von Anjou besiegt und noch im gleichen Jahr durch selbigen in Neapel hingerichtet worden war, wurde Karl von Anjou (1220/1285) König von Sizilien.
Anmerkung zu Karl I. von Anjou: Dieser war ein Bruder von König Ludwig IX. von Frankreich (1226/1270). Karl I. von Anjou war bereits 1265 von Papst Klemens IV. (1265/1268) mit Neapel und Sizilien belehnt worden.
Die Normannen (Wikinger) ab 1059 bis 1194
Die aus Skandinavien stammenden Normannen (Dänen, Norweger und Südschweden) begannen im Mittelalter mit der Reichsgründung in Unteritalien, wo sich nach der Vernichtung des Langobardenreiches (774) im Raum Salerno, Capua und Neapel kleine langobardische Herzogtümer erhalten hatten.
Die aus der Normandie (Nordwestfrankreich) 1016 kommenden normannischen Ritter erhielten hierbei Lehensgrafschaften. Der Normanne Robert Guiscard, ein Sohn des Grafen Tancred von Hauteville, gründete nach der Vertreibung der Byzantiner aus deren letzten italienischen Besitzungen das Normannenreich in Unteritalien und Sizilien.
I. Machtstrukturen im Normannenreich
1. Robert Guiscard (1015/1085) wurde 1059 Lehnsmann des Papstes Nikolaus II. (1059/1061) und leistete im gleichen Jahr dem Lehenseid auf selbigen. R.G. besiegte den byzantinischen Kaiser Alexius I. Komenus (1081/1118) bei Durazzo und entreißt ab 1061 bis 1072 den Arabern den größten Teil Siziliens. Bereits 1053 hatte R. G. Apulien, sowie Calabrien erobert und anerkannte die Oberhoheit des Papstes Stephan IX. (1057/1058).
Im Jahre 1084 befreite R. G. den Papst Gregor VII. (1073/1085) aus der Engelsburg in Rom, wo selbiger von Kaiser Heinrich IV (1056/1106) gefangen gehalten wurde.
2. Roger I. (1056/1101) ein Bruder von Herzog Robert Guiscard und Sohn des Grafen Tancred von Hauteville, setzte nach dem Pesttode seines Bruders Robert 1085 die Eroberung Siziliens bis 1091 sowie Maltas (1090) alleine fort. Ab 1061 hatte Roger I. die Eroberung zusammen mit seinen Bruder Robert bis 1085 durchgeführt.
3. Roger II. (1095/1154) der Sohn von Roger I. vereinigte die verschiedenen normannischen Herrschaften in Unteritalien zum Königreich beider Sizilien. Im Jahre 1130 wurde Roger II. zum König von Sizilien erhoben, sowie 1139 von Papst Innozens II. (1130/1143) als König von Sizilien bestätigt.
Anmerkung: durch die 1186 erfolgte Vermählung von Roger II. Erbtochter Konstanze (1154/1198) mit König Heinrich VI. von Hohenstaufen, wurde bereits die Grundlage zur späteren Stauferherrschaft über Sizilien gelegt.
4. Wilhelm der Böse (1154/1166) König von Sizilien vermutlich anstelle der noch unmündigen Erbtochter Konstanze von König Roger II. (dessen Nachfolger im Königreich Sizilien geworden), unterstütze Papst Alexander III. (1159/1187) gegen den Deutschen Kaiser Friedrich I. (1152/1190) - Barbarossa (den Vater von Heinrich VI.).
5. Wilhelm II. der Gute (1166/1189) König von Sizilien - war mit Hohanna (Joanna), einer Tochter des König Heinrich II. von England (1133/1189) vermählt, welche nach Wilhelm II. Tod 1189 von dessen illegitimen Vetter Tankred gefangen genommen wurde.
6.Tankred (1190/1194) König von Sizilien: (letzter normannischer König) hatte sich den Thron Wilhelm II. nach dessen Tod 1189 angeeignet. Allerdings wurde selbiger von Kaiser Heinrich VI. ebenfalls beansprucht.
Die Staufer ab 1194 bis 1166 (68)
Durch die 1186 erfolgte Vermählung des Sohnes Heinrich (VI.) von Kaiser Friedrich I. (1122/1190) Barbarossa mit der Erbtochter Konstanze (1154/1198) des König Roger II. (1095/1154) von Sizilien, kam der Normannenstaat (beider Sizilien) ab 1194 zum staufischen Machtbereich des Deutschen Reichs.
1. Heinrich VI. (1194/1197) König von Sizilien - geb. 1165 als Sohn von Kaiser Friedrich I., war seit 1186 mit Konstanze der Tochter von König Roger II. (gest. 1154) von Sizilien vermählt. Heinrich VI. wurde nach dem Tod seiner Vaters (1190) im Jahre 1191 zum Deutschen Kaiser gekrönt sowie 1194 auch zum König von Sizilien. Papst Colestin III. (1191/1198) verhinderte allerdings Heinrich VI. Plan Deutschland zum Erbreich zu machen.
