Freiwillig in die Kultur !!!

"Freiwilliges Soziales Jahr" jetzt auch im Kulturbereich


Was lange Zeit nur im sozialen und ökologischen Bereich möglich war, gilt nun ebenso für die Kultur:

 

Ab sofort kann das "Freiwillige Soziale Jahr" - bundesweit und als Regelfall - auch im Kulturbereich geleistet werden. Ende April 2002 verabschiedete der Bundesrat eine entsprechende Gesetzesinitiative der Bundesregierung.

 

Danach können bereits zum 01. September 2002 Kunstschulen, Medienwerkstätten, Museen, Theater, Bibliotheken, Kunsthäuser, soziokulturelle Zentren, kulturpädagogische Einrichtungen, Musikschulen, Rockinitiativen etc. InteressentInnen aufnehmen.

Das entsprechende Verfahren wird derzeit mit den Bundesländern abgestimmt.

 

Das seit 1964 bestehende "Freiwillige Soziale Jahr", das nicht nur verschiedenste soziale, medizinische und karitative Einrichtungen entlastet, sondern auch Jugendlichen zwischen 16 und 27 Jahren eine gesellschaftliche und berufliche Orientierung verschaffen will, erfährt so eine entscheidende Erweiterung. Denn es kann nicht schaden, wenn "Jugendlichen schon früh die Möglichkeit gegeben wird, mit Kultur in Berührung zu kommen und sich mit ihr auseinanderzusetzen", meinte bereits auch der frühere Kulturstaatsminister Nida-Rümeling in Reaktion auf die Bundesratsentscheidung, denn: Wer sich für kulturelle Vielfalt engagiere, sei auch gesellschaftlichen Veränderungen gegenüber aufgeschlossener - ein gerade "im Hinblick auf die Integration und den Umgang mit Minderheiten grundlegender Gesichtspunkt."

Doch wie so häufig liegen die Probleme auch hier im Detail. Denn eine erfolgreiche Gesetzesinitiative ist die eine, deren konkrete Umsetzung in der föderalistischen Bundesrepublik die andere Seite. Allerdings liegen mit dem Modellprojekt der Bundesvereinigung Kulturelle Jugendbildung (BKJ)

"Rein ins Leben - Freiwilliges Soziales Jahr im Kulturellen Bereich"

wesentliche Erfahrungen bereits vor. Der seit fast einem Jahr in fünf Ländern (Niedersachsen, Berlin, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen) laufende Bundesmodellversuch hat nämlich bereits 125 Freiwillige gewinnen können und zur gegenseitigen Zufriedenheit mit Theorie und Praxis der Kulturarbeit vertraut gemacht.

Und so hat auch die BKJ gewissermaßen eine Führungsrolle bei der bundesweiten Initiierung der kulturellen Ausweitung des Freiwilligen Jahrs übernommen und eine Ausschreibung gestartet mit dem Ziel, Kultureinrichtungen davon zu überzeugen, weiteren jungen Menschen die Chance des Freiwilligen Sozialen Jahrs zu eröffnen. Der Verband selbst übernimmt dabei die Vermittlung möglicher InteressentInnen und Einsatzstellen und beantragt einen Bundeszuschuss, der durch Landes- und kommunale Mittel ergänzt werden kann. Zudem übernimmt er die Aufgabe der "überbetrieblichen" Qualifizierung in den gesetzlich vorgeschriebenen fünf Bildungswochen.

Die Resonanz - so hört man - ist äußerst positiv, so dass die BKJ ab September 2002 auch in den restlichen Bundesländern aktiv werden kann. Ein strukturelles Manko des Freiwilligen Sozialen Jahrs im Kulturbereich lässt sich allerdings auch mit gutem Willen nicht übersehen. Die Einrichtung eines kulturellen Freiwilligenplatzes kostet die einstellende Einrichtung in etwa 500 Euro monatlich. Doch während im Sozial- und Ökologiebereich mittlerweile längst die Strukturen für eine möglichst kostenneutrale Gegenfinanzierung entwickelt worden sind, fehlen diese im Kulturbereich - zumal bei den kleineren Einrichtungen - noch weitgehend.

Falls sich folglich die Kulturpolitik in Bund und Ländern entschließen könnte, hier schnell für Gleichbehandlung zu sorgen, dürften die Kultureinrichtungen in Deutschland bald ein erheblich gesteigertes Interesse an den "Freiwilligen" offenbaren.


zurück