Anmerkung: nach dem Tod von Kaiser Heinrich VI. (1197), wurde dessen Bruder Herzog Philipp von Schwaben (1180/1208) ab 1198 zum deutschen König gewählt. Allerdings wurde gleichzeitig auch Herzog Otto (IV.) von Braunschweig zum Gegenkönig desselben gewählt. König Philipp von Schwaben wurde 1208 auf der Hochzeit seiner Nichte Beatrix mit dem Herzog Otto VII. von Meranien von Pfalzgraf Otto VIII. von Bayern ermordet.
Papst Innozens III. (!!)(/1216) hatte ab 1198 König Otto IV, den Gegenkönig Philipps im Kampf um die Nachfolge von Kaiser Heinrich VI. im Reich unterstützen.
2. Friedrich II. (1198/1250 König von Sizilien - geb. 1194 (als Sohn von Kaiser Heinrich VI. und dessen Gemahlin Konstanze (geb. vermutl. 1154), stand ab 1198 bis ca. 1208 (10) unter der Vormundschaft von Papst Innozens III.
Ab 1213 war Friedrich II. Gegenkönig von Kaiser Otto IV. (1174/1218) in Deutschland und wurde 1215 zum deutschen König sowie 1220 zum Deutschen Kaiser gekrönt. Friedrich II. nimmt gleich Friedrich I. den Kampf um die Macht in Italien gegen den Papst und die lombardischen Städte auf.
3. Konrad IV. (1228(1254) ein Sohn von Kaiser Friedrich II. war bereits 1237 an Stelle seines abgesetzten Bruders Heinrich (VII.) zum dt. König gewählt worden und Regent in Deutschland. Konrad IV. mußte sich allerdings hierbei in Süddeutschland im Kampf gegen Heinrich Raspe (1246/1247) sowie Wilhelm von Holland (1247/1256) als seine Gegenkönige durchsetzen. Im Jahre 1250 folgte Konrad IV. seinen Vater Friedrich II. auf den Thron (dt. Reich und Kgr. Sizilien). Konrad IV. starb 1154 in Italien als er sein sizilianisches Erbe behaupten will.
Anmerkung zu: (Heinrich VII., Heinrich Raspe und Wilhelm von Holland)
a) Heinrich VII. (1211/1247) ein Sohn von Friedrich II. wurde 1220 zum dt. König gewählt und nach seiner Empörung gegen seinen Vater 1235 gefangen genommen, sowie nach Apulien (im MA Calibrien) verbracht. (Apulien im südöstl. Teil der italienischen Halbinsel gelegen).
b) Heinrich Raspe (1202/1247) Landgraf von Thüringen wurde 1246 von der päpstlichen Partei (Papst Innozens IV - 1243/1254) zum Gegenkönig Friedrich II. ausgerufen (Pfaffenkönig). H. Raspe vertrieb Elisabeth (hl. Elisabeth) - 1207/1231) die Witwe seines Bruders Ldgr. Ludwig IV. 1227 von der Wartburg.
c) Wilhelm von Holland (1227/1256) wurde 1247 von den rheinischen Bischöfen und Fürsten zum Gegenkönig von Kaiser Friedrich II. gewählt.
4. Manfred (1258/1266) König von Sizilien (geb. 1232) ein Sohn von Kaiser Friedrich II., wurde 1254 nach dem Tode von Konrad IV. für dessen Sohn Konradin Regent und 1258 zum König von Sizilien ausgerufen. König Manfred wurde jedoch von Papst Alexander IV. (1254/1261) mit dem Kirchenbann belegt, da er selbigen nicht als Lehnsherrn anerkennt. Im Jahre 1266 ist König Manfred im Kampf gegen den von Papst Klemens IV. (1265/1268) gerufenen Grafen Kar von Anjou bei Benevent gefallen.
Anmerkung zu: Karl von Anjou und Benevent
a) Karl von Anjou wurde 1205 von Papst Klemens IV. mit Neapel und Sizilien bedacht
b) Benevent = Stadt nordöstlich von Neapel, welche 1049 zum Kirchenstaat gehörte.
Das Ende der Stauferherrschaft über Sizilien 1266/68 sowie im deutschen Reich
Herzog Konrad (Konradin) von Schwaben (1252/1268) war der Sohn von König Konrad IV. und dessen Gemahlin Elisabeth (einer Tochter des Herzog Otto II. von Bayern). Konrad erhob nach dem Tode von König Manfred von Sizilien (1266) Anspruch auf sein sizilianisches Erbe und folgte 1267 dem Ruf der Ghibellinen nach Italien zur Eroberung seines sizilianischen Erbes zu ziehen.
Als Herzog Konrad 1267 über die Alpen ziehend nach Rom kam, wartete dort allerdings bereits (östlich von Rom) dessen Hauptgegner Karl von Anjou mit einen Heer auf ihn.
Am 18. August 1268 kam es auf den palatinischen Feldern bei Tagliacozzo zur Entscheidungsschlacht. Konradin glaubte die Schlacht bereits gewonnen, da seine Krieger das Schlachtfeld beherrschten, als Karl von Anjou in diesen Augenblick mit 800 Reitern aus dem Hinterhalt hereinbrach und Konradins Heer niedermachte.
Konradin floh über Rom an die Küste ans Mittelmeer um von dort per Schiff nach Pisa zu gelangen, wurde jedoch bereits an Bord des Fluchtschiffes gefangen genommen und von Karl von Anjou nach Neapel gebracht.
Am 29. Oktober 1268 wurde der erst 16 jährige Herzog Konrad (Konradin) dort hingerichtet, sowie später in der neapolitanischen Kirche Santa Marie del Carmine beigesetzt.
Anmerkung zu den Ghibellinen sowie Guellfen:
a) Die Ghibellinen: (Deutung unbestimmt vermutlich eine Ableitung des arabischen Wortes für Hohenstaufen). Im MA während der Machtkämpfe zwischen den Kaiserthron und Papsttum, sowie zwischen Staufern und Welfen waren die Ghibellinen Anhänger der Stauferkaiser.
b) Die Guelfen: (Welfen) waren Parteigänger der Päpste und Städte in Italien, sowie Gegner der Ghibellinen während der Stauferzeit.
Das Königreich Sizilien nach der Stauferherrschaft ab 1266/68
Karl I. von Anjou (1220/1285) der Bruder des Königs Ludwig IX. von Frankreich (1226/1270) wurde bereits 1165 von Papst Klemens IV. (1265/1268) mit Neapel und Sizilien belehnt. Allerdings mußte Karl von Anjou dieses Reich jedoch erst den Hohenstaufern entreißen. Er besiegte 1266 den König Manfred bei Benevent sowie Herzog Konrad (Konradin) von Schwaben 1268 bei Tagliacozzo. Allerdings machte sich Herzog Karl I. von Anjou alsbald schon verhaßt und verlor 1282 Sizilien (sizilianische Vesper) an Peter von Aragon.
Anmerkung zu den Grafschaften Anjou und Provens:
a) Die im Nordwesten von Frankreich gelegene Grafschaft Anjou wurde 1204 von der französischen Krone erobert
b) Die 1146 zu Anjou gekommene Grafschaft Provens ist im Südostfrankreich zwischen Piemont und den Mittelmeer (Seealpen) gelegen.
F A Z I T
Zur Entstehung des Königreiches Sizilien und Neapel
Vorstehende hypothetische Geschichtsbetrachtung, soll als Ergänzung zu der im Juli 1997 vom gleichen Verfasser gefertigten hypothetischen Geschichtsbetrachtung - Der Königsmord in Bamberg - privater Racheakt oder politisches Attentat - dienen.
Bemerkung zum Königsmord in Bamberg:
a) Hier wird hinsichtlich der Ermordung des Stauferkönigs Philipp von Schweden am 21. Juni 1208 in Bamberg, bereits auf ein politisch modifiziertes Attentat an Stelle eines Racheaktes hinweisen. Hierbei findet auch der mittelalterliche Kirchenstaat, sowie der damalige Papst Innozens III. (ab 1198) Erwähnung.
b) Es ist deshalb vermutlich nicht auszuschließen, daß nach dem Tode von Kaiser Heinrich VI. 1197, sowie dem seiner Gemahlin Konstanze 1198 damals auch interne Auseinandersetzungen zwischen König Philipp und Papst Innozens stattgefunden haben. Vermutlich spielten selbige, die Herrschaft der Staufer in Sizilien betreffend, ebenfalls eine Rolle im Machtkampf zwischen Staufern und Welfen im Deutschen Reich.
c) Der 1194 geborene Sohn Friedrich (II:) des Kaiserpaares Heinrich VI. und Kanstanze, war zu diesen Zeitpunkt (1197/98) erst 3 bzw. 4 Jahre alt und bedurfte daher eines Vormundes. Ab 1198 stand Friedrich (II.) daher unter der Vormundschaft von Papst Innozens III. und wurde bereits 1198 zum König von Sizillien erhoben.
Literaturangaben:
Lexikon der Weltgeschichte 1977, Kapp Verlag OHG, 64626 Bensheim, Heidelberger Straße 45
Herder Volkslexikon 1963/66, Herder Verlag KG, Freiburg Preisgau-Druck 1966
Pötner Rudolf, Die Wikinger-Saga-1972, Verlag: Reinhard Mohn OHG, Gütersloh
Lohmeier Georg: Die Ahnen des Hauses Bayern; Die Geschichte der Wittelsbacher, Auflage 1980, Verlag Wilhelm Goldmann, München
Nöhbauer Hans F., Die Wittelsbacher - eine europäische Dynastie - eine deutsche Chronik, Auflage 1979, Scherzverlag, Bern und München
Aufgestellt: Bayreuth im Mai 1998
Dipl.-Ing. (FH) Ernst Seifert, Hübschstraße 12, 95448 Bayreuth
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